Kommentar

Schonungslose Aufklärung: Jetzt wird es unangenehm für die KSA-Chefs

Rolf Cavalli
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Prof. Dr. med. Javier Fandino, Ex-Chefarzt Neurochirurgie Kantonsspital Aarau. (Archivbild)

Prof. Dr. med. Javier Fandino, Ex-Chefarzt Neurochirurgie Kantonsspital Aarau. (Archivbild)

Sandra Ardizzone

Die Vorwürfe sind ungeheuerlich, das Schadenpotenzial riesig: Ein Neurochirurgie-Chefarzt soll Patienten als Versuchskaninchen missbraucht haben, dem Kantonsspital Aarau drohen Schadenersatzklagen in zweistelliger Millionenhöhe. Die AZ und jetzt auch die NZZ haben über den Fall ausführlich und kritisch berichtet.

Ohne Akteneinsicht bleibt die Angelegenheit aber undurchsichtig. Es ist deshalb höchste Zeit, dass das Gesundheitsdepartement von Jean-Pierre Gallati eine Untersuchung einleitet. Geklärt werden muss in erster Linie, ob der Starchirurg wirklich ohne Bewilligung umstrittene Behandlungsmethoden angewendet hat und ob die Spitalleitung ihre Führungs- und Kontrollfunktion genügend wahrnimmt.

Bei einem derart grossen Betrieb wie dem KSA mit über 4500 Mitarbeitenden sind Fehltritte einzelner unvermeidbar. Damit nicht das ganze Spital in Misskredit kommt, ist es essentiell, den Fall schonungslos aufzuklären und die Konsequenzen zu ziehen.

Im Zuge von Corona ist die Sensibilität in der Bevölkerung gegenüber dem Gesundheitswesen gestiegen, Vertrauen in die Mediziner und Verlässlichkeit von Spitälern noch höher zu gewichten. Gallati hat angekündigt, auch personelle Änderungen ins Auge zu fassen, falls grobe Unzulänglichkeiten in der Führung zutage kämen. Den Verantwortlichen im KSA stehen unangenehme Monate bevor.