Baden

Auch das Publikum sang in der Stadtkirche Baden mit

Die Schola Cantorum Wettingensis führte „Die Geburt Christi“ auf. Ein Werk, das in der Schweiz sehr selten aufgeführt wird. Das hat einen Grund.

Jérôme Jacky
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Auftritt der Schola Cantorum Wettingensis in der Stadtkirche Baden: Erstmals wurde im Kanton Aargau das Werk von Heinrich von Herzogenberg aufgeführt.JEJ

Auftritt der Schola Cantorum Wettingensis in der Stadtkirche Baden: Erstmals wurde im Kanton Aargau das Werk von Heinrich von Herzogenberg aufgeführt.JEJ

Jérôme Jacky

Die Werkauswahl der Schola Cantorum Wettingensis, Heinrich von Herzogenbergs Weihnachtsoratorium „Die Geburt Christi“, mag überraschen: Es verlangt neben Chor und Orchester den Einsatz eines Kinder- und Jugendchors, einer Solo-Oboe sowie der Orgel. Das mag ein Grund sein, warum das Werk in der Schweiz sehr selten aufgeführt wird. «Wir sind im Kanton die Ersten, die das Werk aufführen», sagt Sigi Loretz, Präsident der Schola Cantorum Wettingensis. Für die Konzerte am Samstag und Sonntag in der Stadtkirche Baden wurde der Chor aus Wettingen vom Orchester Collegium Cantorum aus Wetzikon sowie vom Jugendchor Wohlenschwil-Mägenwil unterstützt. An der Orgel spielte der Organist Hans Zumstein.

Eingeleitet wurde das Werk mit einem Orgelvorspiel und einem Choral, bei dem das Publikum mit allen Mitwirkenden mitsingen durfte. «Von Herzogenberg wollte nicht nur reine Konzertmusik komponieren, sondern mit den vier Chorälen, bei denen das Publikum mitsingen darf, eine Brücke zwischen Orchester, Chor und Gemeinde schlagen», sagt Loretz. Mit dem Einstieg des Orchesters konnte man auch die zentrale Rolle des Harmoniums hören. Es trug den Orchesterklang und unterstützte die sechs Gesangssolisten.

Wo der Chor zu Beginn eher zurückhaltend auftrat, gewann er im Verlauf des Konzertes immer mehr an Sicherheit und Selbstvertrauen. Besonders im zweiten und dritten Teil, wo von Herzogenberg gekonnt die beiden bekannten Weihnachtslieder «Es ist ein Ros entsprungen» und «Kommet, ihr Hirten» in die Komposition einfliessen lässt, sprang der Funke auf das Publikum über. Mal ruhig, mal fröhlich, mal melancholisch, mal tänzerisch sang der Chor unter der Leitung von Roland Fitzlaff die Weihnachtsgeschichte, die von Herzogenberg vertonte.

Wie in Bachs Weihnachtoratorium nimmt auch hier ein Tenor die Rolle des Evangelisten ein, der als Erzähler durch die Geschichte führt. Richard Resch füllte die Rolle perfekt aus. Mit seinem äusserst klangvollen und deutlichen Gesang wusste er das Publikum zu begeistern. Neben ihm hatten es die übrigen fünf Solisten schwer, sich zu beweisen. Während der zweite Teil des Werkes eher ruhig daherkam, war der dritte und letzte Teil des Werkes von grosser Intensität geprägt. Zum grossen Teil lag das am grossartigen Oboisten im Orchester, der sein Instrument warm und freundlich erklingen liess. Vor dem letzten Choral, bei dem das Publikum wiederum mitsingen durfte, hielt der Chor forte fest: „Also hat Gott die Welt geliebt.“ Kein Wunder, bei solcher Musik.