Bellikon

Ammann Hans Peter Kurth tritt ab: «Ich möchte mehr Zeit für mich haben»

Hans Peter Kurth tritt nach 13 Jahren als Gemeindeammann von Bellikon zurück. Was ihm positiv und negativ in Erinnerung bleibt.

Carla Stampfli (Text) und Claudio Thoma (Foto)
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Hans Peter Kurth (64) bei der Alpenpanorama-Tafel hoch über Bellikon.

Hans Peter Kurth (64) bei der Alpenpanorama-Tafel hoch über Bellikon.

Foto: Claudio Thoma / Aargauer Z

Als es um das Foto geht, zögert Hans Peter Kurth nicht lange: Der Belliker Gemeindeammann führt an die Egelseestrasse, hoch über dem Dorf zur Alpenpanorama-Tafel. Sie ist ein Andenken an das 950-Jahr-Dorfjubiläum, das 2014 gross gefeiert wurde.

Insgesamt 150'000 Franken hatte die Gemeinde für das Dorffest «Belli Hills» bereitgestellt. Kurth zählt die Feier zu einem der Höhepunkte in seiner Karriere als Gemeindeammann, wie sich im Laufe des Gesprächs herausstellt. Zuvor spricht der 64-Jährige aber über seinen Rücktritt, Investitionen und die Entwicklung von Bellikon.

Hans Peter Kurth, an der Gmeind im November gaben Sie überraschend Ihren Rücktritt bekannt. Stossen Sie damit Ihre Wähler, nach nur einem Jahr in der neuen Legislaturperiode, nicht vor den Kopf?

Hans Peter Kurth: Nein, gar nicht. Denn der Gedanke, mich zurückzuziehen, kam erst im Laufe dieses Jahres auf. Ausschlaggebend war zum einen, dass der Gemeinderat mit seinen zwei neuen Mitgliedern sehr gut unterwegs ist – und das Gremium nach meinem Rücktritt somit gut aufgestellt sein wird. Zum anderen, weil ich seit 1994 im Dienste der Gemeinde stehe. In den letzten Jahren hat der Gemeinderat viel erreicht, und auch viel Geld ausgegeben (lacht). Jetzt möchte ich etwas mehr Zeit für mich haben.

Sie haben die Investitionen angesprochen. Welche Projekte würden Sie als Meilensteine bezeichnen?

Da gibt es einige. Aber sicherlich war die Revision der Bau- und Nutzungsordnung im Jahr 2010 ein wichtiger Schritt, ebenso die 2,6 Kilometer lange Trinkwasserleitung nach Widen. Mit dem Bau der Leitung haben wir unter anderem die Versorgung sicherstellen können. Wir haben das Schulhaus für 2,5 Millionen Franken erneuert und die Dorfstrasse für 2,4 Millionen Franken saniert. Nicht zuletzt haben wir die Erweiterung der Rehaklinik begleiten dürfen. Ich schätze, dass sich die Investitionen in meiner Amtszeit auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen.

Die Gemeinde hat unter Ihrer Ägide viel investiert, bevölkerungsmässig ist sie aber nicht gross gewachsen.

Das ist korrekt. Seit einigen Jahren hat sich die Einwohnerzahl bei knapp 1600 eingependelt. Nach der erfolgreichen Umsetzung der zwei bestehenden Gestaltungspläne – «Schlossberg III» beim Dorfeingang und «Parzelle 804» ennet der Küntenerstrasse auf Höhe Rehaklinik – wird die Einwohnerzahl auf rund 2000 Einwohner anwachsen. Danach wird sich die Zahl in Zukunft nicht gross nach oben bewegen.

Warum meinen Sie?

Gemäss kantonalem Richtplan dürfen wir in den nächsten Jahren kein Bauland mehr einzonen. Kommt hinzu, dass Bellikon nebst den beiden zuvor genannten Gebieten über keine weiteren Baulandreserven mehr verfügt. Unsere Priorität liegt daher zukünftig auf der inneren Verdichtung.

Stichwort Rehaklinik: Das Ortsbild Bellikons hat sich mit dem Neubau, der im Juni offiziell eingeweiht wurde, markant verändert.

Absolut. Wenn man vom Reusstal nach oben blickt, sticht der dominante Neubau sofort ins Auge. Doch das soll auch so sein, das Dorf steht zu «seiner» Klinik, hat sie doch positiv zur Entwicklung Bellikons beigetragen.

Gibt es weitere Ereignisse, die Ihnen positiv in Erinnerung bleiben werden?

Einer der schönsten Momente war sicher das Dorffest 950 Jahre Bellikon «Belli Hills» 2014, an dem die Belliker Bevölkerung drei Tage lang feierte. Freude bereitete mir auch, dass wir viele Projekte umsetzen durften. Denn: Genehmigt die Gmeind einen Kredit, ist das auch immer ein Vertrauensbeweis, vor allem, wenn es um Millionenbeträge geht. Rückblickend muss ich sagen, dass mir das Amt sehr viel Freude gemacht hat.

Gibt es auch Momente, auf die Sie nicht gerne zurückblicken?

(Überlegt lange) Als die Gmeind den Kredit für die Sanierung der Dorfstrasse im Jahr 2010 bachab geschickt hat. Es gab Bedenken bezüglich der Gestaltung. Wir haben das Projekt in der Folge überarbeitet und ein Jahr später erneut traktandiert. Im zweiten Anlauf hat es dann geklappt.

Unerfreulich muss wohl auch gewesen sein, dass das Dorf 2015 seine Poststelle verlor.

Wir haben uns lange gegen den Wegzug der Post gewehrt, leider vergebens. Aber der Abbau der Poststellen betrifft nicht nur kleine Gemeinden wie Bellikon, sondern auch grössere Nachbargemeinden. Es ist eine unschöne Entwicklung im Service public. Mit der Postagentur im Volg haben wir jedoch eine Lösung, die in der Bevölkerung auf Akzeptanz stösst, insbesondere, was die Öffnungszeiten betrifft.

Was werden Sie nach 13 Jahren als Gemeindeammann vermissen?

Vieles (lacht). Sonst wäre ich nicht so lange im Amt geblieben. Konkret: Es wird vor allem der Kontakt mit der Bevölkerung und mit den Gemeinderäten der Nachbargemeinden sein, der mir fehlen wird.

Haben Sie bereits Pläne für die Zeit nach Ihrem Rücktritt?

Ich werde weiterhin berufstätig sein und meine Geschäftsaktivitäten aufrechterhalten. Ich bin mir sicher, dass sich die neu gewonnene Freizeit ohne Gemeinderatssitzungen schnell füllen wird, sei es mit Sport oder mit anderen Aktivitäten wie beispielsweise mit meinem Hund laufen gehen.