Baden

«Wir haben die Qualität des Kaffees verbessert»: Neuer «Himmel»-Besitzer zieht eine erste Bilanz

Sechs Wochen nach der Übernahme des Badener Traditionscafés «Himmel» zieht der neue Inhaber Dominik Frei eine erste Bilanz.

Martin Rupf
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Schon einen Tag nach Bekanntgabe der Rettung des «Himmels» packte der neue Inhaber Dominik Frei am Sonntag in der Backstube in Baden mit an. «Wir wollen den Badenern die Freude am Brot zurückgeben.»

Schon einen Tag nach Bekanntgabe der Rettung des «Himmels» packte der neue Inhaber Dominik Frei am Sonntag in der Backstube in Baden mit an. «Wir wollen den Badenern die Freude am Brot zurückgeben.»

Archiv/Daniel Vizentini

Gross war die Erleichterung am 9. Februar, als die «Schweiz am Wochenende» über die Rettung des «Himmels» in Baden berichtete. Quasi in letzter Sekunde wurde der Konkurs des 170-jährigen Traditionshauses abgewendet: Die Bäckerei Konditorei Frei AG mit Sitz in Obersiggenthal übernahm den «Himmel» und das «Delise» in Baden sowie das «Bijou» an der Wettinger Landstrasse und damit auch die 35 Mitarbeitenden. Wie verlief die Übernahme, was hat sich seither getan und wieso sehen die Cafés mehr oder weniger immer noch gleich aus wie vor der Übernahme?

Der neue Inhaber Dominik Frei (48) – er führt das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Hansjörg – blickt auf intensive und vor allem auch emotionale Wochen zurück: «Als ich am Samstag, als die Übernahme in der Zeitung verkündet wurde, den ‹Himmel› besuchte, waren die Reaktionen überwältigend.» Doch nicht nur vor Ort habe er Rückmeldungen erhalten. «Dank digitalen Medien erreichten mich schon am Samstag Glückwünsche aus der ganzen Welt», sagt Frei. Besonders berührend sei der Moment gewesen, als er zusammen mit dem ehemaligen Geschäftsführer und jetzigen Produktionsleiter Jörg Holstein das Café betreten habe. «Viele Kunden haben geklatscht und sich bedankt, dass das Traditionscafé weiter Bestand haben wird.»

Café "Himmel" in Baden (Stand: 11. Februar 2019)
17 Bilder
Blick in die «Himmel»-Confisserie in Baden: Im Bild der neue Inhaber Dominik Frei – die nächsten Bilder erzählen die Geschichte vom drohenden Aus bis zur Rettung.
Das Café «Himmel» beim Badener Bahnhofplatz war am 1. Februar 2019 – an diesem Tag melden Badener Tagblatt/Aargauer Zeitung, dass das Traditionscafé vor dem Aus steht.
Betroffen davon wären auch die beiden anderen Filialen gewesen, sprich das "Delise" im Badener Langhaus ...
... sowie das "Bijou" in Wettingen.
Der Schock in Baden sitzt tief, denn der "Himmel" gehört seit rund 180 Jahren zu Baden. So wie das «Sacher» in Wien oder der «Sprüngli» in Zürich handelt es sich seit Generationen um einen der wichtigsten gesellschaftlichen Treffpunkte in der Stadt.
«Ich war geschockt», sagte diese Frau, die als Gast im Café Himmel ist, zum drohenden Konkurs. So denken viele in und um Baden.
Café "Himmel": Wenige Tage vor dem vermeintlichen Aus sind die Vitrinen im Laden am Bahnhofplatz gut gefüllt mit Torten, Butterzöpfen und Patisserie.
Doch am Samstag, 9. Februar 2019, meldet die "Schweiz am Wochenende", dass die Geschichte des «Himmel» weiter geht.
Die Bäckerei Konditorei Frei AG mit Hauptsitz in Obersiggenthal übernimmt den "Himmel". Der neue «Himmel»-Besitzer Dominik Frei: «Der ‹Himmel› ist Kult, er gehört zu Baden wie der Stadtturm.»
Es folgen Impressionen vom Café Himmel, aufgenommen am 6. Februar 2019, als der Konkurs immer näher rückte, ...
... die Mitarbeitenden aber weiter ihre Arbeit machten ...
... und viele Leute den Himmel weiterhin aufsuchten, ...
... mit dem Gedanken, dass dies vielleicht der letzte Besuch und der letzte "Himmel"-Café für lange Zeit gewesen sein könnte.

Café "Himmel" in Baden (Stand: 11. Februar 2019)

Daniel Vizentini

Natürlich sei dieser erste Tag in Sachen Emotionen der intensivste gewesen. «Doch ich erhalte heute noch Rückmeldungen von Menschen, die einfach nur froh sind, existiert das Café weiter, mit dem nicht wenige Kindheitserinnerungen verbinden. Auch wenn er sich – und das betont Frei immer wieder – nicht als der grosse Retter sieht, «so machen solche Rückmeldungen natürlich grosse Freude». Daneben habe es aber auch kritische Stimmen gegeben, wie etwa: «Was hast Du Dir da aufgeladen?! Bist Du sicher, dass Du das ganze Ausmass der wirtschaftlichen Misere des ‹Himmels› erkannt hast?» Oder Stimmen, die davor warnten, dass die Übernahme eventuell das ganze Unternehmen mit seinen bereits elf Filialen in Gefahr bringen könne.

Investitionen werden geprüft

Doch sechs Wochen nach der Übernahme zieht Frei eine positive Bilanz: «Böse Überraschungen sind bisher ausgeblieben.» Im Gegenteil: Die übernommenen Mitarbeiter seien sehr motiviert und würden sich auf Neues einlassen. «Man darf nicht vergessen: Der Betrieb stand kurz vor dem Konkurs.

Wir müssen jetzt zwei Firmenkulturen zusammenführen, das ist eine grosse Herausforderung.

(Quelle: Dominik, Frei Co-Inhaber Bäckerei Konditorei Frei AG)

Am 11. Februar sind wir quasi bei null gestartet, auch wenn wir auf dem Bestehenden aufbauen konnten», sagt Dominik Frei. Auch seine bisherigen 160 Mitarbeitenden seien dabei gefordert. «Wir müssen jetzt zwei Firmenkulturen zusammenführen, das ist eine Herausforderung.» Vom Badener Gewerbe sei er schon einmal sehr gut aufgenommen worden.

In einer ersten Phase sei es darum gegangen, den Betrieb in den drei Filialen zu stabilisieren. In der zweiten Phase seien dann die Arbeitsabläufe angepasst worden. «Und jetzt geht es darum, die Betriebe wieder wirtschaftlich fit zu machen.» Erst, wenn die Wirtschaftlichkeit geprüft worden sei, werde man entscheiden, bei welcher Filiale man was investieren wolle, so Frei. «Das erklärt auch, weshalb man von aussen im Moment noch keine grossen Veränderungen sieht. Wir wollten keine Schnellschüsse.» Vielmehr sei Geduld gefragt – ähnlich wie bei einem guten Brotteig, der auch eine Zeit lang ruhen müsse. «Doch in der zweiten Jahreshälfte wollen wir das angehen.»

«Himmel wird Himmel bleiben» – Dominik Frei nach der Übernahme im Interview:

Tradition und Moderne zugleich

Das heisst aber nicht, dass noch gar nichts verändert wurde. «Wir haben – nicht zuletzt wegen der Rückmeldungen – die Qualität des Kaffees verbessert.» Zudem gebe es im «Delise» und im «Bijou» bereits eine grosse Auswahl an «Frei»-Produkten. «Bis Ende April wird es in allen drei Filialen unsere typischen Brot-Auslagen geben.»

Eines ist für Frei klar: «Wir sind uns der Bedeutung des ‹Himmels› in Baden absolut bewusst.» Man wolle dem «Himmel» den Glanz alter Tage zurückgeben. «Die Herausforderung ist dabei, die Tradition mit dem Modernen zu verbinden.» Dabei sei man durchaus offen für Inputs, auch kritischer Natur, wie dies jüngst in der BT-Kolumne von Simon Balissat passierte. «Wir haben unsere Aufgaben verstanden», sagt Frei mit einem Lachen. So sei man bereit, auch Neues anzudenken – verraten wolle er aber noch nicht zu viel. Kern-Geschäft wird aber die Bäckerei bleiben. Frei: «Unser Familienbetrieb steht für natürlich hergestellte und deshalb lang haltbare Brote. So wollen wir den Badenern wieder die Freude am Brot zurückgeben.»