Freienwil
Damit der Dorfladen weiter bestehen kann, will Freienwil einen ungewöhnlichen Weg beschreiten

Es geht um nichts weniger als die Zukunft des einzigen Ladens im Dorf: Dieser soll eine Aktiengesellschaft werden - und die Gemeinde zur Mehrheits-Aktionärin. Jetzt braucht es noch die Zustimmung der Bevölkerung.

Claudia Laube
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Im Jahr 2002 stand der Freienwiler Dorfladen kurz vor dem Aus. Dank des Engagements der Freienwiler Bevölkerung und der Gründung einer Genossenschaft konnte er aber am Leben erhalten werden. Und nun soll die Zukunft des Dorfladens mit einer Aktiengesellschaft gesichert werden. Darüber wurde die Bevölkerung am Donnerstag mittels Flyer informiert.

Der Dorfladen ist baufällig, muss aber noch ein paar Jahre halten.

Der Dorfladen ist baufällig, muss aber noch ein paar Jahre halten.

Severin Bigler

Bereits 2016 hätte der Laden aus dem jahrzehntealten, baufälligen Provisorium an der Badenerstrasse in einen neuen Anbau an das Restaurant Eintracht einziehen sollen. Doch bis zum Einzug wird es noch Jahre dauern, aktuell ist das Eröffnungsjahr auf 2024 festgelegt.

Der Neubau ist Bestandteil des «Gestaltungsplan Mitte», der wegen Einsprachen erst im September 2019 vom Kanton genehmigt wurde. Mit den darin festgehaltenen geplanten Bauten und Umgestaltungen sollen nicht nur die beiden Ortsteile – die Badenerstrasse teilt Freienwil in einen östlichen und einen westlichen Teil – miteinander verbunden werden, sondern auch eine klare Dorfmitte etabliert werden.

Genossenschaft fand keine Finanzierungsmöglichkeiten

Ein wesentliches Element ist dabei das neue Dorfladen-Gebäude, in dem in den oberen Etagen Wohnungen geplant sind. Für diesen Neubau sind geschätzt 2,7 Millionen Franken nötig. «Die Suche der Genossenschaft nach Finanzierungsmöglichkeiten war sehr herausfordernd und trotz grosser Hartnäckigkeit und enormem Engagement nicht erfolgreich», erklärt Gaudenz Schärer, der im Gemeinderat für das Projekt zuständig ist.

Geplant ist ein neuer Anbau an das ehemalige Restaurant Eintracht (beim Schopf), in den dereinst der Dorfladen einziehen soll.

Geplant ist ein neuer Anbau an das ehemalige Restaurant Eintracht (beim Schopf), in den dereinst der Dorfladen einziehen soll.

Severin Bigler

Ein Plan B wurde nötig: Deshalb ging der Vorstand der Genossenschaft auf die Gemeinde zu. Evaluiert wurden drei Optionen, zwei fielen rasch weg: Bei beiden wäre die Gemeinde Bauherrin und Teil-Eigentümerin gewesen. Bei einer hätte sie die Wohnungen oberhalb des Ladens nach dem Bau aber verkauft. «Neue Gemeindeaufgaben wären geschaffen worden und die Verschuldung angestiegen», erklärt Schärer.

Blieb die Option einer Aktiengesellschaft: Neben der Gemeinde als Aktionärin und der Genossenschaft brauche es auch das Engagement von dorfnahen Organisationen und der Bevölkerung. «Damit könnte eine gute Basis für den Neubau gelegt werden und der Laden wäre im Dorf breit abgestützt», erklärt Schärer. Die Gemeinde soll Stimmenmehrheit haben, damit stets das öffentliche Interesse im Vordergrund stehe «und der Zweck als Dorfladen bestehen bleibt». Auch allfällige Gewinne – «nach einer angemessenen Verzinsung für die Aktionärinnen und Aktionäre» – würden für Investitionen in der AG bleiben.

Auch die künftige Konkurrenz in Ehrendingen im Blick

«Dorf AG Freienwil» nennt sich das Projekt. Ein solches sei im Aargau noch nicht sehr bekannt, in anderen Kantonen jedoch schon erfolgreich umgesetzt. «Eine pragmatische und funktionierende Lösung», sagt Schärer. Das Konzept sei von externen Fachleuten entwickelt und vom Kanton geprüft worden. Am Ende hat aber die Bevölkerung an der Gemeindeversammlung im Sommer das letzte Wort.

Aktuell sei man in der Projektphase. Betreffend Betriebskonzept würden jetzt die Fühler ausgestreckt – auch im Hinblick darauf, dass sich vielleicht Coop mit einer grösseren Filiale sowie die Migros im Nachbardorf Ehrendingen niederlassen werden.

«Der Laden muss natürlich der regionalen Entwicklung Rechnung tragen»,

sagt Schärer. Er hofft nun darauf, dass das einzigartige Projekt im 1117-Seelen-Dorf gut ankommt. «Die breite Abstützung im Dorf ist wichtig für den langfristigen Erfolg», bekräftigt Schärer.