Suhr

Überdachte Badi: Wird es doch keine öffentliche Nutzung geben?

Falls die Traglufthalle für das Suhrer Freibad kommt, hätten Sportvereine und Schulen neuerdings klar Priorität.

Daniel Vizentini
Drucken
Teilen
Das 50-Meter-Becken des Freibads würde im Winter mit einer Traglufthalle umhüllt.

Das 50-Meter-Becken des Freibads würde im Winter mit einer Traglufthalle umhüllt.

Steve Radam

In der Region fehlt ein grosses Hallenbad und politisch besteht der Wille, eines zu bauen. Dies bestätigte Marco Genoni, der Gemeindepräsident von Suhr, am Informationsforum diese Woche. So stünden alle 17 Gemeinden des Planungsverbands Aarau Regio – 12 aus dem Aargau und 5 aus dem Kanton Solothurn – hinter dem Projekt.

Ein neues Bad würde aber rund 30 Millionen Franken kosten und es könnte über 20 Jahre gehen, bis es gebaut würde. «Darum gibt es die Idee, unser Freibad im Winter mit einer Traglufthalle nutzbar zu machen.» Sie wäre als provisorische Lösung gedacht – wobei «provisorisch» mindestens 10, wahrscheinlich um die 15 Jahre bedeutet.

Spitzenschwimmer-Nachwuchs ist gut – hat aber kein Wasser

Das Vorhaben wurde letztes Jahr bereits präsentiert. Bei einem Vorentscheidungsgesuch, um die Bewilligungsfähigkeit der Traglufthalle abzuklären, ist im Januar eine Einwendung eingegangen. Neu ist nun aber, dass das im Winter gedeckte und geheizte Bad nur Sportvereinen und Schulen zur Verfügung stehen könnte. Gedacht sei «in erster Linie ein Sportbad für Leistungsschwimmer», sagte Gemeinderat Oliver Krähenbühl am Informationsforum. «Nicht öffentlich und kein Familienbad.» Der Spitzenschwimmer-Nachwuchs in der Region sei sehr gut, «und sie haben heute kein Wasser», so Krähenbühl.

Mit den Schwimmtrainings alleine werde das gedeckte Bad aber nicht ausgelastet. Deshalb sollen es auch die Schulen nutzen. «Wir zahlen heute sehr viel Geld, damit unsere Schüler in der Telli schwimmen können.» Der neue Lehrplan 21 schreibt vor, dass alle Kinder schwimmen lernen müssen. Die Kapazität des Hallenbads in der Aarauer Telli reicht dafür nicht aus.

Öffentliche Nutzung «nur falls dann noch Platz bleibt»

Stand heute sollen also nur Schulen und Spitzensportler das gedeckte Freibad nutzen können. «Darum wird es auch fürs Quartier nur minimalen Mehrverkehr geben», so Krähenbühl. Kommuniziert wurde das in dieser Form bisher aber nicht. Im Vorprojekt zur Traglufthalle jedenfalls steht, sie biete «ein Angebot für die Öffentlichkeit, den Schulsport, den Vereins- und Breitensport sowie den Leistungssport». An einer weiteren Stelle ist wieder von «Schulsport, Vereinssport und öffentlicher Nutzung» die Rede.

Der Grund für die bisher noch unklaren Worte ist aber einfach: In Stein gemeisselt ist noch nichts. Der Suhrer Gemeinde-Geschäftsführer Philippe Woodtli erklärt auf Nachfrage: «Die Nutzung ist prioritär für Sportvereine und Schule. Nur falls dann noch Platz bleibt, soll auch eine ‹öffentliche Nutzung› im Sinne einer Gelegenheit für Schwimmer gegeben werden.»

Nur zum Planschen wäre das gedeckte Bad also nicht gedacht, so viel ist sicher. «Wie das organisiert werden soll (falls überhaupt), ist aber noch offen», sagt er. Möglich wäre, dass die Hobbyschwimmer von den Vereinen aufgenommen werden, damit sie das Bad benützen dürfen.

Entscheid fällt an der Gmeind im November

Wenn diejenigen, die keinem Verein angehören, vom künftig gedeckten Bad ausgeschlossen würden, könnte eine Annahme des Projekts an der Gemeindeversammlung – voraussichtlich im November – schwieriger werden. «Aarau Regio» geht von Kosten von 2,9 Millionen Franken aus für die Halle. Beteiligen sollen sich alle 17 Gemeinden des Planungsverbands und nicht nur die Trägergemeinden des Freibads, Suhr, Buchs und Gränichen.

Auch die Sportvereine könnten einen Batzen beitragen. «Wenn nur die Vereine dort schwimmen dürfen, kann die Öffentlichkeit es doch nicht finanzieren», regte sich ein Mann am Informationsforum auf. Krähenbühl stellte klar: «Die öffentliche Hand finanziert Sportanlagen immer mit.»

WSB-Haltestelle bei der Badi wäre ein Thema

«Aarau Regio» prüft auch die Varianten Ausbau Hallenbad Telli und allenfalls Entfelden. Ergebnisse werden Ende Jahr erwartet. Das Bad in Suhr eigne sich besonders, da es neben dem Freibad Schachen in Aarau das einzige der Region ist mit einem 50-Meter-Becken. Zudem sei es von der kompakten Bauweise her optimal: In Suhr liegen die technischen Anlagen unterhalb des Beckens und der Fernwärmeanschluss ist gleich nebenan. «Wir würden Wärme brauchen, die derzeit als Überschuss in die Luft geht», sagte Krähenbühl.

Vorgestellt wurde auch die Lösung für die Garderobe: «Von uns aus gesehen ist es am besten, wenn man die bestehende Kabine wintersicher macht und mit einem Kanal zur Traglufthalle verbindet», sagte Marco Genoni. «Wir im Gemeinderat wollen keine neue Garderobe.» Diese Umrüstung kostet aber rund 1,2 Millionen Franken, die Halle an sich 560000 Franken.

Am Infoforum fragte ein Suhrer noch nach der Möglichkeit einer neuen WSB-Haltestelle beim Freibad. «Diese ist im Richtplan», antwortete Genoni. Das Badi-Projekt, an dem mehrere Gemeinden beteiligt sind, plus die höhere Besucherfrequenz könnten den Ausschlag dafür geben.