Politische Teilhabe
Grosse Unterstützung der Parteien: Aarau soll ein Jugendparlament erhalten

Fast alle Einwohnerratsfraktionen fordern in einem gemeinsamen Vorstoss die Einführung dieser politischen Mitsprachemöglichkeit.

Nadja Rohner
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Aarau soll ein Jugendparlament - wie es hier im Luzerner Kantonsratssaal sitzt - erhalten.

Aarau soll ein Jugendparlament - wie es hier im Luzerner Kantonsratssaal sitzt - erhalten.

Eveline Beerkircher

Der Badener Stadtammann Markus Schneider weiss, was die Jugend in der Stadt bewegt und welche Themen sie gerne von der Politik angepackt sehen würde: Orte im öffentlichen Raum ohne Konsumzwang, ökologischere Stadt, Outdoor-Trainingsplatz, Busfahrzeiten am Lindenplatz. Gesammelt und überreicht wurden Schneider die Anliegen kürzlich direkt von der Quelle – vom Badener Jugendparlament.

Es war vor einem knappen Jahr gegründet worden, trifft sich monatlich und führte im November 2021 seine erste formelle Session durch. Das «JuPa Baden» steht allen Jugendlichen im Alter von 13 bis 25 Jahren offen, unabhängig von ihrer Nationalität. Es sei «das Sprachrohr der jüngeren Generation», der Stadtrat nehme es ernst und werde sich den Anliegen annehmen, liess sich Schneider zitieren.

Jugendparlament nach Badener Vorbild

Was Baden vorgemacht hat und es auch in ausserkantonalen Gemeinden schon länger gibt, soll nun in Aarau ebenfalls etabliert werden. Das fordert ein Postulat im Einwohnerrat, welches so breit abgestützt ist, dass die Einführung eines Jugendparlaments oder eines ähnlichen Forums schon jetzt sehr wahrscheinlich erscheint. Denn ausser die SVP haben alle Fraktionen respektive Fraktionsgemeinschaften unterzeichnet.

Konkret wird der Stadtrat mit dem Postulat aufgefordert, «die Einführung eines Jugendparlaments zu prüfen und dem Einwohnerrat entsprechend Bericht zu erstatten». Es sei auch zu prüfen, ob wie in Baden nicht nur die Jugendlichen aus der Stadt selber zugelassen werden sollen, sondern auch jene, die in Aarau zu Schule gehen oder ihre Freizeit verbringen. «Aarau erhielt 2020 das Unicef-Label Kinderfreundliche Gemeinde und hat sich damit dazu bekannt, die Partizipation von Kindern und Jugendlichen zunehmend zu institutionalisieren», heisst es im Postulat.

Zwar erwäge die Stadt, dass es Jugendlichen in Zukunft erlaubt sein soll, politische Vorstösse einzubringen. Dies sei ein erster Schritt in Richtung Einbindung der Jugendlichen in die Politik. Aber das Postulat zielt darauf ab, dass die Stadt noch «einen Schritt weiter» gehe: «Die Jugendlichen sollen politische Vorstösse im Rahmen eines eigenen Parlaments behandeln und allenfalls auch finanzielle Beiträge für Projekte im Jugendbereich sprechen können.»

Im Postulat heisst es weiter, dass Jungparteien zwar Zuwachs verzeichnen und viele junge Menschen für ihre Anliegen auf die Strasse gingen. Die Politisierung in einer Partei sei jedoch selektiver und die Eintrittsschwelle höher als bei einem Jugendparlament. «Die meisten politischen Entscheide, die Erwachsene fällen, betreffen die Zukunft der Jugendlichen direkt oder indirekt», schreiben die Postulanten und Postulantinnen. Das Jugendparlament könne die Jugendlichen in die politischen Prozesse einführen. «Nur wer frühzeitig mitentscheiden kann, bildet sich eine eigene Meinung. Wer gefragt wird, übernimmt Verantwortung, lernt sich in der politischen Landschaft zurecht zu finden und vertieft die politische Urteilskompetenz.