Baden

Bypass-Operation über dem «Blinddarm»: Startschuss für den Bau des Schlossberg-Haus

Am Freitag erfolgte der Spatenstich für das Schlossberghaus an der Bahnhofstrasse 7. Eigentlich hätte das neue Wohn- und Geschäftshaus bereits diesen Sommer bezogen werden sollen. Jetzt wird es Herbst 2018. Fakt ist: Der Baubeginn ist auch für den Schulhausplatz sehr wichtig.

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Impressionen vom Spatenstich beim Schlossberg-Haus
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Impressionen vom Spatenstich beim Schlossberg-Haus

Alex Spichale

Der Spatenstich für das Schlossberg-Haus an der Bahnhofstrasse 7 hat sowohl die Miteigentümergemeinschaft (MEG) Schlossberg als auch Stadt und Kanton erlöst.

Ursprünglich hätte das neue Wohn- und Geschäftshaus bereits diesen Sommer bezogen werden sollen. Jetzt wird es Herbst 2018, also drei Jahre später. Grund für die Verzögerung war eine Beschwerde, die bis vor Bundesgericht gezogen wurde.

Erst mit deren Abweisung ging die Baubewilligung der Stadt diesen Juli in Rechtskraft über. Jetzt steht der Realisierung beziehungsweise dem Abbruch des Altbaus nichts mehr im Weg.

Doch erst die Geschichte von Beginn an: Wo einst das Kaufhaus Schlossberg stand, wurde in der Zeit der Verkehrssanierung in den 60er-Jahren das markante Schlossberg-Haus gebaut, das später nach seinen Ladengeschäften Herren-Globus und danach Cachet-Haus benannt wurde.

Im Jahre 2008 stellte die MEG Schlossberg erheblichen Sanierungsbedarf fest. In derselben Zeit lief die Planung für die Neugestaltung des Schulhausplatzes auf Hochtouren. Dabei hatte die neue Busführung von Planungsbeginn an die Funktion eines Bypasses.

Sie führt durch die Tunnelgarage, dann via Bustunnel Richtung Wettingen oder unter der Bruggerstrasse hindurch Richtung Mellingerstrasse.

Kurt Wiederkehr als Spiritus Rector

Bei den Verkehrsplanern wuchs rasch die Erkenntnis, dass am Standort des Schlossberg-Hauses eigentlich eine zentrale Innenstadt-Haltestelle hingehören würde. Der damalige Stadtrat und Bauvorsteher Kurt Wiederkehr brachte die Idee auf den Tisch, das bestehende Haus abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen, mit dem auch die Bedürfnisse der neuen Busführung erfüllt werden könnten.

«Zuerst waren wir konsterniert», erinnert sich Alexander Grob, Präsident der MEG Schlossberg. Doch schliesslich habe man auf einem gemeinsamen Weg eine Lösung gesucht.

Im Juni 2011 unterzeichneten die Eigentümer eine Vereinbarung mit der Stadt. «Im Einklang mit den Behörden fanden wir zu einer Lösung, die der speziellen Lage direkt neben Bahn- und Busverbindung gerecht wurde», so Grob.

Aus den Sanierungs- wurden Neubaupläne. Aus dem Architekturwettbewerb ging im Mai 2012 das Projekt des Büros BDE Architekten, Winterthur, als Sieger hervor.

Es sei damals seine erste Jurierung gewesen, erinnert sich Vizeammann Markus Schneider, der als Bauvorsteher die Nachfolge von Wiederkehr antrat. Er habe direkt ins bestens aufgegleiste Verfahren einsteigen können.

Schneider weist auf die Bedeutung dieses Projekts hin – an einer Lage in Baden, die «zentraler nicht sein kann». «Durch die neue Busführung steht die Stadt vor der grossen Chance, die Weite Gasse dereinst ganz vom Busverkehr zu befreien», so Schneider.

Flexible Lösung für heikle Lage

Regierungsrat Stephan Attiger, der den Planungsbeginn noch als Stadtammann miterlebt hat, spricht von einer flexiblen Lösung, die hier an heikler Lage gefunden worden sei. Mit «heikel» meint er auch die bautechnische Situation mitten in der Stadt und direkt über der Schlossberg-Passage, im Volksmund «Blinddarm» genannt.

Insofern müsse man von einer «Bypass-Operation» über dem «Blinddarm» sprechen, sagt er in Anlehnung der Baustelle Schulhausplatz, wo (bei Verkehr) «am offenen Herzen» operiert werde.

Laut BDE-Projektleiter Amadeus Dorsch wählten die Statiker eine «steife Betonkonstruktion», die auf wenige Stützen gestellt werde. Die Lage mit dem «Blinddarm», der untendurch führe, der Bahnlinie und der neuen Busverbindung auf der einen Seite, der Haltestelle auf dem Niveau Bahnhofstrasse und der Bruggerstrasse ein Geschoss höher, gebe dem Projekt eine eigene Komplexität.

2016: Im grossen Loch unterhalb des Bezirksgebäudes (links) erkennt man die Seitenwände des Bustunnels.
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Baustelle Schulhausplatz Baden
Baustelle Schulhausplatz Baden
Baustelle Schulhausplatz Baden
Baustelle Schulhausplatz Baden
Baustelle Schulhausplatz Baden

2016: Im grossen Loch unterhalb des Bezirksgebäudes (links) erkennt man die Seitenwände des Bustunnels.

Carla Stampfli

Das Schlossberg-Haus wird an seiner zentralen Lage im Erdgeschoss (Schlossberg-Passage/ «Blinddarm») und im ersten Geschoss attraktive Verkaufsflächen anbieten können. Man führe erste Gespräche, habe aber noch keine Entscheide getroffen, erklärt Alexander Grob zu möglichen Mietern.

Das zweite Geschoss, über den Läden und der Bushaltestelle, ist für Dienstleistungen vorgesehen. In den Geschossen drei und vier werden Stadtwohnungen eingerichtet, davon drei kleine Geschosswohnungen und acht Maisonettewohnungen. Neu wird zwischen der Liegenschaft Manor und dem Gebäude Bahnhofstrasse 7 ein Treppenabgang mit Lift entstehen.