Eltern kämpfen seit dem Suizid ihrer Tochter gegen Cybermobbing – jetzt erhalten sie den «Prix Courage»

Nadya und Candid Pfister aus Spreitenbach werden mit dem «Beobachter Prix Courage» 2020 ausgezeichnet. Sie haben ihre einzige Tochter Céline (13) im August 2017 durch Suizid verloren, die «Aargauer Zeitung» hat darüber berichtet. Seither kämpfen die beiden gegen Cybermobbing.

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Nadya und Candid Pfister vor einem Bild ihrer verstorbenen Tochter in ihrer Wohnung. Für ihren Kampf gegen Cybermobbing werden die beiden mit der Auszeichnung «Prix Courage» geehrt.

Nadya und Candid Pfister vor einem Bild ihrer verstorbenen Tochter in ihrer Wohnung. Für ihren Kampf gegen Cybermobbing werden die beiden mit der Auszeichnung «Prix Courage» geehrt.

Sandra Ardizzone (Spreitenbach, 29. Januar 2020

Seit drei Jahren kämpfen Nadya und Candid Pfister auf Instagram und Facebook mit dem Hashtag #célinesvoice gegen Cybermobbing. Ihre einzige Tochter Céline war erst 13 Jahre alt, als sie nach tagelangem Mobbing über die App «Snapchat» im August 2017 Suizid beging. Die zwei Jugendlichen, die Pfisters Tochter mit einem Intimbild mobbten, traf ein mildes Urteil: sie kamen mit wenigen Tagen gemeinnütziger Arbeit davon.

Deshalb setzt sich das Ehepaar Pfister seitdem dafür ein, dass digitales Mobbing in Zukunft strafrechtlich verfolgt wird. «Wenn auch nur ein Kind weniger versucht, Suizid zu begehen, haben wir unendlich viel erreicht», erklärt Nadya Pfister. Dank des Engagements der Pfisters hat SP-Nationalrätin Gabriela Suter mittlerweile eine parlamentarische Initiative eingereicht.

Die Wahl des «Beobachter Prix Courage» erfolgte durch das Publikum via Online-Voting und durch die sechsköpfige Jury. Diese setzt sich wie folgt zusammen: Susanne Hochuli, Jury-Präsidentin, Iluska Grass (Preisträgerin PC 2019), Dr. med. Thomas Ihde (Psychologie-Beratung Beobachter), Michael Räber (Preisträger 2016), Remo Schmid (Preisträger 2017), Natalie Urwyler (Preisträgerin 2018). Die Stimmen des Publikums und jene der Jury werden zu je 50 Prozent gewichtet. Die Jury tagte am 21. Oktober. Sie vergibt ihre Punkte ohne Wissen des Publikumsvotings. Nach dem Voting der Jury und jenem der Leserschaft standen Nadya und Candid Pfister als Gewinner fest.

Der Fall Céline – die Erinnerung an die 13-Jährige lebt weiter:

Die Eltern: Nadya und Candid Pfister. Céline war ihr einziges Kind.
10 Bilder
Die Geschichte von Céline ging um die Welt.
Ein Künstler aus Sibirien erfuhr vom Suizid der 13-Jährigen und widmete der Verstorbenen ein Porträt, das er den Eltern schickte. Es steht in ihrem Wohnzimmer.
Die Tätowierungen von Candid und Nadya Pfister – eine Erinnerung an ihre Tochter: Der Pfeil steht für das verlorene Leben. Der Löwe steht für das verbliebene Leben, den Kampf gegen Cybermobbing.
Die Eltern von Céline Die Teddybären im Hintergrund haben Unbekannte auf das Grab gelegt. Das Sofa ist ihr Winterquartier.
In der Wohnung der Eltern erinnern viele Fotos und Gegenstände an ihre Tochter Céline.
In der Wohnung der Eltern erinnern viele Fotos und Gegenstände an ihre Tochter Céline.
In der Wohnung der Eltern erinnern viele Fotos und Gegenstände an ihre Tochter Céline.
Vater Candid hält ein Foto seiner Tochter in den Händen. Die Erinnerung an sie ist allgegenwärtig.

Die Eltern: Nadya und Candid Pfister. Céline war ihr einziges Kind.

Sandra Ardizzone

Alt Regierungsrätin Hochuli hielt Laudatio auf die Gewinner

Der mit 15’000 Franken dotierte Preis wurde ihnen am Freitagabend während der digitalen Preisverleihung auf Blick TV von Andres Büchi, Chefredaktor Beobachter, überreicht. Die ehemalige Aargauer Regierungsrätin und Jury-Präsidentin Susanne Hochuli würdigte die Gewinner in ihrer Laudatio: «Die Jury war sich einig: Das Ehepaar Pfister verdient den Prix Courage 2020! Nadya und Candid Pfister haben ihr Kind verloren. Sie haben das Schlimmste erlebt, was Eltern passieren kann. Und doch haben sie die Energie und die Zivilcourage gefunden, sich auf politischer Ebene dafür einzusetzen, dass sich kein Kind mehr wegen Cybermobbing umbringt. Dafür gebührt ihnen der Dank der Prix Courage Jury und eine grosse Anerkennung ihrer Zivilcourage.»

Jury-Präsidentin Susanne Hochuli konnte wegen eines Corona-Verdachts in ihrem Umfeld nicht persönlich an der Preisverleihung anwesend sein. Ihre Laudatio wurde in der TV-Übertragung per Videoschaltung eingeblendet. (luk)