Nachruf

Ein farbenfrohes Lebenswerk: Zum Tod von Richard Benzoni

Der Würenloser Maler Richard Benzoni ist Anfang April im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Künstler war Würenloser mit Leib und Seele. Er hat die Gemeinde mit seinen Bildern über Jahrzehnte geprägt – und sie ihn.

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Richard Benzoni (1931-2020), wie er sich selbst sah.

Richard Benzoni (1931-2020), wie er sich selbst sah.

Gemeinde Würenlos/Richard Benzoni

In den frühen Morgenstunden des 3. April 2020 ist der Kunstmaler Richard Benzoni in seinem Daheim am Meisenweg 6 in Würenlos friedlich entschlafen – mitten in dieser verstörenden Zeit der Coronavirus-Pandemie, von der er jedoch nichts mitbekommen hat; er litt seit längerer Zeit an einer Parkinsonerkrankung, von welcher er jetzt erlöst worden ist.

Seit seiner Geburt am 23. November 1931 lebte Richard Benzoni in Würenlos. Nach einer Lehre als Graveur wurde er Emaillemaler. Beim Kunstmaler Henry Wabel in Zürich schulte er Hand und Auge im figürlichen Zeichnen und Malen. Danach setzte er seine künstlerische Ausbildung autodidaktisch fort. 1963 begann er als freischaffender Künstler mit eigenem Atelier in Würenlos zu wirken. Es folgten gut fünf Jahrzehnte des Schaffens und verschiedene Ausstellungen.

Wichtigster Mensch in Richard Benzonis Leben war Lydia Amacher, seine Lebenspartnerin, mit der er viele schöne Jahrzehnte teilen durfte. Sie war ihm treue, verständnisvolle Wegbegleiterin und eine wichtige Stütze bis zuletzt, war seine erste Kritikerin und sie war seine Muse, die er immer wieder gerne in Gemälden festhielt.

Die Wechselwirkung mit Würenlos

Zwischen Richard Benzoni und Würenlos bestand eine Art glücklicher Wechselwirkung: Er porträtierte die Gemeinde und sie stand ihm Modell, er hielt ihre Geschichte und Entwicklung fest und umgekehrt war sein künstlerisches Werk und Wirken überall in Würenlos sichtbar. Zahlreich sind die Gemälde und Zeichnungen, die er über seine Heimatgemeinde gemacht hat. Er fand dabei immer wieder neue Blickwinkel und er hatte die Gabe, selbst scheinbar alltäglichen Ansichten das Schöne zu entlocken und den Betrachter darauf aufmerksam zu machen.

Über Jahrzehnte porträtierte Richard Benzoni in seinen Bildern Würenlos und die Umgebung.

Über Jahrzehnte porträtierte Richard Benzoni in seinen Bildern Würenlos und die Umgebung.

Richard Benzoni/Archiv

So entwickelte sich Richard Benzoni gewissermassen zum Bild-Chronisten von Würenlos und dessen Umgebung. Benzonis Bilder tauchen denn auch in vielen privaten Haushalten in Würenlos und in der Region auf. Heimweh-Würenloser haben nicht selten einen «Benzoni» bei sich zuhause hängen, oft als ein unverwechselbares Stück Würenlos, weil seine Bilder die Gemeinde schlechthin zu verkörpern scheinen.

Unvergänglicher Kunstschatz

Unvergessen sind auch seine vielen lebendigen Illustrationen, so unter anderem für die Ortsgeschichte oder für die «Würenloser Blätter», und wirkungsvoll sind die markanten Logos und Signete, die er schuf und die teilweise bis heute in Gebrauch sind, wie beispielsweise das Signet zur 1100-Jahr-Feier von Würenlos, das den Mönch Notker als Verfasser der Urkunde von 870 n. Chr. zeigt, umgeben von der Alten Kirche Würenlos. Noch heute ziert dieses Signet den Poststempel von Würenlos.

Einen bedeutenden Rang im Lebenswerk des Meisters nehmen die farbenfrohen und ideenreichen Illustrationen in den Gästebüchern des Kulturkreises Würenlos ein. Benzoni war schon bei der Geburtsstunde des Kulturkreises zugegen. Von der ersten Veranstaltung im Jahre 1968 an schuf er zu jedem Anlass eine Illustration. Rund 400 leuchtende Werke in vier Bänden sind es – ein kleiner Kunstschatz. Die letzte Eintragung datiert vom Oktober 2017 und sie zeigt, dass die Hand des Meisters unsicher geworden ist.

Seine Staffelei musste Richard Benzoni schon vor einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Das war ein schwieriger Ablöseprozess. Nun ist die Farbe auf dem letzten Bild trocken, jenem seines eigenen Lebens. Er hinterlässt ein vielfältiges, farbiges Lebenswerk, das die Gemeinde Würenlos über Jahrzehnte mitgeprägt hat.

Richard Benzoni ist von uns gegangen. Er, der den Tod nie mochte, hat nun doch seine letzte grosse Reise angetreten. Seine Bilder und Illustrationen indes bleiben unsterblich. Die Gemeinde Würenlos wird ihn in ehrender und dankbarer Erinnerung behalten.

Daniel Huggler, Gemeindeschreiber von Würenlos