Wettingen

Wegen Sparmassnahmen: Arwo näht die Kissen jetzt selbst

In der Boutique der Arwo werden nun Kissen, Tücher und Taschen verkauft. Mit der neuen Nähgruppe will die Stiftung dem kantonalen Spardruck entgegenwirken.

Stefanie Garcia Lainez
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Im Arwo-Atelier in Wettingen: Klientin Margrit Votteler (links) kann die neue Nähmaschine per Knopfdruck bedienen – nicht wie normalerweise mit dem Fusspedal.

Im Arwo-Atelier in Wettingen: Klientin Margrit Votteler (links) kann die neue Nähmaschine per Knopfdruck bedienen – nicht wie normalerweise mit dem Fusspedal.

Mario Heller

«Diese neue Nähmaschine ist unverschämt gut», sagt Christine Linder und widmet sich wieder dem Kissenüberzug, den sie für die Laden-Boutique der Stiftung für Behinderte Arwo in Wettingen näht.

Unverschämt gut findet die Klientin beispielsweise den montierbaren Lineal neben dem Nähfuss, der ihr dabei hilft, gerade zu nähen. Oder das Display, das Stichgrösse und Geschwindigkeit anzeigt. Sie gehört zur neuen Arwo-Nähgruppe, die Kissen, Küchentücher, Stofftaschen oder Kochschürzen herstellt, die in der Boutique der Stiftung verkauft werden.

Etwas bewirken

«Wir wollen das Geld, das die Stiftung braucht, möglichst gemeinsam mit unseren Klienten verdienen», erklärt Geschäftsführer Roland Meier die Idee dahinter. Zwar wird die Stiftung zu 75 Prozent vom Kanton unterstützt. Doch die kantonalen Sparmassnahmen spürt auch die Arwo.

So erhielt die Stiftung in diesem Jahr eine halbe Million Franken weniger als noch 2015. «Und das bei gleichbleibender Leistung.». Deshalb suche die Arwo-Stiftung laufend neue Absatzmärkte. «Zudem ist es für unsere Klienten ein riesiger Unterschied, ob wir sie einfach beschäftigen oder ob sie mit ihrer Arbeit auch etwas bewirken.»

Also entschied die Arwo, die Stoff-Produkte für den Laden nicht mehr von anderen Stiftungen zuzukaufen, sondern sie im eigenen Atelier selbst herzustellen. Dafür kaufte die Arwo vier neue Nähmaschinen.

Mit der Produktion für den eigenen Laden ist die Nähgruppe aber auf die Dauer nicht komplett mit Arbeit eingedeckt. Die Stiftung ist deshalb auch auf externe Aufträge angewiesen wie beispielsweise die 300 «Chriesistei»-Kissen, die eine Firma als Weihnachtsgeschenk bestellte. «Wie viele Aufträge wir genau brauchen, müssen wir noch herausfinden», sagt Meier. «Denn wir möchten unsere Klienten fördern, ohne sie zu überfordern.»

Nähmaschinen ohne Fusspedal

Im Moment laufen die Nähmaschinen im Atelier der Boutique auf Hochtouren. Alle Maschinen sind auf die speziellen Bedürfnisse der Arwo-Klienten ausgerichtet. So arbeitet Margrit Votteler an einer Nähmaschine, die sie von Hand per Knopfdruck bedienen kann – nicht wie normalerweise mit dem Fusspedal.

«Ich kann meine Füsse nicht so gut koordinieren», erklärt die 58-Jährige und ergänzt: «Es ist ein schönes Gefühl, wieder nähen zu können.» Dann rückt sie ihre Brille zurecht, beugt sich über den Stoff, drückt einen Knopf an der Maschine, und schon rattert sie los.

Die speziellen Maschinen haben aber ihren Preis: Sie kosten rund das Doppelte als herkömmliche Maschinen. Bei der Anschaffung wurde die Stiftung vom Stadtcasino Baden unterstützt, das jedes Jahr 10 000 Franken an die Arwo-Stiftung spendet. Weitere 10 000 Franken übergab das Stadtcasino an «Insieme», den Verein zur Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung.

«Das soziale Engagement liegt uns am Herzen», sagt Rita Brühlmann, die Sponsoring-Verantwortliche des Stadtcasinos. «Bei der Arwo-Stiftung und Insieme wissen wir immer genau, wie das Geld eingesetzt wird.»