Klage

Vertragsbruch: Badener Eventagentur klagt Rheinsalinen ein

Sidney Weill wollte letzten Winter beim Salz-Engpass den Rheinsalinen aushelfen – nun sitzt er auf einem Verlust von 100000 Franken. Doch dagegen will er kämpfen – mit einer Klage.

Martin Rupf
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Man denkt unweigerlich an David gegen Goliath. Hier die kleine Eventagentur Open Hearts von Sidney Weill aus Baden, dort die übermächtigen Rheinsalinen mit ihrem Monopol auf Salzhandel.

Letztere ist von der Eventagentur auf 100000 Franken eingeklagt worden, wie die Zeitung «Tages Woche» aus Basel am Freitag schreibt. Laut dem Artikel habe Sidney Weill den Rheinsalinen wegen des Salz-Engpasses angeboten, Salz zu importieren. Da Weill ein internationales Beziehungsnetz pflege, sei er in der Lage gewesen, Salz aus dem Ausland zu beschaffen, heisst es in der «Tages Woche» weiter.

Doch wie kommt eine Eventagentur überhaupt auf die Idee, Salz zu importieren? «Wenn es Probleme gibt, schaue ich nicht einfach weg, sondern mische mich für das Allgemeinwohl gerne ein», sagt Weill gegenüber der az Aargauer Zeitung.

Erinnerung an Salzberge in Israel

Als er letzten Winter auf den Salz-Engpass aufmerksam geworden sei, habe er sich an Salzberge am Toten Meer in Israel erinnert. «Spontan habe ich den Rheinsalinen angeboten, ihnen Salz zu besorgen.»

Die Rheinsalinen hätten sofort Interesse gezeigt; am 20. Januar habe man den Vertrag über 5000 Tonnen Salz unterschrieben. «Weil in Israel aber gerade gestreikt wurde, musste ich mich nach Ersatz umsehen», so Weill. Dank guten Beziehungen habe er dann schliesslich Lieferanten in der Türkei ausfindig machen können.

«Einen ersten Dämpfer erfuhr die Abwicklung des Imports, als mir die Rheinsalinen Ende Dezember 2010 mitteilten, dass sie nicht bereit sind, ein Akkreditiv zu leisten», sagt Weill. Beim Akkreditiv handelt es sich um ein Zahlungsversprechen, mit dem sich die Bank des Importeurs verpflichtet, bei Vorlage entsprechender Dokumente Zahlung zu leisten.

«Wenn die Rheinsalinen so dringend auf Salz angewiesen wären, hätten sie eigentlich auch bereit sein müssen, das Akkreditiv zu leisten.» Schliesslich sei es der Eventagentur gelungen, selber ein Akkreditiv zu organisieren. Doch alles für die Katz: Mitte Februar erteilten die Rheinsalinen Weill eine Absage. Da es wärmer geworden war, könnten sie den Bedarf an Salz selber decken.

«Es geht mir nicht nur ums Geld»

«Als Entschädigung für meinen bereits geleisteten Einsatz wurde ich zum Essen eingeladen; das empfand ich als blanken Hohn.» Salz – dieses hätte einen Gesamtwert von rund einer halben Million Franken gehabt – sei zwar noch keines unterwegs gewesen. Aber: «Es waren rund zehn Personen für die Abwicklung des Geschäfts für uns im Einsatz», sagt Weill. Insgesamt betrage der entgangene Gewinn rund 100000 Franken. «Nun habe ich die Rheinsalinen wegen Vertragsbruch eingeklagt. Ich hoffe, ich erhalte vor Gericht Recht», sagt Weill.

Dabei gehe es ihm nicht nur ums Geld. «Es muss endlich etwas gegen das Monopol der Rheinsalinen geschehen. Die Herren auf dem hohen Ross machen einfach, was sie wollen», sagt Weill. Er werde sich dieses Jahr sicher nicht mehr um Salz kümmern. «Ich hab das nicht gemacht, weil ich darauf angewiesen war, sondern weil ich helfen wollte.»