Spreitenbach

Mutter klagt über Gewalt an Schule - Behörden sprechen von «Null-Toleranz»

Eine Mutter hat Anzeige eingereicht, weil es an der Schule zu Übergriffen an ihren Sohn gekommen sei. Die Behörden entgegnen, dass jeder Übergriff Konsequenzen habe. Mögliche Täter würden aber nicht an den Pranger gestellt.

Martin Rupf
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Im Schulhaus Seefeld soll es zum Angriff auf einen 4.-Klässler gekommen sein.Annika Bütschi

Im Schulhaus Seefeld soll es zum Angriff auf einen 4.-Klässler gekommen sein.Annika Bütschi

Monika Rogantini richtet happige Vorwürfe an die Spreitenbacher Schule: «Die Zustände an der Schule sind nicht mehr haltbar; alles wird schön geredet.» Konkret spricht sie Übergriffe auf ihren Sohn an. «Mein Sohn – er besucht die 4. Klasse – wurde im Klassenzimmer tätlich angegriffen.»

Das Resultat: gequetschte Rippen. Die Eltern haben bei der Kantonspolizei Spreitenbach Anzeige eingereicht. Rogantini wirft der Schule vor, sie sehe bei diesen Vorfällen einfach untätig zu.

Rogantinis Äusserungen erstaunen. Denn bei der letzten Schulevaluation im Jahr 2011 erhielt die Spreitenbacher Schule Bestnoten. Besonders lobend erwähnte die Fachstelle der Pädagogischen Hochschule damals das respektvolle Miteinander in den Schulhäusern, klare Verhaltensregeln und die kommunikativen Strategien zur Konfliktlösung.

Schule: «Respektvolles Miteinander»

Auf Anfrage sagt Doris Schmid, Gemeinderätin und Schulpflegepräsidentin, dass an der Spreitenbacher Schule in Sachen Gewalt eine «Nulltoleranz-Haltung» gelte – die Lehrer seien entsprechend geschult, hinzuschauen und zu handeln.

«Natürlich können wir nicht jede Rauferei und jede Rangelei verhindern.» Doch wenn etwas passiere, würden Schulpflege und Schulleitung genau hinschauen. «Und selbstverständlich ahnden wir solche Fälle auch konsequent und dem Alter entsprechend», sagt Schmid. Infrage kämen einerseits Disziplinarmassnahmen, andererseits werde die Schulsozialarbeit zur Aufarbeitung der Fälle zugezogen.

«Ich bin jetzt schon seit zwölf Jahren in der Schulpflege und kann sagen, dass sich die Situation in Bezug auf physische Gewalt an der Schule in dieser Zeit stark gebessert hat.» Wenn sie heute auf den Pausenplätzen umhergehe, sehe sie fröhliche Kinder und ein respektvolles Miteinander.

Auch die zuständige Schulleiterin Moria Zürrer lässt den Vorwurf, an der Spreitenbacher Schule herrsche ein Klima der Gewalt, nicht gelten. «Klar, einzelne Konflikte gibt es immer, wo Menschen zusammenarbeiten und leben.»

Doch grundsätzlich passiere verhältnismässig wenig, was sich auch im grossen Vertrauen der Eltern widerspiegle. Gleichzeitig betont Zürrer, wie wichtig der Einbezug gerade der Eltern sei.

«Wir sind auf die Eltern und deren Erziehung und aktive Unterstützung angewiesen.» Konkret: Konfliktlösungsstrategien müssten Kindern auch von zu Hause mit auf den Weg gegeben werden. «Kinder müssen lernen, wie sie in Konfliktsituationen reagieren sollen.»

Die Schulleiterin unterstreicht: «Wenn ein Gewaltvorfall im Zuständigkeitsbereich der Schule passiert, reagiert diese konsequent.» Und: Jeder Übergriff habe selbstverständlich Konsequenzen. «Das bedeutet aber nicht, dass wir Hetze auf den möglichen Täter machen oder diesen öffentlich an den Pranger stellen.»

Für Fragen und Anliegen sollten die Eltern den direkten Weg zu den Lehrpersonen oder der Schulleitung wählen. «Denn für deren Anliegen hat die Schule immer ein offenes Ohr.»

Für Monika Rogantini ändert das nichts. «Es gibt für uns nur eine Lösung: Wir ziehen aus Spreitenbach weg.» Und mit diesem Entschluss stehe sie nicht alleine da.

«Bereits letztes Jahr ist eine andere Familie aus denselben Gründen weggezogen. Und eine Nachbarsfamilie – unsere Söhne gehen in die gleiche Klasse – zieht dieses Jahr ebenfalls weg.».