Aarau

Umfrage: 61 Prozent wohnen sehr gern in Aarau – Neubauten machen Sorge

Die Zone 30 macht glücklich und nur rund 3 Prozent der Bevölkerung wohnt nicht gern in Aarau: Das und anderes zeigt eine Bevölkerungsbefragung in der Kantonshauptstadt.

Sabine Kuster
Drucken
Teilen
Ein sehr grosser Teil der Bevölkerung ist gern in Aarau zu Hause.

Ein sehr grosser Teil der Bevölkerung ist gern in Aarau zu Hause.

Chris Iseli

Die Behörden wollten der Bevölkerung den Puls fühlen und diese streckten bereitwillig ihr Handgelenk hin: Von 5000 Fragebögen, die im Mai 2013 im Zufallsverfahren ausgeteilt wurden, kehrten 2121 ins Aarauer Rathaus zurück. «Ich bin erfreut und überrascht, dass so viele mitgemacht haben», sagt Stadtpräsidentin Jolanda Urech.

Rangliste: Sicherheit ist den Aarauern am wichtigsten

Die guten Umfragewerte sind kein Grund, sich zurück zu lehnen: Die Ergebnisse seien die Grundlage für die anstehende Revision der allgemeinen Nutzungsplanung und andere strategische Projekte der Stadt, schreibt die Stadtverwaltung. Laut Jolanda Urech ist vorgesehen, die Umfrage alle vier Jahre zu wiederholen. «Wir wollen damit vermeiden, dass wir plötzlich von Brennpunkten überrascht werden.» Sie erinnert an das Projekt «Allons-y Telli», das 1999 eher notfallmässig gestartet wurde, um die sozialen Probleme im neuen Quartier zu lösen. «Wir sind froh, dass wir nun keine versteckt brodelnden Probleme gefunden haben», so Urech. Kein Thema lag unter dem Schnitt von 2,5 bei einer maximalen Punktzahl von 4.
Die Stadt hat nämlich nicht nur gefragt, was die Bewohner gut und was schlecht finden, sondern auch, wie wichtig ihnen das Thema ist. Dabei ergibt sich folgende Rangliste, das Wichtigste zuoberst:
3,82 Sicherheit der Schulwege
3,59 Sauberkeit
3,5 Sicherheit im Dunkeln
3,44 Spielplätze
3,44 Verkehrssicherheit
3,42 öffentliche Grünräume
3,4 Ruhe in der Nacht
3,38 Einkaufsmöglichkeiten
3,33 Betreuung für Kinder
3,21 Angebote für Jugendliche
3,2 Gesundheitsangebot
3,06 Kulturangebote
3,05 Ruhe am Tag
2,92 Quartiertreffpunkte
2,9 Sport- und Freizeitanlagen
2,85 Gastronomie, Nachtleben
Die Bewohner haben die Themen nach Zufriedenheit klassiert: Am wenigsten zufrieden sind die Aarauer mit vier Punkten betreffend Kinder und Jugendliche (ø 2,7), sowie mit Gastronomie/Nachtleben (2,6). Zufrieden sind sie mit den fünf Punkten zur Infrastruktur der Stadt (ø 3,1). Die übrigen Bereiche liegen betreffend Zufriedenheit dazwischen. (kus)

Auch das Ergebnis freut Urech: Laut der Umfrage geht der Puls der Bewohner ziemlich gleichmässig. Die Stadtverwaltung bilanziert: «In Aarau wohnt man gerne.» In Zahlen ausgedrückt: 61 Prozent wohnen «sehr gerne» in Aarau, 36 Prozent «ziemlich gerne», 2,7 Prozent «weniger gerne» und 0,5 Prozent «überhaupt nicht gerne».

Ein fantastisches Resultat, insbesondere weil es von Quartier zu Quartier praktisch keine Unterschiede gibt.

Die extremste Differenz: Die Bewohner am Hungerberg und im Scheibenschachen (Aare Nord) sind 5 Prozent zufriedener als die Tellianer oder Rohrer. Allerdings ist auch anzunehmen, dass, wer überhaupt nicht gerne in Aarau wohnte, weggezogen ist.

Alles wie immer im Quartier Zelgli

Mehr Unterschiede zwischen den Quartieren gab es bei der Frage, ob sich Aarau eher positiv, eher negativ oder gar nicht verändert habe. Im Durchschnitt findet die Hälfte der Bevölkerung von Aarau, die Stadt sei gleich geblieben.

20 Prozent finden, Aarau habe sich positiv verändert, 30 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Der Stadtteil Rohr zeigt exakt dieses Ergebnis. Auch die Werte aus der Telli und dem Gönhard sind diesbezüglich fast deckungsgleich.

Am wenigsten Veränderungen sehen die Zelglianer (positive 12 %, negative 18 %). Am stärksten finden die Zentrumsbewohner, die Stadt sei im Wandel (22 % positiv, 36 % negativ).

Und obwohl die Bewohner ennet der Aare allgemein zufriedener sind als die Tellianer, sehen sie mehr negative Veränderungen (33 %) als die Tellianer (28 %). Jedoch findet auch in diesen Quartieren rund ein Fünftel, die Stadt habe sich zum Positiven verändert.

Negative Veränderungen

Was sind die negativen Veränderungen? Bluthochdruck habe die Aarauerinnen und Aarauer wegen bekannter Anliegen wie Lärm und Littering besonders im Zentrum. Der Lärm wurde dort von 20 bis 30 Prozent der Bewohner als negative Veränderung genannt. Andererseits wird die lebendigere Altstadt von 10 bis 20 Prozent geschätzt.

In den Quartieren rundherum jedoch geht der Puls wegen eines anderen Themas hoch: die Neubauten. Über zu viele neue Häuser beklagen sich in Rohr 40 bis 50 Prozent der Bewohner. Und dies mit gutem Grund: Wie die Stadt schreibt, ist seit dem Jahr 2000 knapp die Hälfte der neuen Wohnungen in diesem Stadtteil gebaut worden.

Auch im Stadtteil Aare Nord, wo die Überbauung Aarepark entstanden ist und nun im Scheibenschachen «Aarenau» gebaut wird, finden die Bewohner Neubauten keine gute Veränderung. Marco Salvini, Projektleiter Stadtentwicklung, vermutet, dass dies vor allem als negativ angesehen werde, weil gleichzeitig Grünflächen verloren gehen.

Positive Veränderungen

Davon gibt es in der Telli offenbar noch genug: Im Quartier direkt an der Aare wurden «Grünanlagen» bei den positiven Veränderungen am häufigsten genannt. Die Rohrer finden hingegen die Einführung der Zone 30 am besten: 30 bis 40 Prozent nannten diese Neuerung.

Auch im Gönhard und Zelgli, wo es die Zone 30 schon länger gibt, wurde sie genannt. Analog freuen sich die Zentrumsbewohner über die autofreie Altstadt und nördlich der Aare wurde «weniger Verkehr» von immerhin 10 bis 20 Prozent genannt.