Bellikon

In der Rehaklinik beginnt eine neue Ära

In der Rehaklinik Bellikon beginnt eine neue Zeitrechnung: Gianni Roberto Rossi (50) ist neuer CEO der auf Unfallrehabilitation spezialisierten Klinik, die vor kurzem ihr 350-Millionen-Franken-Bauprojekt in Betrieb genommen hat.

Carla Stampfli
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Gianni Roberto Rossi trägt neu die Gesamtverantwortung der Rehaklinik Bellikon.

Gianni Roberto Rossi trägt neu die Gesamtverantwortung der Rehaklinik Bellikon.

Claudio Thoma

Nach fünf Jahren Bauzeit hat die Rehaklinik Bellikon diesen Sommer den Betrieb im Neubau und in den erneuerten Räumlichkeiten aufgenommen. Aber nicht nur darum beginnt eine neue Zeitrechnung: Die auf Unfallrehabilitation spezialisierte Klinik hat seit 1. Juli mit Gianni Roberto Rossi (50) auch einen neuen CEO.

Der gebürtige Luganese empfängt mit einem kräftigen Händedruck und einem Espresso in der Klinik-Cafeteria Vista Coffee & Lounge. Er macht einen zufriedenen Eindruck. Und tatsächlich: «Ich habe mich in der Rehaklinik Bellikon sehr gut eingelebt», erzählt Rossi in akzentfreiem Schweizerdeutsch. Hier habe er ein Team vorgefunden, das wie eine grosse Familie sei.

Gianni Rossi bringt viel Erfahrung mit: Er war 21 Jahre lang CEO der Clinica Hildebrand in Brissago TI. Die Klinik am Lago Maggiore ist eines der führenden Kompetenzzentren für Rehabilitation in der Schweiz und auf neurologische sowie muskuloskelettale Reha spezialisiert. «Die Zeit in Brissago war toll», sagt er. Doch nach so vielen Jahren sei der Moment für eine neue berufliche Herausforderung gekommen. «Ich freue mich sehr, dass ich meine Erfahrung nun in der Unfallrehabilitation einbringen kann», sagt Rossi, der über einen Abschluss als Executive Master in Business Administration der Universität Zürich, einen Master in Innovation und Management sowie einen Doktortitel verfügt.

Aargauer Wurzeln

Von den ersten beiden Monaten in Bellikon zieht er positive Bilanz. «Meine Erwartungen wurden übertroffen», sagt Rossi und lächelt. Dabei haben ihm das familiäre Ambiente der Rehaklinik und die Beziehungen zum Aargau den Abschied vom Tessin erleichtert: Zum einen ist seine Mutter in Schafisheim aufgewachsen, zum anderen lebt ein Teil seiner Verwandten in der Region. Rossi selber pendelt derzeit noch zwischen Brissago, wo seine Frau und seine drei Kinder leben, und Schafisheim, wo er im ehemaligen Elternhaus seiner Mutter eine Wohnung bezogen hat.

Mit Gianni Rossi als CEO erhält die Rehaklinik eine neue Organisationsstruktur: Früher fällten der administrative Direktor und der medizinische Direktor die strategischen und die operativen Entscheide gemeinsam. Heute trägt Rossi die Gesamtverantwortung für die Klinik mit Unterstützung der Bereichsleiter aus Medizin, Pflege und Administration. «Durch das neue Modell sind die Entscheidungswege kürzer. Auf diese Weise wollen wir besser, schneller und individueller auf die Bedürfnisse unserer Patienten reagieren», erklärt Rossi. Dabei ist ihm wichtig zu betonen, dass das Modell keine «One-Man-Show» ist. «Nur die Arbeit eines Teams kann Patienten erfolgreich rehabilitieren und eine berufliche sowie soziale Wiedereingliederung ermöglichen», sagt er und fügt an: «Meine Aufgabe ist es, die Gesamtführung der Klinik sicherzustellen sowie den Mitarbeitenden optimale Rahmenbedingungen und ein ideales Arbeitsklima zu bieten, sodass sie die Dienstleistungen bestmöglich erbringen können.»

Kritik lässt Rossi nicht gelten

Die Rehaklinik hat mit der Rundumerneuerung bereits einen grossen Entwicklungsschritt gemacht. «Wir verfügen nun über Räumlichkeiten, die den heutigen und künftigen Anforderungen der Unfallrehabilitation entsprechen», sagt Rossi. Die Kritik, der Neubau mit seiner Empfangshalle und der 6000 Quadratmeter grossen Terrasse sei zu luxuriös, lässt er nicht gelten: «Luxus bedeutet etwas Unnötiges – und das ist es definitiv nicht. Damit meine ich das gesamte Raumangebot.» Die Klinik sei auf einen effizienten und effektiven Betrieb sehr funktional ausgelegt. «Unsere Patienten haben teilweise unglaublich schwere Unfallverletzungen erlitten wie Amputationen oder schwere Hirnverletzungen, und sie benötigen für ihre ganzheitliche medizinische Rehabilitation besondere Raumkonzepte.» Etwa Räume für die berufliche Wiedereingliederung, die den Arbeitsplatz der Patienten eins zu eins wiedergeben. «Nur mit einer modernen und gut funktionierenden Infrastruktur sind wir in der Lage, den Bedürfnissen unserer Patienten gerecht zu werden», sagt Rossi.

Bilder der Reha-Klinik:

Rehaklinik Bellikon
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Rehaklinik Bellikon

Zur Verfügung gestellt

Kooperation mit Unispital Zürich

Ziel des CEO ist es, dass die rundum erneuerte Rehaklinik ihre Führungsposition und ihren hohen Standard beibehalten kann. «Das wird aber nicht ganz einfach sein, da der Kostendruck sowie die Qualitäts- und Patientenanforderungen zunehmend steigen», sagt Rossi. Um diesen Umständen Rechnung zu tragen, will die Rehaklinik die integrierte Versorgung ausbauen, sprich, die Zusammenarbeit mit den Zentrumsspitälern stärken. Heute schon kooperiert die Rehaklinik mit verschiedenen Institutionen, etwa mit dem Universitätsspital Zürich (USZ). «Vor kurzem haben wir die telemedizinische Visite eingeführt», fügt Rossi als Beispiel an. Dabei interagieren Ärzte und Therapeuten der Rehaklinik per Bildschirm mit den Patienten im USZ – und erarbeiten so eine frühzeitige und individuelle Rehaplanung. «Mit dem Ausbau der interdisziplinären Zusammenarbeit können wir Synergien nutzen und die Patienten gezielter versorgen», sagt Rossi.

Gianni Roberto Rossi freut sich auf die Zukunft in der Rehaklinik. «Das Schöne ist, dass wir mit ansehen können, wie die Patienten Tag für Tag Fortschritte machen», sagt er. «Es ist eine grosse Genugtuung, wenn man Menschen, die einen Schicksalsschlag erlitten haben, ein neues Leben ermöglichen kann.»