Spreitenbach

Kanton heisst Beschwerde des VCS Aargau gegen «Tivoli Garten» gut

Der Spreitenbacher Gemeinderat muss beim Gestaltungsplan für die Gewerbe- und Handelszone Ost über die Bücher gehen. Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt hat eine Beschwerde des VCS gegen den Plan gutgeheissen.

Dieter Minder
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So wäre das Projekt mit den Wohnbauten und dem Bahnhof geplant gewesen.

So wäre das Projekt mit den Wohnbauten und dem Bahnhof geplant gewesen.

zvg

«Wir sind positiv überrascht», kommentiert Micha Siegrist, Geschäftsführer des VCS, den Entscheid des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).

Dieses hatte am Freitag mitgeteilt, dass der Gestaltungsplan Ost nicht genehmigt wird. Verena Sommerhalder Forestier, Leiterin der Rechtsabteilung des BVU sagt: «Das Projekt ist qualitativ gut, aber wir wollen, dass das Tivoli in den Gestaltungsplan für den Obi-Fachmarkt mit einbezogen wird.» Deshalb habe das Departement den Gestaltungsplan nicht genehmigt.

Die Visualisierung zeigt, wie das Projekt mit den Wohnbauten und dem Bahnhof geplant ist.
6 Bilder
So wird es beim Shopping Center Tivoli aussehen
Sicht von der Landstrasse
Das künftige Zentrum der Gemeinde Spreitenbach
Der Limmattalbahn-Bahnhof
Das Perron

Die Visualisierung zeigt, wie das Projekt mit den Wohnbauten und dem Bahnhof geplant ist.

Zur Verfuegung gestellt (ZVG)

Zentren bilden eine Einheit

Der ganze Disput bezieht sich auf den Zusammenhang der verschiedenen Einkaufszentren. Die Gemeinde und die Migros stellen sich auf den Standpunkt, dass sowohl der Gestaltungsplan wie auch die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) auf das Projekt HGO/Obi-Markt beschränkt werden könne, da dieses ein eigenständiges Vorhaben sei.

Projekt HGO/Obi-Fachmarkt

Auf dem Areal HGO, östlich des Einkaufszentrums Tivoli, will die Migros einen Obi-Fachmarkt mit zwei Wohnhochhäusern erstellen. Seit über einem Jahr prägen die Bauprofile die Skyline von Spreitenbach. Das Projekt umfasst neben dem Fachmarkt mit Parkgeschoss und den Wohnhäusern mit 423 Wohnungen für rund 1000 Personen auch einen Bahnhof für die geplante Limmattalbahn. Tivoli und Obi-Fachmarkt sollen, im Bereich der heutigen Parkhauszufahrt an der Industriestrasse, eine gemeinsame Zufahrt zu den Parkhäusern erhalten.

Auf der Einkaufsebene ist für die Kunden ein neuer Durchgang ins Tivoli geplant. Das Investitions-volumen liegt bei rund 200 Millionen Franken. Der Gemeinderat hatte den Gestaltungsplan am 27. August 2012 genehmigt und zugleich die Einwendung des VCS abgewiesen.

Dieser gelangte darauf mit einer Beschwerde an den Kanton, die vom BVU nun teilweise gestützt wurde. (DM)

Der VCS sieht darin eine Ergänzung zu bestehenden Anlagen und will, dass neben dem Tivoli auch das Shoppi, der Limmatpark und Umwelt-Arena in den Gestaltungsplan und damit die UVP einbezogen werden müssen. Für das BVU ergibt sich durch die vorgesehene gemeinsame Parkhauszufahrt und die Verbindung für die Tivoli-Kunden (siehe Kasten) die Voraussetzung für einen funktionellen Zusammenhang.

Basierend auf dieser Überlegung verweigert das Departement die Genehmigung des Gestaltungsplans. Dagegen sieht das BVU im Shoppi, dem Limmatpark und der Umwelt-Arena separate Zentren. «Unser Hauptanliegen ist damit erfüllt», sagt Micha Siegrist. Der VCS erwarte nun einen neuen Gestaltungsplan.

Der Grossverteiler beabsichtigt laut Sprecherin Andrea Bauer, den Entscheid des BVU beim Verwaltungsgericht anzufechten.

Weitere Projekte behindert

Der Spreitenbacher Gemeinderat ist enttäuscht über den Entscheid. «Der Entscheid behindert andere Projekte in der Gemeinde», sagt Bauverwalter Oliver Lovisetto. Dazu zählen die Limmattalbahn, die im Erdgeschoss des Projektes HGO einen Bahnhof erhalten soll, aber auch die östlich davon geplante Zentrumsüberbauung. Dafür besteht ein genehmigter Gestaltungsplan.

Nach Ansicht der Gemeinde handelt es sich bei HGO/Obi um ein Vorzeigeprojekt: «Es bietet an zentraler Lage hochwertige Wohnungen mit direktem Zugang zu Einkaufsläden und zum Bahnhof der Limmattalbahn und ist durch die Passerellen mit dem Dorf verbunden.» Aus dieser Sicht setze der Gemeinderat hinter die Intervention ein Fragezeichen.