Baden

Nach 68 Jahren: Die Migros schliesst ihre Filliale an der Mellingerstrasse

Die Migros schliesst Supermarkt – wieso der neue Quartierladen Vorteile mit sich bringt.

Stefanie Garcia Lainez
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Im Migros-Supermarkt an der Mellingerstrasse in Baden eröffnet bald ein Voi-Laden. sga

Im Migros-Supermarkt an der Mellingerstrasse in Baden eröffnet bald ein Voi-Laden. sga

Stefanie Garcia Lainez

Die Bewohner des Meierhofquartiers fürchten um ihren Quartierladen: «Unsere kleine Migros an der Mellingerstrasse schliesst per Ende April. Welche Hiobsbotschaft!», schreibt ein besorgter Leser dem Badener Tagblatt. «Wir verlieren einen wichtigen Einkaufstreffpunkt, wo viele Quartierbewohner zu Fuss oder mit dem Velo tägliche Kommissionen machen.»

Auf Nachfrage entwarnt der Grossverteiler: «Die Migros bleibt weiterhin an der Mellingerstrasse, aber mit einem Voi-Laden», sagt Mediensprecherin Andrea Bauer. Voi ist das Franchisingkonzept der Migros – ein Geschäftsführer betreibt den Laden auf eigene Rechnung, aber im Auftrag und mit Unterstützung der Migros.

Der aktuelle Laden sei zwar gut frequentiert, unterdessen aber nicht mehr auf dem neusten Stand und müsse saniert werden, sagt Bauer. «Die Verkaufsfläche von 165 Quadratmetern ist jedoch zu klein, um an diesem Standort einen klassischen Migros-Supermarkt zu betreiben.»

Denn moderne Migrosläden müssten eine grosszügig gestaltete Fläche für die Einkaufswagen oder bediente Theken anbieten können. Damit die Dorfläden aber nicht verschwinden, hat die Migros das Voi-Konzept für Mini-Supermärkte lanciert. «Es ist eine moderne Version des TanteEmma-Ladens», sagt Bauer.

Mitte April schliesst nun die Migros-Filiale an der Mellingerstrasse. Rund einen Monat später eröffnet der neue Voi-Laden mit ähnlichem Angebot wie bisher. «Damit geht eine Ära zu Ende», sagt eine der Verkäuferinnen.

Seit fast 70 Jahren betreibt die Migros diesen Laden schon. «Auch wenn das Sortiment das gleiche bleibt – der Laden wird nicht mehr derselbe sein.» Viele Kunden seien traurig und werden die Filiale vermissen, erzählt sie.

Denn nicht nur das Erscheinungsbild ändere, sondern auch die bekannten Gesichter werden bald nicht mehr da sein, da das Verkaufspersonal in andere Läden wechsle.

Der Quartierverein Meierhof kann der Veränderung auch Gutes abgewinnen: Der heutige Laden sei sanierungsbedürftig und erinnere an die alten, rollenden Verkaufswagen der Migros, sagt Co-Präsident Lukas Frey.

«Wichtig ist, dass der Laden bleibt. Und der Wandel zu einem Voi-Laden könnte eine Chance sein», ist er überzeugt. Denn mit dem neuen Supermarkt könnte das Angebot individueller und regionaler werden.

Dies bestätigt auch die Migros-Sprecherin: «Die Betreiber von Voi-Läden, meist aus dem Quartier oder der Region, können einen Teil des Sortiments selber gestalten und somit den Bedürfnissen ihrer Kundschaft anpassen.»

So sollen auch Produkte aus der Region in den Regalen ihren Platz haben. Und ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zum Migros-Supermarkt sind im Voi-Laden auch Alkohol und Tabak erhältlich. Bauer: «Wer im Sommer also kurzfristig grillieren möchte, kann das Bier und den Cervelat bald am selben Ort kaufen.»