Obersiggenthal

Stau wegen defekter Sensoren – Kanton muss sich viel Kritik gefallen lassen

Die Ursache für die langen Wartezeiten in Obersiggenthal steht fest. Jetzt steht das Verkehrsmanagment des Kantons Aargau unter Kritik,

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
Derzeit fast täglich: Stau in Obersiggenthal trotz moderner Technologie.

Derzeit fast täglich: Stau in Obersiggenthal trotz moderner Technologie.

AZ-Archiv

37 Millionen Franken genehmigte der Grosse Rat vor zehn Jahren für das Verkehrsmanagement Baden-Wettingen. Ziel: Den Verkehr in der Region mithilfe moderner Technologie und Messungen verflüssigen und online steuern.

In einem Film des Kantons aus dem Jahr 2009 hiess es zur Zukunft: «Statt dass der Verkehr unkoordiniert ins Zentrum gelangt und dort staut, werden die Fahrzeuge in unbewohnten Gebieten dosiert, damit sie anschliessend flüssig durch die Siedlungsgebiete ins Zentrum fahren können.» Anstatt bei vielen Ampeln mehrmals kurz zu warten, werde der Verkehr bei der Dosierstelle ausserhalb der Siedlungsgebiete einmal stehen. «Vielleicht ein bisschen länger – dann aber kann er flüssig weiterfahren. Die gesamte Wartezeit soll dadurch markant verkürzt werden.»

«Von geplantem Szenario meilenweit entfernt»

In dieser skizzierten Zukunft sind wir angekommen, und auch Obersiggenthal zu den Gemeinden, die dank neuen Lichtsignal- und Dosierungsanlagen profitieren sollten. Doch Urs Gygax aus dem Dorfteil Nussbaumen sagt: «Die Umsetzung des Verkehrsmanagement ist ein wirkliches Desaster.» Die Realität sei vom im Film beschriebenen Szenario meilenweit entfernt.

In den vergangenen Wochen habe es in Nussbaumen sowie auch im Kappelerhof grosse Staus gegeben, und die Busse, die eigentlich bevorzugt werden sollen, hätten massive Verspätungen gehabt. «Offenbar merkt es niemand, wenn die Anlage tagelang nicht funktioniert.» Manchmal bleibe man mitten in der Nacht im Stauraum hängen, obwohl kaum ein Autos unterwegs seien.

Der Verkehr staut sich im Dorf aber leider tatsächlich häufig.

(Quelle: Bettina Lutz Güttler, Gemeindeammann Obersiggenthal)

Mit seiner Kritik ist er nicht alleine. Bettina Lutz Güttler (CVP), seit Anfang Jahr Gemeindeammann von Obersiggenthal: «Die Idee des Verkehrsmanagements wäre erstens, dass sich der Verkehr nicht im Siedlungsgebiet staut, sondern ausserhalb. Und zweitens, dass der Bus bevorzugt wird und wenn möglich freie Fahrt hat. Der Verkehr staut sich im Dorf aber leider tatsächlich häufig.» Das Problem sei, dass die Busse nicht mehr nach Fahrplan unterwegs sind. «Zwar gibt es bis zu acht Fahrten pro Stunde nach Baden, aber es wäre zu begrüssen, wenn man wüsste, wann die Busse losfahren.»

Daniel Schwerzmann vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt bestätigt, dass die Autos im Raum Siggenthal zuletzt nicht nach Plan geleitet wurden. Die Ursache: Beim Einbau der Fernwärmeleitung für die Region Siggenthal-Baden Nord (Sibano) seien bei der Siggenthalerbrücke drei Induktionsschleifen der Lichtsignalanlage Boldi beschädigt worden.

«Diese Schleifen messen den Rückstau Richtung Nussbaumen, und sie sind für die Einschaltzeitpunkte der beiden Dosierstellen beim Kreisel Landschreiber und bei der Brühlstrasse in Untersiggenthal verantwortlich.» Ohne diese Schleifen orientieren sich die beiden Lichtsignalanlagen einzig ihrem lokal gemessenen Verkehrsaufkommen, um den Bus korrekt zu bevorzugen», erklärt Schwerzmann. Das Zentrum vom Stau freizuhalten, sei ohne diese Sensoren nicht möglich – «was denn auch zu beobachten war».

Ehrendingen: «Busse kommen eher langsamer voran»

Auch aus Ehrendingen sind kritische Töne zum Verkehrsmanagement zu vernehmen. «Durch die Busbevorzugung kann es zu Staus im Dorf kommen, teilweise bis zum Kreisel Niedermatt», sagt Ammann Urs Burkhard. Und auch die Busse kämen innerhalb des Dorfes nicht schneller voran, vereinzelt eher langsamer. «Insofern funktioniert das Verkehrsmanagement für die Gemeine Ehrendingen nicht, beziehungsweise bringt keine Vorteile.»

Daniel Schwerzmann sagt: «In Ehrendingen hatten wir tatsächlich zeitweise grosse Rückstaus.» Diese hätten aber durch Anpassungen in den Steuerungen Brückenkopf Ost, Kreisel Landvogtei und der elektronischen Busspur verbessert werden können. Er könne nachvollziehen, dass das Verkehrsmanagement auch kritische Stimmen hervorrufe. «Aber auch mit dem Management bleiben die Verkehrsmengen im System unverändert hoch.» Gerade der Individualverkehr müsse heute an Stellen aufgehalten werden, an denen Autofahrer nicht erkennen können, «warum sie gerade hier warten müssen.»