Tägerig

Cyril Frei misst sich mit der Weltspitze

Der 19-jährige Kantonsschüler ist einer der talentiertesten Junginformatiker der Schweiz. Als Gewinner der Goldmedaille vertritt er die Schweiz an der Internationalen Informatik-Olympiade in Thailand

Erna Lang-Jonsdottir
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Limmattaler Zeitung

Wer geht freiwillig in seinen Ferien in ein Informatiklager? Und wer löst freiwillig in seiner Freizeit Mathe- und Physikaufgaben? Es ist Cyril Frei aus Tägerig. Der 19-Jährige ist einer der talentiertesten Junginformatiker der Schweiz. Nicht genug damit, dass er an der Schweizer Informatik-Olympiade Ende Mai die Goldmedaille holte: «Ich habe noch an der Mathe- und an der Physik-Olympiade mitgemacht und zweimal Silber gewonnen», erklärt er ruhig, fasst sich ans Kinn und schmunzelt. Mit den Podestplätzen hat er nicht gerechnet: «Die Goldmedaille ist mehr, als ich mir jemals vorgenommen hatte.»

Schweizer Vertreter in Thailand

Leger setzt sich Cyril Frei an den Schreibtisch. Sein weiss-schwarz kariertes Hemd passt zu seinem Hobby, dem Schachspiel. «Ich bin Mitglied im Schachclub Baden, doch momentan habe ich kaum Zeit, mich dem Spiel zu widmen.» Frei besucht die 3. Klasse der Kantonsschule Baden mit Schwerpunkt Mathe und Physik. Die Naturwissenschaften scheinen für ihn ein Kinderspiel zu sein: «Ich fühle mich an der Kanti oft unterfordert.» Sehr viel Zeit investiert er momentan in die Vorbereitungen für seine je einwöchigen Reisen nach Thailand, Rumänien und nach Amsterdam im Juli.

Als Gewinner der Goldmedaille vertritt er die Schweiz an der Internationalen Informatik-Olympiade in Thailand und an der Balkanischen Informatik-Olympiade in Rumänien. Hinzu kommt die Teilnahme an der Internationalen Mathe-Olympiade in Amsterdam, für die er sich mit dem 2. Rang an der Schweizer Ausscheidung qualifizierte.

Für die Olympiaden in den drei Ländern übt Cyril Frei beinahe jeden Abend und jedes Wochenende. Er macht Übungen und erarbeitet Strategien zur Lösung von höchst komplexen Aufgaben.

Und er lernt, wie er die Strategien möglichst schnell in neue Computerprogramme umsetzen kann. Cyril Frei, der Computer-Freak? «Das logische und algorithmische Denken steht bei mir im Vordergrund», antwortet er bedacht. «Als Computer-Freak würde ich mich nicht bezeichnen.» Er sitze weniger am Computer. Zuerst löse er die Übungen handschriftlich. Eher eine Leidenschaft? «Ja, das könnte man so sagen», bestätigt er und schmunzelt schelmisch.

Cellospielen lüftet den Kopf

Um seinen Kopf zu lüften, übt er täglich Cello. Ein Mal die Woche probt er beim Siggenthaler Jugend-Orchester in Brugg. Seine Freunde finden es teilweise etwas merkwürdig, dass er das Lösen von Mathe-Übungen dem Ausgang vorzieht. «Mir macht es eben sehr viel Spass, Mathe-Programme zu schreiben und Probleme zu lösen.»

Genauso viel Spass machen ihm die Trainingslager, für die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wissenschafts-Olympiaden qualifizieren können. Der talentierte Junginformatiker opfert dafür gerne seine Ferien. Er kam so unter anderem nach Davos und in die Slowakei.

Seine Eltern wundern sich genauso über den Ehrgeiz ihres Jüngsten wie sie sich über seinen Erfolg freuen. «Meine Eltern finden mich unglaublich und schütteln manchmal den Kopf – im positiven Sinne. Genauso meine vier Geschwister.» Zwei seiner Geschwister studieren Mathematik. Und genau das möchte er später an der ETH Zürich auch tun. Informatik schliesse er nicht aus, betont er.

Traum eines Mathematikers

Zukunftspläne schmiedet Cyril Frei noch keine. Er ist rundum glücklich und freut sich auf seine Reisen in die Ferne. Träume? Cyril Frei blickt himmelwärts und denkt nach: «Gerne würde ich einmal einen wichtigen mathematischen Satz beweisen. Damit könnte ich etwas schaffen, das ewig bleibt. Vielleicht ist es nicht sehr bedeutsam, aber trotzdem unvergänglich.»