Theater

Wenn ein Kloster zum Labyrinth wird

Die Spannung wird von Tag zu Tag grösser: Die Spannung wächst. Am 5. Juli hat die Komödie «De Franzos im Aargau» Premiere bei den Klosterspielen.

Elisabeth Feller
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Probe bei schönem Wetter im Klosterhof: Foulon (Gilles Tschudi, Mi) wird umringt von Frauen. Alex Spichale

Probe bei schönem Wetter im Klosterhof: Foulon (Gilles Tschudi, Mi) wird umringt von Frauen. Alex Spichale

Steht die Apokalypse bevor? Der Himmel ist schwarz; das Donnergrollen bedrohlich; der Wind ungemütlich. Kann die Abendprobe im Klosterhof Wettingen stattfinden? Bevor das Gedankenkarussell der Besucherin in Fahrt kommt, hält der Bus bei der Kloster-Haltestelle. Einige Frauen mit und ohne Regenschirm steigen aus und streben dem Kloster zu.

Die wirken sicherlich bei den Klosterspielen mit, denkt die Besucherin und fragt sich: Wer spielt wohl welche Rolle in Thomas Hürlimanns Komödie «De Franzos im Aargau»? Regisseur Volker Hesse bezeichnet sie «als kräftig und erotisch; doch ihr Boden ist dunkel». – Der Himmel hat sich inzwischen noch mehr verdunkelt, zudem hat es zu regnen begonnen. Umso mehr fallen die bunten, verstreut auf der Wiese vor dem Eingang liegenden Kleider auf. Eine Kunst-Biennale? Nach der Premiere am Dienstag wird man mehr wissen.

Respekt vor den Mitwirkenden

Die Zeit drängt – weiter. Oh, welch trister Anblick: Die Holzbänke im Klosterhof sind nass. Wie anders haben sie doch bei schönem Wetter gewirkt. Etwas Rohgezimmertes umgibt diese Bänke, die rings um die Bühne gruppiert sind; ein Hauch von Shakespearschem Globe-Theatre lag in der Luft. Heute ist davon nicht viel zu spüren, heute heisst es: Rein ins Kloster; steile Stiegen hoch und runter – bis zur Turnhalle.

Beim Eintreten schluckt man leer, denn dieser Raum ist nur eines: nüchtern. Kann man hier proben? Klar. Volker Hesse hat sich auf eine Bank gesetzt und rekapituliert die letzte Probe. Er sagt leise, aber bestimmt, was geglückt und was weniger geglückt ist. Seine Bemerkungen werden gut aufgenommen, weil alle längst wissen: in Hesses Worten scheint stets der tiefe Respekt auf vor den Leistungen der 200 Mitwirkenden vor und hinter der Bühne.

Der Regisseur kommt auf die vielen Auftritte und Abgänge zu sprechen. Diese müssen alle Mitwirkenden aus dem Effeff beherrschen, denn «Achtung, dieses Kloster ist ein Labyrinth». Ringsum wird gelacht, denn mit dem weitläufigen, verzweigten Klosterareal hat jeder schon seine Erfahrungen gemacht.

Nun aber gilt es ernst – die Dorffrauen, Sargtöneli und die Musiker sind bereit. Zarte Klänge dringen ans Ohr – ach ja, Töbi Tobler zaubert auf dem Hackbrett. Wie viele Male an diesem Abend die Frauen die «Schwarze Madonna» anrufen, weiss die Besucherin nicht. Sie weiss aber: Sie wird sich an der Premiere kneifen müssen, um nicht in den Ruf einzustimmen: «Do isch si ja.»