Baden

Am Samstag öffnet der erste Caritas Markt im Aargau

Auch in der reichen Schweiz gibt es Armut. Viele Menschen sind auf günstige Lebensmittel angewiesen. In Baden eröffnet am 5. November der erste Caritas-Markt im Aargau.

Michael Hugentobler
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Stellvertretende Geschäftsführerin Maja Cavallini und Geschäftsführerin Toni Saxer.

Stellvertretende Geschäftsführerin Maja Cavallini und Geschäftsführerin Toni Saxer.

Michael Hugentobler

So günstig könnte Einkaufen sein: ein Liter Milch für 90 Rappen, eine Packung Spaghetti für 85 Rappen und ein Joghurt 35 Rappen. Dies sind die Preise im neuen Caritas-Markt im Baden. Aber nicht für die Schnäppchenjäger: Denn das Angebot richtet sich ausschliesslich an Menschen, die Sozialhilfe beziehen oder vom Staat mit Stipendien unterstütz werden.

Der Caritas-Markt ist der erste dieser Art im Kanton Aargau. Die Initiative ergriff der Dekan und Stadtpfarrer Josef Stübi, nachdem er auf die Idee gekommen war, einen solchen Mark einzuführen. «Viele Menschen in der Schweiz haben materielle Sorgen», sagte Stübi anlässlich einer Pressekonferenz zur Eröffnung des Marktes. Er wolle dazu beitragen, die Armut in der Region zu verringern.

Ein Laden, zwei Konzepte

Da der Markt ein finanzielles Risiko war, taten sich Stübi und Caritas mit dem Lernwerk Vogelsang zusammen. Dieses ist auf ArbeitsmarktIntegration spezialisiert. Christian Bolt, Geschäftsführer des Lernwerks, trug an der Pressekonferenz eine gelbe Seidenkrawatte.

Bolt hatte die gelbe Krawatte an diesem Morgen bewusst angezogen. «Sie wurde in unserem Krawatten-Atelier hergestellt», sagte er. Die Produkte aus der Werkstatt der Arbeitsmarkt-Integration werden im neuen Laden an der Rütistrasse ebenfalls verkauft. Der Laden ist in zwei Hälften aufgeteilt. Die Lebensmittel im ersten Teil des Ladens sind ausschliesslich für finanziell Benachteiligte bestimmt, im zweiten Teil kann jeder einkaufen.

Dort liegen es einerseits Krawatten oder Taschen von Lernwerk auf, aber auch Secondhand-Produkte. Es gibt Jeansjacken für Kinder, Schlittschuhe, einen veilchenblauen Kimono, bedruckt mit lila Rosen, und vor der Tür stehen Secondhand-Velos.

Eine Ecke des Ladens ist Büchern gewidmet. Dort steht auch ein Sofa aus der Brockenstube. Kunden können für 1 Franken einen Kaffee trinken, während sie sich entscheiden, ob sie ein Buch von Haruki Murakami oder doch lieber eins von Ken Follett kaufen wollen. «In Zeiten der
Kosumwut ist es uns wichtig, im Laden auch Produkte anzubieten, die zwar noch intakt aber nicht mehr ganz neu sind», sagte Geschäftsführerin Toni Saxer.