Jugendsession
So möchte die Badener Jugend die Zukunft mitgestalten

Der Badener Stadtrat erhält nach der ersten Jugendsession die gesammelten Anliegen der Jugend.

Nicolas Mennel
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Ein junger Mann und Stadträtin Ruth Müri tauschen Argumente aus.

Ein junger Mann und Stadträtin Ruth Müri tauschen Argumente aus.

Nicolas Mennel

Die Stimme der minderjährigen Jugendlichen bleibt bei den mehrmals jährlich stattfindenden Abstimmungen ungehört – dank der Jugendsession erhalten junge Menschen aus Baden und Umgebung eine Stimme in der Gestaltung der städtischen Politik. Im Rahmen der Unicef-Rezertifizierung «Kinder- und familienfreundliche Gemeinde» befasst sich die Stadt Baden mit der politischen Partizipation von Kindern und Jugendlichen. So fanden sich am vergangenen Freitag rund 90 Teenager im Alter zwischen 12 und 16 Jahren im Oberstufenzentrum Burghalde ein.

Littering auf Schlossbergplatz und Cordula-Passage

Sie sind gekommen, um ihre Perspektiven in die Diskussion um Badens Zukunft einzubringen. Neben Dauerbrennern wie dem Klimaschutz kamen auch mit dem Ausgang verbundene Ängste oder das Littering im öffentlichen Raum zur Sprache – am Wochenende gleichen die Cordulapassage und der Schlossbergplatz in den frühen Morgenstunden einer von Bechern, Glas und Zigaretten gesäumten Mülldeponie.

In Anlehnung daran erhebt ein Junge seine Stimme. Er wünscht sich eine Aufwertung des Berufs der Werkhof-Mitarbeiter. Mehr Anerkennung und Dankbarkeit für deren Engagement sei angebracht.

Am Samstag sollen die aufgebrachten Themen des Vortages vertieft und zu konkreten Anliegen formuliert werden – Berufs- und Mittelschüler sowie Einwohner- und Stadträtinnen sind die Protagonisten des Tages. Robin Steudler war bereits am Vortag in die Diskussionen involviert. «Ich bin hier, weil ich mich für Politik interessiere. Ich möchte die Stadt Baden, aber auch diese Welt zu einem besseren und glücklicheren Ort machen», so die 13-Jährige.

Im Mittelpunkt der Debatten steht nicht die argumentative Untermauerung eigener politischer Überzeugungen. Wichtiger ist das Verständnis für eine respektvolle Debattenkultur und damit ein offenes Ohr für verschiedene Positionen. Informatik-Lernender Eric Wermelinger und Stadträtin Ruth Müri (Team) haben soeben zum Argument gefunden, dass der Jugend mehr Freiräume gewährt werden müssten. Doch was macht ein gutes Argument eigentlich aus?

Der 18-Jährige gibt die Antwort gleich selbst:

«Ein gutes Argument muss stärker sein als das Gegenargument. Ich argumentiere gerne mit einer Prise Humor, die mein Argument aber nicht lächerlich macht.»

Die Session brachte verschiedene Generationen, Anliegen und Erfahrungshorizonte an einen Tisch. Dabei fanden ernst gemeinte Anliegen über die Dringlichkeit in Sachen Klimaschutz genauso Platz wie solche Kommentare. «Ein Polizist pro Person – damit wird der Ausgang in Baden sicherer», gab ein Politiker augenzwinkernd von sich. Am Ende der Session wurden die gesammelten Anliegen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen dem Stadtrat übergeben. Dazu gehört etwa ein angepasster Busfahrplan, der sich besser an den Schulzeiten orientiert.

Die erste Badener Jugendsession wurde vom in diesem Jahr gegründeten Jugendparlament mit Unterstützung der Kinder- und Jugendanimation der Stadt Baden implementiert. In Zukunft soll der Anlass einmal jährlich stattfinden. Dabei dürfte eines unumstritten sein: Die Jugend meint es mit ihren Anliegen ernst und wird mit einem wachenden Auge auf die Umsetzung ihrer Forderungen blicken.