Aarau
Zurlinden-Villa: Eine halbe Million nicht gebraucht – Kreditüberschreitung beim Altersheim

Die Besucher sind restlos begeister vom neuen Glanz der Zurlinden-Villa. Auch die Kreditabrechnung zur Sanierung ist erfreulich ausgefallen. Beim Altersheim Golatti dagegen resultierte eine Kreditüberschreitung von rund 18 000 Franken (4,59 Prozent).

Ueli Wild
Drucken
Nach dem glücklichen Abschluss seines Parade-Geschäftes: Der damalige Stadtrat Lukas Pfisterer (rechts) mit STV-Geschäftsführer Ruedi Hediger im Sommer 2017 auf dem Balkon der renovierten Zurlinden-Villa. Archivbild

Nach dem glücklichen Abschluss seines Parade-Geschäftes: Der damalige Stadtrat Lukas Pfisterer (rechts) mit STV-Geschäftsführer Ruedi Hediger im Sommer 2017 auf dem Balkon der renovierten Zurlinden-Villa. Archivbild

Alex Spichale

Wer vor zwei Jahren am Tag der offenen Türe einen Blick in die frisch von den innenarchitektonischen Bausünden befreite Zurlinden-Villa an der Aarauer Bahnhofstrasse warf, hatte kaum den Eindruck, dass bei der in elfmonatiger Bauzeit erfolgten Kernsanierung gespart worden sei. Die Besucherinnen und Besucher waren restlos begeistert vom neuen Glanz, in dem die zwischen 1850 und 1860 im spätklassizistischen Stil erbaute Villa wieder erstrahlt. Umgehend wurden Stimmen laut, die forderten, das prächtige Bauwerk künftig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Kein Zweifel: Die Aufwertung des markanten Gebäudes bildet, ästhetisch gesehen, das Prunkstück im Vermächtnis, das Aarau aus der Ära des damals für das Bauwesen zuständigen FDP-Stadtrates Lukas Pfisterer geblieben ist.

Und nachdem nun die Kreditabrechnung dem Einwohnerrat zur Genehmigung vorliegt, ist auch klar, dass die Kosten aller Pracht zum Trotz nicht aus dem Ruder gelaufen sind. Im Gegenteil: Es resultierte eine Kreditunterschreitung von insgesamt rund 529 000 Franken (12,36 Prozent). Dies bei einem vom Einwohnerrat genehmigten Verpflichtungskredit von 4,28 Mio. Franken. Die Kreditunterschreitung geht auf Vergabeerfolge und auf den Umstand zurück, dass die im Kredit enthaltene Reserve von 414 155 Franken nicht benötigt wurde.

Besitzerin Stadt, Nutzniesser STV

Die Villa wurde seinerzeit vom Zementfabrikanten Rudolf Zurlinden erworben und um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nach seinem Geschmack neu ausgestattet. 1928 wurde sie als Teil der Zurlinden-Stiftung der Stadt Aarau geschenkt – mit der Auflage, das Gebäude dem heutigen Schweizerischen Turnverband STV zur Nutzniessung zu überlassen. Die Villa ist seither Sitz der STV-Geschäftsstelle. Nach Auffassung des Stadtrates endet das Nutzungsrecht des STV 2028, hundert Jahre nach dem Eintrag der Nutzniessung. Dann kann die Stadt die Modalitäten mit dem STV neu aushandeln.

Die Kosten für Massnahmen, die über den ordentlichen Unterhalt hinausgehen, sind vertragsgemäss von der Stadt zu berappen. Als sich 2015 die umfangreiche Sanierung anbahnte, wurde diese auch ein Stück weit hinterfragt: Die SVP wollte die Erneuerung auf das Notwendigste beschränken und auf restauratorische Arbeiten verzichten. Sie stellte einen Rückweisungsantrag, der aber scheiterte.

Die FDP sprach die Möglichkeit an, die Villa dem STV zu schenken. Womit der Schwarze Peter beim STV gelandet wäre. Ein entsprechender Antrag wurde aber nicht gestellt. Schliesslich stimmte der Einwohnerrat am 14. Dezember 2015 dem Kredit von insgesamt 4,28 Mio. Franken zu. Gleichzeitig hiess er zwei Zusatzanträge der FDP-Fraktion gut. Mit diesen wurde der Stadtrat verpflichtet, erstens nach Ablauf der Nutzniessung im Jahr 2028 einen Mietvertrag mit dem STV abzuschliessen und einen Mietzins im Umfang der marktüblichen Miete festzusetzen. Und zweitens «den STV verbindlich darauf zu behaften, dass die sanierte Liegenschaft künftig auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird» (Führungen, Vermietung der Sitzungszimmer an Vereine oder als Trauzimmer und so weiter).

Die Kreditabrechnung zeigt, dass sich die Bruttoanlagekosten auf rund 3,751 Mio. Franken beliefen. Kanton, Bund, STV und weitere Geldgeber steuerten 1,29 Mio. Franken bei. Auf die Stadt Aarau entfielen so letzten Endes Nettoinvestitionen in der Höhe von 2,461 Mio. Franken.

Am 21. Januar liegt dem Einwohnerrat auch die Kreditabrechnung Altersheim Golatti (Milchgasse), Gesamtsanierung, Projektierung zur Genehmigung vor. Hier resultierte eine Kreditüberschreitung von rund 18 000 Franken (4,59 Prozent).