Baden

«Bürgerliche Vollversammlung»: CVP-Dreikampf steht unter besonderem Fokus

Markus Schneider, Reto Schmid und dessen Cousin Bernhard Schmid hoffen auf die Nomination durch ihre Partei. Weil sich die anderen bürgerlichen Parteien FDP und SVP im Herbst 2017 auf den Stadtratswahlkampf konzentrieren, ist die CVP-Ausmarchung für das ganze bürgerliche Lager von grosser Bedeutung. FDP-Fraktionspräsident Adrian Humbel äussert nun gar die Idee einer bürgerlichen Vollversammlung, an der ein gemeinsamer Kandidat nominiert würde.

Martin Rupf
Drucken
Teilen
Markus Schneider, Bernhard Schmid und Reto Schmid (v.l.n.r.)

Markus Schneider, Bernhard Schmid und Reto Schmid (v.l.n.r.)

AZ

Vor drei Tagen sorgte die CVP Baden für einen Paukenschlag, als sie bekannt gab, dass es innerhalb ihrer Reihen gleich drei Anwärter auf das Stadtammann-Amt gibt. So wollen am 24. September 2017 Vizeammann Markus Schneider, alt Stadtrat Reto Schmid und dessen Cousin Bernhard Schmid den Sitz von Stadtammann Geri Müller angreifen.

CVP-Co-Präsident Simon Binder meinte zur Ausgangslage: «In erster Linie ist es eine komfortable Situation, dass die CVP offensichtlich über derart viele Persönlichkeiten verfügt, die sich in den Dienst der Stadt Baden stellen wollen.»

Die CVP-Ausmarchung hat es insofern in sich, als derjenige, der das Rennen macht, quasi für die Bürgerlichen den Stadtammann-Sitz zurückerobern soll, den man im Frühling 2013 an Geri Müller (Team) verloren hat. Denn FDP und SVP wollen sich 2017 auf den Stadtratswahlkampf konzentrieren.

FDP: «Mischen uns nicht ein»

«Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es jetzt Sache der CVP ist, den besten Kandidaten ins Rennen zu schicken», sagt FDP-Co-Präsident Tobi Auer. An der Ausgangslage, wonach die FDP bei den Gesamterneuerungswahlen im Herbst 2017 einen zweiten Sitz im Stadtrat und einen bürgerlichen Stadtammann anstrebt, habe sich nichts geändert.

Auer glaubt, dass die interne CVP-Ausmarchung diesem Ziel dienlich sein wird. «Ich glaube nicht, dass die CVP vor einer Zerreissprobe steht. Abgesehen davon, hätte dieses Risiko rein theoretisch ja auch bestanden, wenn die CVP ein Einer-Ticket präsentiert hätte», glaubt Auer. Obwohl man sich nicht in die Nomination einmische, stünden die Parteileitungen selbstverständlich in Kontakt miteinander. «Der Austausch zwischen der FDP und der CVP funktioniert sehr gut.»

FDP-Fraktionspräsident Adrian Humbel hat auch aus der Zeitung vom CVP-Dreikampf erfahren. «Wir werden das jetzt unsererseits im Vorstand anschauen. Aber grundsätzlich muss die CVP jetzt ihre Hausaufgaben machen.»

Denn für Humbel ist klar: Wollen die Bürgerlichen das Ziel, Geri Müller vom Thron zu stossen, erreichen, muss die CVP den bestmöglichen Kandidaten ins Rennen schicken. «Ansonsten besteht die Gefahr, dass am Ende noch ein Parteiloser das Rennen macht», so Humbel, der dabei an die mögliche Kandidatur von Stadtrat Erich Obrist denkt.

Weil es derart entscheidend sei, wenn die CVP ins Rennen schickt, könnte sich Humbel gar eine bürgerliche Vollversammlung vorstellen, an der sich die Bürgerlichen auf einen gemeinsamen Stadtammann-Kandidaten einigen.

SVP mit grossen Vorbehalten

Für SVP-Präsident Serge Demuth ist es gar nicht so entscheidend, wen die CVP am Ende ins Rennen schickt. Er ist grundsätzlich unzufrieden mit der CVP-Fraktion im Einwohnerrat, weswegen unklar sei, ob sie die CVP im Stadtammannwahlkampf offiziell unterstützen werde, wie Demuth Anfang Oktober dem «Badener Tagblatt» sagte.

«Immer wieder hört man, der Badener Einwohnerrat sei zur Mehrheit bürgerlich. Das entspricht leider nicht der Wahrheit. Bürgerlich abgestimmt haben in den vergangenen Jahren einzig die SVP und FDP, während die CVP zumeist linke Mehrheiten verursachte.» So richtig zufrieden wäre er deshalb auch mit einem CVP-Stadtammann nicht, sagt Demuth. Man stehe mit der CVP-Leitung aber in Kontakt. «Die CVP weiss, wie wir ticken und welcher Kandidat uns – wenn überhaupt – am nächsten stehen würde.»

Ins gleiche Horn bläst SVP-Fraktionspräsident Daniel Glanzmann: «Es ist offen, ob wir am Ende einen CVP-Ammann-Kandidaten unterstützen.» Man werde jetzt in den nächsten Monaten die CVP – sowohl im Einwohnerrat wie auch im Stadtrat – genau beobachten. «Sollte die SVP überhaupt von der CVP angegangen werden – was in der Vergangenheit sehr selten vorkam – dann werden wir der CVP aber sicher unsere Sicht der Dinge mitteilen.»

Und was sagen altgediente CVPler zur neuen Ausgangslage? «Co-Parteipräsident Simon Binder hat recht, wenn er sagt, dass es in erster Linie eine komfortable Ausgangslage ist, wenn man unter so vielen guten Kandidaten auswählen kann», sagt alt Stadtammann Sepp Bürge.

Jetzt sei es an der Parteileitung – gemeinsam mit der Parteibasis –, dafür zu sorgen, am Ende eine Persönlichkeit ins Rennen zu schicken, die in breiten Kreisen anerkannt ist und das Vertrauen möglichst vieler Menschen geniesst. «Damit meine ich ausdrücklich nicht nur bürgerliche Kreise», betont Bürge. Er traue der jungen Parteileitung absolut zu, diese Führungsarbeit leisten zu können.

«Wenn die Parteileitung mutig ist, macht sie ihren Mitgliedern an der Nominationsversammlung gar einen Vorschlag.» Welches seine persönliche Präferenz wäre, behält Bürge für sich. «Jeder der drei Kandidaten ist valabel. Am Schluss gilt: Wer Stadtammann von Baden werden will, muss eine ausgesprochen starke Führungspersönlichkeit sein.»

Alt Stadtrat Peter Conrad stellt fest: «Früher lief das anders. Da fand die Auswahl parteiintern statt beziehungsweise wurde man von der Partei angefragt, wenn man für ein bestimmtes Amt als geeignet erachtet wurde. Erst danach wurde die Kandidatin oder der Kandidat bekannt gegeben.»

Der Umstand, dass man die drei CVP-Kandidaten jetzt schon kennt, könne den internen Auswahlprozess beschleunigen, gleichzeitig aber auch erschweren. «Jetzt sind von der Parteileitung Taktik und Fingerspitzengefühl gefragt», so Conrad. «Vor allem gehe es darum, die Kandidaten auch im Umfeld der anderen Parteien zu positionieren beziehungsweise auszuloten, welche Person bei den Bürgerlichen am meisten Unterstützung geniesst.»

Peter Conrad erwartet von der Parteileitung, dass sie dies abklärt und an der Nominationsversammlung einen entsprechenden Kandidaten zur Nomination vorschlägt. Conrad ist denn auch der Meinung, die anderen bürgerlichen Parteien sollten unterstützungswürdige Ammann-Anwärter zu einem Hearing einladen. Conrad: «Ziel muss ganz klar ein neues Stadtoberhaupt sein.»