Baden

«Schwindler, Trottel und Verblendete»: Theaterproben laufen auf Hochtouren

«Schwindler, Trottel und Verblendete» heisst das neue Stück der Theatergruppe der Kanti. Vor der heutigen Premiere haben sie intensiv geprobt. «Von der Schauspielerei können die Schüler sehr profitieren», sagt Kantilehrer Hänni.

Stefanie Suter (Text und Foto)
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Ueli Haenni (Mitte) gibt den Schülern Tolga Sevim (links) und Elvio Petillo Tipps
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Die vier hohen Herren der Stadt (rechts) empfangen die drei Schwindler (links)
Fräulein Lazarillo, gespielt von Rebecca Oertel, schreibt die Texte für GiacobboMüller
«Schwindler, Trottel und Verblendete» heisst das neue Stück der Theatergruppe der Kanti
Thimo Sonder als Quartiermeister kündet den hohen Herren Soldaten an
Isabel Koster als Tineff und Joël Cipriano als Schmulina freuen sich über den gelungenen Schwindel.

Ueli Haenni (Mitte) gibt den Schülern Tolga Sevim (links) und Elvio Petillo Tipps

Stefanie Suter

Stille herrscht in der Aula der Kanti Baden, Stühle stehen in einer Reihe auf der Bühne. Hinter dem Vorhang treten leise die Schüler hervor, stellen sich vor die Stühle und setzen eine Maske auf. «Wir proben für das Stück ‹Schwindler, Trottel und Verblendete›, das aus drei verschiedenen, kritischen, Stücken besteht», sagt der Kantilehrer Ueli Haenni, «zwei davon sind Kurzkomödien, das dritte ist ein ernsteres Stück.»

Er führt zusammen mit der Musiklehrerin Ardina Nehring Regie. «Heute picken wir einzelne Szenen raus, die wir nochmals intensiv proben müssen», sagt Hänni.

Seit 14 Jahren besteht die Theatergruppe schon. Sie proben auf freiwilliger Basis ausserhalb des Schulunterrichts. Die Schauspieler besuchen die Kanti, die Wirtschafts- oder die Informatikmittelschule in Baden – wie auch das Streichquartett und die Sängerinnen, die das Stück begleiten. «Es wird immer schwieriger, Schüler zu finden, die sich regelmässig über längere Zeit für etwas engagieren wollen», sagt Haenni.

«Die Freizeit der Schüler ist viel verplanter als früher», ergänzt Nehring. «Von der Schauspielerei können die Schüler sehr profitieren», sagt Haenni. «Sie werden selbstbewusster und lernen, gemeinsam an einem Strick zu ziehen und sich kritisch mit einem Thema auseinander zu setzen.»

Proben laufen auf Hochtouren

«Identität ist was und wer ich bin», sprechen alle im Chor. «Ein Bild als Urteil, ein Bild als Fiktion», ergänzt ein einzelner. «Kannst du das noch etwas lauter sagen?», meint Haenni. Mit dieser Szene leiten die Schüler ‹Die Oliven› von Lope de Rueda ein, ein Stück aus der Barockzeit Spaniens, das Haenni übersetzte.

Nächste Szene: Einer der Schüler rennt über die Bühne, ein anderer hält ihn auf, sie umarmen sich. «Bist du Juan José?», fragt der Kleinere, als sie sich aus der Umarmung lösen. Haenni unterbricht: «Atmet hier noch länger, intensiver.»

Diese Szene dreht sich um einen US-Grenzpolizisten mit mexikanischen Wurzeln – Gewissenskonflikte sind vorprogrammiert. Haenni hat diesen Akt aus einer Kurzgeschichte von Carlos Fuentes übernommen und für das Theater umgeschrieben. «Es geht um reale Grenzen und Grenzen im Kopf», sagt er.

«Nehmen Sie mir endlich diesen Musiker aus den Augen!», schreit eine Schauspielerin in den Saal. «Zeig mit deiner abwehrenden Haltung, wie sehr dich der Geiger ekelt», wirft Haenni ein. Die Szene stammt aus «Das Theater der Wunder» von Miguel de Cervantes: Ein Schwindler gibt vor, riesige Stiere und wilde Löwen herbei zu zaubern. Nur echte Christen könnten diese Fantasieprodukte sehen, flunkert er.

«Alle täuschen vor, sie zu sehen – keiner möchte sich blossstellen und als Jude oder Muslim verschrien werden», erklärt Haenni. «Insbesondere die Intellektuellen hätten die Aufgabe, die Betrügerei anzuprangern. Sie wollen sich aber nicht gegen die herrschende Meinung stellen.» Obwohl das Stück 400 Jahre alt sei, habe es nicht an Aktualität eingebüsst.

«Schwindler, Trottel und Verblendete»:

Fr, 28.2./7.3., Sa, 1.3./8.3., 20 Uhr; So, 2.3.,/9.3., 17 Uhr; Aula Kanti Baden.