Baden
«Wie ein gelandetes Raumschiff» – beim Schulareal Burghalde entstehen neue Kunstwerke

Der Zürcher Künstler Markus Weiss plant ein begehbares Silo aus Holz und Stahl im neuen Sekundarstufenzentrum – die Arbeiten sollen bald beginnen.

Andreas Fahrländer
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Von aussen gelb statt blau: Markus Weiss möchte mit seinem Pavillon «Salon Bleu» einen Raum für freies Denken schaffen. Rechts im Bild Hans Trudels Beethoven-Büste vor der Musikschule Burghalde.

Von aussen gelb statt blau: Markus Weiss möchte mit seinem Pavillon «Salon Bleu» einen Raum für freies Denken schaffen. Rechts im Bild Hans Trudels Beethoven-Büste vor der Musikschule Burghalde.

Markus Weiss

Auf dem Schulareal Burghalde bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Bis zum Sommer 2021 entsteht hier für rund 106 Millionen Franken das neue Badener Oberstufenzentrum. Am Montag wurde in der Baugrube eine Zeitkapsel als symbolischer Grundstein gelegt.

Ein ganz besonderes Kunstwerk soll bald auf der Wiese oberhalb des Bezirksschulanbaus von 1986 hinzukommen. Der Zürcher Künstler Markus Weiss, der immer wieder mit humorvollen und subtilen Installationen im öffentlichen Raum auffällt, hat vor rund drei Jahren den «Kunst und Bau»-Wettbewerb für sich entschieden.

Er plant ein begehbares Silo aus Holz und Stahl mit dem Namen «Salon Bleu», das als «Denkraum» für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrerinnen und Lehrer des Schulzentrums dienen soll.

Im Baugesuch für das Kunstwerk, das noch bis Mitte Juli öffentlich aufliegt, heisst es dazu: «Es ist ein siloartiger Bau und soll, ergänzend zum Raumangebot der Schule, die Gärprozesse des kreativen Denkens auslösen.» Über ein teilweise unterirdisch verlegtes Rohrsystem sollen die Gedanken aus dem Silo metaphorisch abgesaugt und in die Aussenwelt zurückgeführt werden.

Versteckt bei der Villa

Markus Weiss will den Salon Bleu so im Landschaftsgarten der Burghalde platzieren, dass er sich gegenüber der Villa Burghalde (in der die Musikschule der Region Baden untergebracht ist), bewusst zurücknimmt.

«Der Salon Bleu soll wie ein gelandetes Raumschiff zwischen den hohen Bäumen stehen», erklärt Weiss. Es habe ihm wehgetan, wie viele Bäume der Baustelle weichen mussten. «Hier oben stehen die Bäume noch, der Platz ist etwas entrückt von der restlichen Schulanlage», sagt Weiss. «Das erlaubt einen fast romantischen Blick auf diesen Ort.»

Ein weiteres Kunstwerk, das an der Burghalde als Kunst-und-Bau-Beitrag entsteht, stammt aus der Feder des Obwaldner Künstlers Christian Kathriner. Er wird verschiedene Reliefs aus Beton schaffen, die sich über das Schulareal verteilen werden. Dafür hat er einen Beitrag von 250 000 Franken zur Verfügung.

Markus Weiss verfügt für sein Werk über 350 000 Franken. Die Werke von Weiss und Kathriner wurden 2016 in einem Jurywettbewerb ausgewählt. In der Jury sassen Vertreter des Stadtrats und der Stadtverwaltung, aber auch Fachleute aus Kunst und Kultur. Zudem wurde die Jury unter anderem von der Denkmalpflege und von Schülern und Lehrern begleitet.

«Insgesamt beläuft sich die Summe für «Kunst und Bau» am neuen Sekundarstufenzentrum auf 600 000 Franken», erklärt Julius Schulz, Bereichsleiter Bau bei der Abteilung Planung und Bau. «Dazu zählen sämtliche Posten wie Materialkosten, Bauarbeiten, Honorar für die Künstler sowie die Baumeister- und Planungskosten.»

Kriterien für die Auswahl der Sieger waren unter anderem die künstlerische Qualität, ein innovativer Gehalt, die Machbarkeit in Bezug auf Technik und Termine sowie die längerfristigen Kosten.

Eigene Gartenmöbel bauen

Markus Weiss hat ganz bewusst darauf gesetzt, nicht den gesamten Betrag für sein Silo zu verwenden. Der Bau des Silos mit dem Rohrsystem soll 250 000 Franken kosten.

Kunst und Bau in Baden: Kritik und neue Regeln

Die Finanzierung der Kunst-und-Bau-Projekte – man spricht heute eher nicht mehr von Kunst «am» Bau, weil es nicht immer um feste Kunstwerke an Gebäuden geht – sorgte in der Stadt in den letzten Jahren für Kritik.

Zumal Baden den Gürtel enger schnallen muss und die grossen Schulhaus-Neubauten ohnehin viel Geld verschlingen. Einwohnerrat Mark Füllemann (FDP), damals noch Präsident der Finanzkommission, sagte 2016 im Hinblick auf die Förderung von Kunst an der Burghalde: «Ich fände es angebracht, den Prozentsatz beispielsweise für zehn Jahre zu halbieren.»

Er war es auch, der schon 2012 eine Motion einreichte, die dazu führte, dass nicht mehr automatisch ein Prozent der Kosten für Kunst zur Verfügung gestellt wird. Dieses «Kunstprozent» bei öffentlichen Bauprojekten beruhte auf einem Stadtratsbeschluss von 1967.

Zeitweise verdoppelte die Stadt den Beitrag auf zwei Prozent. Ähnliche Mittel zur Förderung von Kunst gibt es in vielen Städten und Kantonen der Schweiz. Seit der Annahme der Motion Füllemann beläuft sich der Beitrag bei Investitionssummen bis zu einer Million Franken auf ein Prozent und senkt sich danach linear bis auf 0,3 Prozent. (AF.)

Für rund 70 000 Franken sollen die Oberstufenschülerinnen und -schüler während fünf Jahren in den Genuss von Workshops mit Berufsleuten und Kunstschaffenden kommen. Bereits angefragt sind dafür ein Industriedesigner, eine Künstlerin, ein Grafiker und Musiker sowie zwei Schriftsteller.

«Das Experimentieren, das Erarbeiten und die Konfrontation mit Grundfragen des künstlerischen Gestaltens sind etwas Aufregendes für alle Beteiligten», sagt Weiss. Als Beispiel nennt er etwa, dass die Schülerinnen und Schüler zusammen mit einem Industriedesigner Gartenmöbel bauen werden.

Der 55-Jährige arbeitet selbst auch als Lehrer und unterrichtet Zeichnung an der Berner Fachhochschule sowie an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich. Er sagt, es sei ihm wichtig, mit jungen Kunstschaffenden zusammenzuarbeiten.

«Möglichst viel Freiraum»

«Mir geht es darum, möglichst viel künstlerischen Freiraum für die Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen.» Im Salon Bleu soll ein ganz anderes, intimeres Raumgefühl herrschen als in den lichtdurchfluteten Klassenzimmern des Burghalde-Neubaus. «Es soll ein Aussenschulzimmer sein, in dem man völlig frei denken und kreativ sein kann.»

Zu den kritischen Stimmen, die es nach dem Wettbewerbsentscheid teilweise gab, sagt Weiss: «Mir ist klar, dass mein Werk eine utopische Idee ist.» Er freue sich aber extrem, in Baden zu arbeiten, und möchte mit seinem Werk Schüler und Lehrer begeistern. Die Unterstützung der Stadt sei dabei hervorragend. Wenn das Projekt in dieser Form bewilligt wird, soll es mit den Bauarbeiten schnell losgehen.

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