Buchs
Umbaumarathon ist bald zu Ende: Warum die «Züglete» zur Herkulesaufgabe wird

Das Altersheim Suhrhard in Buchs wurde für 46 Mio. Franken komplett erneuert und erweitert. 34 Bewohner zügelten mit ihren Habseligkeiten vom Provisorium im Garten in ihre neuen Zimmer. Ein Riesenaufwand und eine grosse Herausforderung für alle – Bewohner und Mitarbeiter.

Nadja Rohner
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Geschäftsführerin Ursula Baumann freut sich mit Bewohnerin Heidi Schüpfer, dass die Züglete bald abgeschlossen ist. NRO

Geschäftsführerin Ursula Baumann freut sich mit Bewohnerin Heidi Schüpfer, dass die Züglete bald abgeschlossen ist. NRO

Nadja Rohner

Die alte Dame stutzt. Bleibt stehen, dreht sich um. «Äh... Wo bini jetzt dehei?», fragt sie. «Kommen Sie, ich zeige es Ihnen», sagt Ursula Baumann. Die Geschäftsführerin des Alterszentrums Suhrhard in Buchs hält ihren Arm hin, die alte Damen hängt ein, und gemeinsam gehen sie um die Ecke, wo die Heimbewohnerin ihre Zimmertür erkennt. Sie ist bei weitem nicht die einzige, die sich verläuft. Denn das «Suhrhard» wurde während der letzten dreieinhalb Jahre komplett umgebaut – und das bei laufendem Vollbetrieb.

Das heisst: Zuerst kam der Erweiterungsbau, der im Februar 2016 bezogen werden konnte, danach wurde der alte Gebäudeteil komplett ausgehöhlt und saniert. Diese Woche nun konnte auch dieser Teil wieder bezogen werden.

34 Bewohnerinnen und Bewohner zügelten mit ihren Habseligkeiten vom Provisorium im Garten in ihre neuen Zimmer. Ein Riesenaufwand und eine grosse Herausforderung für alle - Bewohner, Mitarbeiter. Hilfe kommt von der Zivilschutzorganisation ZSO Aare Region, rund 90 Mann sind im Einsatz.

An der Fassade müssen noch Arbeiten gemacht werden. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
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Die Cafeteria im Erdgeschoss. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Der Lichthof im Innern erinnert an ein Hotel. Hier kann man das Treiben auf den verschiedenen Stockwerken beobachten. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Von jedem Stockwerk sieht man in den Lichthof. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Unten am Lichthof gibt es einen Aufenthaltsbereich Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Neue Bettwäsche Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Auch die Büros wurden neu gemacht. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Ein Aufenthaltsraum Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
In den Zimmern der geschützten Abteilung für Demenzkranke hat es einheitliches Mobiliar. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Wanddekoration in der geschützten Abteilung Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
In der geschützten Abteilung hat es ein grosses Aquarium. Die Anschaffungen wurden durch Spendengelder des Altersheimvereins bezahlt. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
In der geschützten Abteilung können Bewohner mit Demenzerkrankungen auch auf die Terrasse. Diese hier verfügt über ein Hochbeet. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Eine weitere Terrasse der geschützten Abteilung. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
In diesem Raum der geschützten Abteilung gibt es zwei Betten für kurzfristige Gäste. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard
Eingang zur geschützten Abteilung. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard

An der Fassade müssen noch Arbeiten gemacht werden. Impressionen vom Neubau des Alterszentrums Suhrhard

Nadja Rohner

Fast kommt Hotel-Feeling auf

Es ist wirklich schön geworden, das neue Pflegeheim. Man findet viel heimeliges Holz, grosszügige Gänge, moderne Möbel, frische Farben. Der Lichthof im Kern, an dessen Fuss einige Sessel stehen und der von jedem Stockwerk durch grosse Fensterfronten einsehbar ist, ist ein Highlight. Fast kommt Hotel-Gefühl auf. Aber all das Neue, die schiere Grösse, die ungewohnten Wege, das überwältigt die Bewohner. «Es wird eine Weile dauern, bis sich alle wieder zurecht finden», sagt Ursula Baumann.

Heidi Schüpfer hat schon die erste Nacht in ihrem Zimmer hinter sich und «verhältnismässig gut geschlafen», wie sie erzählt. Das neue Zimmer gefalle ihr gut, aber: «Leider sehe ich jetzt nicht mehr zu den Geissen.»

Noch stehen Umzugskartons in ihrem Zimmer, was nicht in Frau Schüpfers Sinne ist, denn sie ist «eine Ordentliche», wie Ursula Baumann sagt. Die Züglete haben «die Zivilischte» gemacht – so nennt Frau Schöpfer die Zivilschützer. Die Bewohner verliessen am Morgen das alte Zimmer im Provisorium, wurden tagsüber mit Aktivitäten und einem feinen Wurstsalat beschäftigt, gegen 16 Uhr waren die Zimmer für den Bezug bereit.

«Das heisst: Bett und Nachttisch stehen, Telefon und Fernseher sind angeschlossen», so Baumann. «Alles andere - das Auspacken, die Dekoration - wird in den nächsten Tagen gemacht.» Dann verschwinden auch die Umzugskartons und Frau Schüpfer hat ihre eigene Ordnung zurück.

Zuoberst, im 4. Stock, befindet sich die geschützte Abteilung für Menschen mit Demenzerkrankungen. Hier können sie sich relativ frei bewegen, können auch mal auf die Terrasse, werden 24 Stunden am Tag betreut und so gut wie möglich in den Alltag eingebunden.

Ein besonderes Highlight ist das Aquarium, finanziert durch Spendengelder des Altersheimvereins. Es gibt vierzehn fixe Betreuungsplätze und neuerdings – ab Mitte August – auch Platz für zwei temporäre Gäste. «Für Ferienaufenthalte, Tagesgäste oder Notfälle», erklärt Baumann. Etwa, wenn der pflegende Partner einer Demenzkranken unverhofft ins Spital muss.
Mit der Erweiterung steigt die Gesamtkapazität des Pflegeheims um 20 Prozent – nun finden 100 Bewohner einen Platz. Der Bau ist mehr oder weniger fertig, bis auf die Mängelbehebung. Der Brunnen im Hof ist noch leer, es fehlt der Deckbelag, an der Fassade wird noch gearbeitet, hier fehlt noch eine Store, da ein Handlauf.

Kleinigkeiten – im Bauverlauf gab es aber auch handfeste Probleme. Wie eindringendes Wasser an den Nahtstellen der beiden Gebäudehälften. Und aktuell die Sache mit der Hitze: Der Minergie-P-ECO Bau verfügt zwar über kontrollierte Lüftung, aber die Anlage ist noch nicht optimal eingestellt. Teilweise wurden Ablufteinrichtungen in gefangenen Räumen vergessen. «Es sind weitere Justierungen nötig», sagt Ursula Baumann.

Mit anderen Worten: Es ist heiss im Neubau. «Die Bewohner kommen damit einigermassen gut zurecht, aber für die Mitarbeitenden, die sich auch viel bewegen müssen und in den Büros teils keine Fenster nach draussen haben, ist die Situation schweisstreibend.» Die Medikamente mussten im Keller oder im gekühlten Server-Raum zwischengelagert werden. Baumann hofft, dass das Problem bis im September behoben ist.

Ein teurer Bau

Der ganze Um- und Erweiterungsbau wird am Schluss etwa 46 Millionen Franken kosten. Das ist zwar fast doppelt so viel, als man ganz zu Beginn der Projektierung ausgeben wollte, aber entspricht dem nach der Planungsphase revidierten Kostenvoranschlag.

10 Millionen kommen von der Stadt Aarau und der Gemeinde Buchs, von der Letzteren in Form von Bauland. Am 21. Oktober wird das neue Pflegeheim des Alterszentrum Suhrhard offiziell eröffnet. Die Bevölkerung ist am Nachmittag zur Besichtigung eingeladen.