Künten/Bellikon

Nach der Streifkollision: Ist die Strasse zu schmal?

Nach der Streifkollision zwischen Bellikon und Künten wird der Zustand der Ortsverbindungsstrasse bemängelt.

Carla Stampfli
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Auf Nebenstrassen wie hier auf der Bellikoner-/Küntenerstrasse werde generell zu schnell gefahren, sagt die Kantonspolizei. ces

Auf Nebenstrassen wie hier auf der Bellikoner-/Küntenerstrasse werde generell zu schnell gefahren, sagt die Kantonspolizei. ces

«Auf dieser relativ schmalen Strasse wird ohnehin viel zu schnell gefahren. Zudem sind die Ränder viel zu tief, um auszuweichen, wie Gräben», kommentiert ein Leser des «Badener Tagblatts». Damit bezieht er sich auf den Zwischenfall, der sich kürzlich auf der Ortsverbindungsstrasse zwischen Bellikon und Künten ereignet hat: Zwei Fahrzeuge kreuzten sich bei der scharfen Kurve so, dass bei beiden ein Rückspiegel zu Bruch ging. Weil sich die Fahrer gegenseitig beschuldigen, auf der schmalen Nebenstrasse zu weit links gefahren zu sein, sucht die Kantonspolizei Augenzeugen.

«Im ganzen Kanton ist es so, dass auf Nebenstrassen generell zu schnell gefahren wird», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei, auf Anfrage. Zudem hätten viele das Gefühl, dass sie ausserorts das erlaubte Tempolimit fahren müssten, auch in einer Kurve wie diejenige in Künten. «Das geht natürlich nicht.»

Brenzlige Situationen beobachtet

Der Leser, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, stört sich an der hohen Geschwindigkeit, mit der die Verbindungsstrasse befahren wird. Aber nicht nur: «Von Bellikon kommend bis hin zur scharfen Kurve hat es an den Strassenseiten viele Löcher.» Wolle man einem entgegenkommenden Auto ausweichen, müsse man sehr wachsam sein. Vor allem, wenn man ein breites Fahrzeug besitze. Der untere Abschnitt der Strasse sei zwar etwas besser, trotzdem sei auch dort Vorsicht geboten. Der Leser, der die Strasse häufig benutzt, sei öfters Augenzeuge brenzliger Situationen geworden. «Ich staune, dass die verantwortlichen Behörden noch nichts unternommen haben.»

Mit der Aussage konfrontiert, verweist Kapo-Sprecher Graser auf die Gemeinden: Sie sind für die Strasse, die im oberen Teil Küntener- und im unteren Stück Bellikonerstrasse heisst, verantwortlich. Hans Peter Kurth, Gemeindeammann von Bellikon, nutzt häufig die Verbindung. «Sie ist zwar eng, doch breit genug, dass sich zwei Autos kreuzen können», sagt Kurth und fügt an: «Man muss den Strassenverhältnissen angepasst fahren.» Diese Meinung teilt Werner Fischer, Gemeindeammann von Künten: «Die Verantwortung, die Fahrweise den Gegebenheiten anzupassen, liegt bei den Automobilisten.» Es sei weder realistisch noch erstrebenswert sowie Auftrag der Gemeinde, aus einer Nebenstrasse eine breite Rennbahn zu bauen. Dies würde als Nebeneffekt zusätzlich zu Tempoüberschreitungen animieren. Auch könne man das Maximaltempo nicht beliebig reduzieren. «Die Strasse ist als Ausserortsstrecke definiert, die maximale Geschwindigkeit somit gegeben.»

Teil saniert, aber nicht verbreitert

Zu den vom Leser bemängelten «Löchern» an den Strassenrändern sagt Hans Peter Kurth: «Das sind Graben, die der Entwässerung dienen.» Die Gemeinde habe nicht vor, Massnahmen vorzunehmen. Mit Ausnahme des obersten Strassenabschnittes bei der Rehaklinik Bellikon: Dieser wird im Laufe der Neubauarbeiten der Klinik saniert, jedoch nicht verbreitert. Küntens Gemeindeammann Fischer weist zudem darauf hin, dass die Strassenränder bei der scharfen Kurve sowie in Richtung Bellikon vor rund eineinhalb Jahren in Ordnung gebracht worden seien. Weiteren Handlungsbedarf sieht Künten nicht.

Was die Streifkollision betrifft, sagt Bernhard Graser: «Noch hat sich nichts ergeben.» Die Chance sei klein, dass jemand etwas gesehen habe. Falls dies so bleibe, würden die beiden Lenker wegen ungenügendem Rechtsfahren verzeigt. Anschliessend entscheide die Staatsanwaltschaft, ob es eine Einstellungsverfügung gebe, oder ein Strafbefehl erstellt werde, erklärt der Kapo-Sprecher.