Brugg

57'000 Franken warten darauf, abgeholt zu werden – doch keiner interessiert sich dafür

Die Ortsbürgergemeinde Brugg verfügt aus teilweise uralten Fonds und Legaten über viel Geld, aus dem Stipendien ausgerichtet werden können. Nun wird mittels amtlicher Ausschreibung nach Studenten gesucht, die auf solche Beiträge angewiesen sind. Denn Geld wurde schon seit 1994 keines mehr verteilt.

Claudia Meier
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Die Ortsbürgergemeinde Brugg verfügt aus – zum Teil mehr als 100-jährigen – Fonds und Legaten über gut 350'000 Franken, aus denen gemäss der jeweiligen Zweckbestimmung Stipendien ausgerichtet werden können. (Symbolbild)

Die Ortsbürgergemeinde Brugg verfügt aus – zum Teil mehr als 100-jährigen – Fonds und Legaten über gut 350'000 Franken, aus denen gemäss der jeweiligen Zweckbestimmung Stipendien ausgerichtet werden können. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Bei dieser Geschichte reibt man sich die Augen: Denn es kommt selten vor, dass Brugg Geld verschenken will und sich niemand dafür interessiert.

Doch genau so präsentiert sich die Situation in diesen Tagen: Die Ortsbürgergemeinde Brugg verfügt aus – zum Teil mehr als 100-jährigen – Fonds und Legaten über gut 350'000 Franken, aus denen gemäss der jeweiligen Zweckbestimmung Stipendien ausgerichtet werden können.

Mittels amtlicher Ausschreibung werden nun Berufslernende sowie Schüler und Schülerinnen einer Mittelschule, höheren Fachschule, Fachhochschule oder Universität gesucht, die auf solche freiwillige Beiträge angewiesen sind.

Insgesamt stehen momentan 57'000 Franken zur Verfügung. Schriftliche Anträge können noch bis zum 15. September bei der Stadtkanzlei Brugg eingereicht werden. Bisher liegt laut Stadtschreiber-Stellvertreterin Andrea Pajarola allerdings noch kein Gesuch vor.

Das könnte damit zusammenhängen, dass sich die Ausschreibung ausschliesslich an in Brugg wohnhafte Ortsbürgerinnen und Ortsbürger richtet. Stimmberechtigte Ortsbürger gibt es in der Stadt zirka 375. Zählt man die Minderjährigen dazu, dürfte sich die Zahl verdoppeln oder verdreifachen, was aber immer noch einem Bruchteil der über 11'000 Einwohner entspricht.

Seit 1994 keine Stipendien verteilt

Die Stipendien-Ausschreibung erfolge auf Anregung vereinzelter Ortsbürger, die vor Jahren beim Stadtrat anregten, die Stiftungszwecke zu überprüfen respektive eine Auflösung von Stiftungen und die Neuverwendung dieser Gelder zu prüfen, so Pajarola und erklärt: «Bis Anfang der 1990er-Jahre wurden Stipendien ausgerichtet – letztmals 1993.»

Der Brugger Stadtrat habe 1994 beschlossen, die freien Mittel wieder etwas anwachsen zu lassen, damit mit den Stipendien auch eine Wirkung erzielt wird und die Kapitalstöcke der eingetretenen Geldentwertung entsprechend angehoben werden können. Aus diesem Grund seien in der Vergangenheit bewusst keine Stipendien ausgerichtet worden.

Wie viele Ortsbürger bisher von solchen Stipendien profitieren konnten, kann Pajarola nicht sagen, weil die Ausschreibungen über Jahrzehnte zurückreichen. Gesuchsteller müssen detaillierte Angaben zum Familienverhältnis, zur Schulbildung, zum Ausbildungsziel und zu den Ausbildungsbeiträgen machen.

Ebenso ist ein Nachweis über die eigenen Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie jene der Eltern erforderlich. Wer also ein besonderes Bedürfnis und/oder überdurchschnittliche Kosten geltend machen kann, dürfte in den Genuss eines Stipendiums kommen. Der Entscheid liegt beim Brugger Stadtrat. Bei zweckbestimmtem Einsatz und Ausbildungsabschluss muss der Betrag später nicht zurückbezahlt werden.

Stadtrat wartet Ausschreibung ab

2015 sei einzig von der Frau-Zimmerlin-Bäurlin-Stiftung der seit Jahren gleichbleibende Betrag von Fr. 187.50 an die Hauswirtschaft der Schule Brugg ausgerichtet worden, wie das dem Zweck dieser Stiftung entspricht, so Pajarola. Bevor der Stadtrat über das weitere Vorgehen entscheiden kann, wolle er das Ergebnis der diesjährigen Ausschreibung abwarten.

Abklärungen bei den kantonalen Amtsstellen ergaben, dass der Stifterwille in allen Teilen respektiert werden muss und die Gelder nicht einfach neu verwendet werden dürfen. Eine Auflösung von Stiftungen kommt daher erst infrage, wenn der ursprüngliche Zweck auch in geänderter Form nicht mehr erfüllt werden kann.