Aarau

Zeughaus: Der Geruch nach Leder und Gewehrfett verfliegt langsam

Die «Züghüsler» trafen sich ein letztes Mal an ihrer Arbeitsstätte im Zeughaus Aarau. Nach 210 Jahren ist Ende 2014 endgültig Schluss. Was Betriebsleiter Urs Müller dazu sagt.

Hermann Rauber
Drucken
Teilen
Daniel Baumgartner, Chef Logistikbasis, Regierungsrätin Susanne Hochuli und Urs Müller, Betriebsleiter Zeughaus. Freudiger

Daniel Baumgartner, Chef Logistikbasis, Regierungsrätin Susanne Hochuli und Urs Müller, Betriebsleiter Zeughaus. Freudiger

«Ein wohlgeordnetes Zeughaus kann eine wahre Zierde des Staates sein.» Das hielt der Regierungsrat im jungen Kanton Aargau anno 1804 fest. Das Zeughaus gehörte neben der Kaserne fast ebenso lang zum Bild der Garnisonsstadt Aarau. Nach 210 Jahren ist Ende 2014 Schluss mit dieser Konstanten, ab kommendem Januar sorgt das Logistikcenter Othmarsingen für die Ausrüstung und das Material der Aargauer Truppen.

Dass das Jubiläum gleichzeitig zum Abschiedsfest wurde, ist Ironie des Schicksals und sorgte für leise Wehmut, aber auch für Stolz auf die geleistete Arbeit im Dienste der Armee. So trafen sich gestern Nachmittag viele ehemalige und zum Teil längst pensionierte «Züghüsler» an ihrer einstigen Arbeitsstätte, um das «Kapitel Aarauer Zeughaus in würdigem Rahmen abzuschliessen», wie Betriebsleiter Urs Müller sagte. In vier Wochen geht er in den Ruhestand. Mit dabei war auch der 88-jährige Willy Urech, der Vorgänger von Müller und damit der «zweitletzte Zeughausverwalter» in Aarau. Als ältester Teilnehmer begrüsst werden konnte Alfons Räber, ehemaliger Ausrüstungschef, der kurz vor seinem 96. Geburtstag steht.

Empfangen wurden die Gäste mit einer original Chässchnitte von der Kavallerie-Schwadron und vom Spiel der Führungsunterstützungsbrigade 41. In ihrer Festansprache attestierte Militärdirektorin Susanne Hochuli dem Ereignis «Emotionen», sowohl Stolz auch ein wenig Wehmut. Die Regierungsrätin gab der Hoffnung Ausdruck, dass «die Armee ein wichtiges Standbein im Aargau bleibt». Positiv sei, dass der Waffenplatz Aarau erhalten werden könne – bis wann, sagte sie allerdings nicht.

Gleichzeitig freute sie Hochuli, dass «der Geruch nach Leder, Gewehr- und Schuhfett bald dem Geklapper von Computertastaturen und dem Duft von Laserdruckern Platz machen wird», denn im nächsten Jahr zieht ein Teil ihres Departementes Gesundheit und Soziales in die frei werdenden Räume im Rössligut ein. Was mit dem eidgenössischen Zeughaus südlich der Rohrerstrasse passiert, ist noch offen, entsprechende Gespräche zwischen dem Bund und dem Kanton laufen.

«Ihr habt hier in Aarau einen guten Job gemacht», lobte Divisionär Daniel Baumgartner, Chef Logistikbasis der Armee, aktive und ehemalige Zeughausangestellte. Der Gesellschaft schmeckte nach so viel Lob der Aargauer Braten doppelt so gut.