Baden

Jung und erfolgreich: Sie verknüpft Natur- und Schulmedizin

Maria Rinderknecht (27) führt seit Oktober eine Praxis für Tibetische Medizin. Der Entscheid, Naturheilpraktikerin zu werden, traf sie während der Schwangerschaft.

Daniel Vizentini
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Maria Rinderknecht: «Tibetische Medizin hat nichts mit Esoterik zu tun.»

Maria Rinderknecht: «Tibetische Medizin hat nichts mit Esoterik zu tun.»

Daniel Vizentini

Wer im Leben einen Unterschied machen will, muss auch unterschiedliche Wege gehen. Maria Rinderknecht aus Stetten wusste lange nicht, wohin ihr Weg führen würde. Die Mittelschule hatte sie zweimal geschmissen, zuletzt kurz vor dem Abschluss. «Ich wollte einfach machen, Dinge umsetzen», sagt die heute 27-Jährige.

Sie engagierte sich in Musik- und Theaterprojekten und begann, im Gastrobereich zu arbeiten, meistens im früheren Kulturlokal Merkker. «Diese Kultur- und Gastrowelt, das ist mein Weg, dachte ich damals. Trotzdem fühlte ich mich aber noch nicht ganz bei mir.» Nach einem viermonatigen Aufenthalt in Buenos Aires kam sie weltoffener zurück, sagt sie, und startete kurz darauf das Musikprojekt «Zarina of Mokes». Der entscheidende Einschnitt in ihrem Leben kam aber, als sie unerwartet schwanger wurde.

21 Jahre alt war sie damals. Da habe sich schlagartig sehr viel bei ihr verändert. «Mit der Verantwortung besinnt man sich plötzlich auf das Wesentliche und ist auf einen Rhythmus und eine Struktur angewiesen. Ab dann begannen sich die Dinge bei mir einzupendeln.»

Bewusst und selbstanalytisch erklärt sie denn auch: Während und nach der Schwangerschaft passiere hormonell sehr viel. Denn bei der Geburt gehe einiges an Blut verloren und der Körper werde gefordert, viel Neues zu produzieren. «Es ist wie eine Reinigung. So nahm ich es jedenfalls wahr.»

Drei Jahre Ausbildung

Im fünften Schwangerschaftsmonat entschied Maria Rinderknecht, Naturheilpraktikerin zu werden. Schon während der Schwangerschaft begann sie mit einer Ausbildung zur Hypnosetherapeutin. Danach studierte sie als junge Mutter in Baar im Kanton Zug Naturheilpraktikerin in Tibetischer Medizin. Sie war damals Teil des ersten Jahrgangs des ersten in der Schweiz anerkannten Studiengangs.

Auch drei Semester schulmedizinische Grundlagen sind teil der dreijährigen Ausbildung, wobei sie betont: Tibetische Medizin sei zweitausendjährig, Schulmedizin hingegen erst etwas über hundert Jahre alt. «Beide haben ihre Stärken. Ich halte es für den besten Therapieansatz, alternative und schulmedizinische Systeme miteinander zu verknüpfen.»

Entstanden sei Tibetische Medizin aus den Lehren des Ayurveda in Indien, der alten Griechen, Perser und Chinesen. Dazu komme die Philosophie des Buddhismus. Dabei gehe es darum, Krankheiten immer ganzheitlich anzugehen. Stets werden die drei Ebenen Geist, Körper und Energie miteinbezogen. «Tibetische Medizin vermag eben alles miteinander zu verbinden und ist für mich deshalb am vollkommensten», sagt Maria Rinderknecht.

Behandlungen seien immer individuell zugeschnitten und es würden immer alle Aspekte des Patienten angeschaut: der Lebensstil, die Ernährung, emotionale Faktoren und sogar die jahreszeitlichen Veränderungen. Neben dem Gespräch laufen Diagnoseuntersuchungen über Puls, Urin und Zunge.

Der Heilungsprozess ergebe sich über eine Anpassung von Lebensstil und Ernährung, medizinische Massagen oder Kräutermedizin. Bei Letzteren gehe es auch darum, dem Patienten eine runde, für ihn zugeschnittene Rezeptur zu geben. «Jedes Pflänzchen hat eine Sonnen- und eine Schattenseite.

Die traditionellen Heilmittel setzt man deshalb so zusammen, dass am Schluss eine runde Rezeptur herauskommt, in der mögliche Nebenwirkungen eines Krauts jeweils durch ein anderes getilgt werden.» Die Medikamente bestellt sie bei einer Schweizer Firma oder sie stellt sie selber her. Dank ähnlichen klimatischen Bedingungen bestünden dabei durchaus Parallelen zwischen Tibet und der Schweiz: Dort wie hier wachsen zum Teil dieselben Bergpflanzen, die für die Medikamente verwendet werden.

Praxis seit Oktober

Grundsätzlich gehe es bei der tibetischen Medizin darum, die Dinge an ihren Ursachen zu behandeln. «Symptome sind ja nur der Rauch des Feuers.» Maria Rinderknecht betont aber: Für eine Genesung brauche es vom Patienten Bereitschaft und Umsetzungswille. Sie will deshalb auch klarstellen, dass Tibetische Medizin nichts mit Esoterik oder Religion zu tun hat, sondern vor allem naturgebunden ist.

Naturheilpraktiken werden in der Schweiz heute anerkannt und etliche Krankenkassen übernehmen mit einer Zusatzversicherung auch die Kosten. In ihrer Praxis «Wind Mind Osmosis» im Merkerareal in Baden empfängt sie Patienten seit letztem Oktober. Dort gibt sie auch Kurse in tibetischem Yoga. Zuvor hat sie auch in Stetten behandelt, mit steigendem Zulauf. Ab April zieht sie an die Badstrasse in die «Praxis für Wohlbefinden» ein. Maria Rinderknecht hat ihren Weg gefunden und ist daran, mit ihrem Beitrag im Gesundheitsbereich einen Unterschied zu machen.