Baden

Es geht los: Der Jazzwaggon rollt mit «Chimaira» an

Die Reihe «Modern Jazz am Montag» im «Isebähnli» wurde diese Woche zum 34.Mal eingeleitet. Bis im Frühling finden in Baden knapp dreissig Konzerte statt, bereits die erste Austragung stiess auf grosses Interesse.

Jürg Blunschi
Drucken
Teilen
«Chimaira» eröffneten die Saison im «Isebähnli».

«Chimaira» eröffneten die Saison im «Isebähnli».

Johannes Hänggli

Keine Frage: Wird im Stadtbistro «Isebähnli» Musik gemacht, ist das Lokal voll besetzt. Die Saisoneröffnung der Modern-Jazz-Konzerte am vergangenen Montag stiess denn auch auf die erwartet grosse Resonanz. Der veranstaltende «Verein Jazz in Baden» plant knapp dreissig Konzerte bis zum April 2014.

Co-Präsident Hannes Hänggli übergab nach ein paar begrüssenden Worten die Bühne dem Quartett «Chimaira», einer Gruppe des Zuger Schlagzeugers und Komponisten Alex Huber. Dieser pendelt zwischen Zug und Berlin und hat somit keinen starr festgelegten Wohnort.

Auch die Mitglieder seines Quartetts kommen aus den verschiedensten Ecken: der Pianist John Schröder, der Tenorsaxofonist Philipp Gropper und der Bassist Oliver Potratz.

Das Quartett ist momentan auf einer kleinen Schweizer Tournee und benutzt die Konzertauftritte als Gelegenheit zum Feinschliff vor den demnächst anstehenden Studioaufnahmen. Doch «Chimaira» hinterliessen keineswegs den Eindruck einer ungereiften Einheit. Die individuell sehr starken Musiker scheinen sich gegenseitig zu inspirieren und anzutreiben.

Historische Figuren in der Musik

Alex Hubers Kompositionen verliehen dem Anlass einen speziellen Charme: Charakterstarke, unbequeme und den melodischen Sinn verquerende Stücke prägten das Konzert. Es entstanden die wunderlichsten Soli, Kollektivimprovisationen, peitschende Grooves und verzettelte Klangbilder.

Müsste man die Musik stilistisch einordnen, so liesse sie sich vielleicht als eine Art harmonisch fixierten oder disziplinierten Free Jazz bezeichnen. Interessanterweise kamen denn auch immer wieder historische Figuren der rebellischen Jazzjahre aus dem Klanggewölk hervor.

Wie etwa beim Saxofonisten Philipp Gropper. Seine kürzelhaften und punktförmigen Tonfolgen liessen einen verbindenden Motivüberbau schwerlich erkennen. Er rief aber mit seinem voluminösen, heiseren Klang etwas den Free-Pionier Archie Shepp in Erinnerung.

Ähnlich beim Pianisten John Schröder, dem Hauptsolisten. Ein virtuoser Musiker, der die Klangcluster mühelos in scharfe Einzeltöne aufteilt, wie wir es vom Meister Cecil Taylor kennen. Dies verlieh den Kompositionen Hubers noch mehr Zack.

Dahinter dann das emotionale Zentrum der Band, Bassist Oliver Potratz. Seine dichte und vielschichtige Spielweise bedeutete einen munteren Farbtupfer im Zusammenspiel. Und dann war noch der Schlagzeuger Alex Huber. Er war durch streng melodiebezogene und heftige Rhythmik für die satte Intensität der Musik zuständig.