Baden

Fataler «Irrtum»: Treuhänderin betrachtete halbe Million als Geschenk

89-Jährige beschuldigt ihre private Treuhänderin ihr über eine halbe Million Franken gestoheln zu haben. Diese betrachtete das ihr anvertraute Vermögen als Geschenk.

Florian Zimmermann
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Veruntreute über eine halbe Million Franken: Die 53-jährige Deutsche auf dem Weg zum Bezirksgericht Baden.

Veruntreute über eine halbe Million Franken: Die 53-jährige Deutsche auf dem Weg zum Bezirksgericht Baden.

Eine Beziehung, wie sie die Mutter zu ihrer Tochter pflege, hätten die beiden Frauen gehabt. Das versicherte Caroline (Name geändert) dem Bezirksgericht Baden.

Die bald 53-jährige kaufmännische Angestellte sah keinen Grund, warum sie vor der Gerichtspräsidentin antraben musste. Die gross gewachsene Deutsche beteuerte mit ruhiger Stimme und kühlem Blick mehrmals: Sie habe das Schwarzgeld von 540 435 Franken der heute 89-jährigen Klägerin Elisabeth (Name geändert) nicht veruntreut, sondern geschenkt bekommen.

Das Gericht sah das anders. Caroline wurde zu 18 Monaten bedingter Freiheitsstrafe und einer Zahlung an Elisabeth von 407 000 Franken verurteilt.

Keine schriftliche Vereinbarung

Von der innigen Beziehung der beiden Deutschen war im Saal wenig zu spüren. Denn für Elisabeth war die Vermögensverschiebung auf das Konto der Angeklagten im Jahr 2004 von treuhandtechnischer Natur. Von einer Schenkung sei nie die Rede gewesen. Schriftlich vereinbart hatten die beiden Parteien nichts. Bereits vor der Geldverschiebung hatte Caroline die Vollmacht von Elisabeth über das Konto der NAB Baden inne.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Die unterschiedlichen Ansichten zum Eigentum des Geldes bemerkt Elisabeth jahrelang nicht. Denn Caroline teilte ihr immer die Höhe des Kontostandes auf Anfrage mit und brachte ein paar Hundert bis wenige tausend Franken zu ihr nach Deutschland. Was für Elisabeth einer treuhänderischen Dienstleistung entspricht, war für Caroline eine grosszügige Geste an ihre Schenkerin.

Erst im 2010 kommt es zum Eklat. Caroline löst das Konto auf und gibt 360 000 Franken einer Holding-Firma in Zug als ungesichertes Darlehen. Im selben Jahr entschied sich Elisabeth, ihr Schwarzgeld nachträglich zu versteuern. Auf die schriftliche Aufforderung, das Geld der Klägerin zu überweisen, reagiert Caroline nicht. Den Rest des Geldes gibt sie selber aus.

Ob das Darlehen kündbar ist, kann die Angeklagte nicht sagen. Auch die Tätigkeit der Holding Firma kann Caroline nicht schildern.

Für den Staatsanwalt war klar: «Mit diesem Vorgehen versuchte die Beschuldigte, das Vermögen der Klägerin verschwinden zu lassen.» Dass Caroline das Geld für eine Schenkung gehalten habe, sei abwegig, so der Staatsanwalt. Die rund halbe Million sei der grösste Anteil von Elisabeth's Vermögens und diene ihrer Altersvorsorge.

Zudem habe Elisabeth wenige Monate nach dem Kontowechsel 2004 in ihrem Testament vermerkt, dass Caroline für die Bestattungskosten mit 5000 Franken entschädigt werden sollte. «Dieser Wunsch wäre völlig unsinnig, wenn die Beschuldigte vorher eine halbe Million Franken erhalten hätte», so der Staatsanwalt. Die Beschuldigte zeigte während der ganzen Gerichtsverhandlung keine Reue oder Schuldgefühle.