Baden

Casino Baden ködert McDonald’s-Kunden mit Spielgeld und freiem Eintritt

Beim Fastfood-Riesen gibts im Kanton Aargau zum Hamburger einen Bon für das Stadtcasino Baden. Die Suchtberatung ist nicht begeistert. Mc Donald's will die Aktion nun stoppen.

Florian Zimmermann
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Viele junge Erwachsene nehmen im Ausgang einen Imbiss in der McDonald’s-Filiale Baden. Dort erhalten sie mit der Quittung einen Gratiseintritt ins Grand Casino Baden mit einem Startguthaben von fünf Franken zum Spielen. Die Werbeaktion läuft seit rund einem Jahr in allen McDonald’s-Filialen im Kanton Aargau. Auch in Zürich sind sieben Filialen in die Werbeaktion integriert.

Suchtberatung hat keine Freude

Eine gefährliche Entwicklung, findet Michael Schwilk, Stellenleiter des Beratungszentrums Baden, das auch Suchtberatungen macht: «Das Casino versucht damit junge Leute zu erreichen, die das Spielen im Casino noch nicht entdeckt haben.» Diese würden dann den Spass am Spiel entdecken.

«Die Anzahl von Spielsüchtigen hat in den letzten Jahren stark zugenommen.» Die Werbeaktion des Casinos sei dabei nicht gerade förderlich. «Ich frage mich, warum das Casino solche Werbeaktionen nötig hat», sagt Schwilk.

Beat Lehmann, Leiter Marketing des Casinos, sagt auf Anfrage der az: «Durch den Gutschein bieten wir den Interessierten die Möglichkeit, einen Blick ins Casino zu werfen, ohne dabei ein Risiko einzugehen.» Niemand werde im Casino festgehalten. «Man darf sich auch etwas zu trinken gönnen und wieder gehen», sagt Lehmann.

Zutritt in Schweizer Spielcasinos erhalten nur Volljährige. «Es ist von der Selbstverantwortung von jungen Erwachsenen auszugehen, dass sie mit einem Gutschein von fünf Franken umgehen können, zumal in Schweizer Spielbanken ein strenges und hochwertiges Sozialkonzept umgesetzt wird», sagt Lehmann.

Die angesprochene Werbung diene als Ergänzung von klassischen Marketing-Massnahmen. «Wir sind mit dem Erfolg zufrieden.» Wie viele Gutscheine im Casino eingelöst werden, will Lehmann nicht preisgeben.

Das Casino inseriert bei der Firma Ticket Com. Diese produziert die Kassenzettel mit Werbung und Gutscheinen auf der Rückseite. Geschäftsführer Patrick Jost sieht keine Gefahr, mit dem Angebot die Spielsucht zu fördern. «Jeder entscheidet allein, ob er dieses Angebot nutzen will.»

McDonald’s will Inserat stoppen

Von der az mit der Geschichte konfrontiert, findet nun allerdings bei McDonald’s ein Umdenken statt. Enzo Di Vito, Geschäftsführer der Filialen in Baden, Dättwil, Spreitenbach und Bremgarten will die Werbeaktion stoppen. «Ich war mir nicht bewusst, dass diese Aktion zur Sucht verleiten könnte», sagte Di Vito gestern.

Er werde bei der nächsten Bestellung der Kassenzettel dafür sorgen, dass die Casino-Gutscheine nicht mehr mit dabei sind.