Brugg

Am 2,5 Millionen Franken teuren Regenbecken scheiden sich die Geister

Mit dem Regenbecken Altenburg will der Brugger Stadtrat die Verschmutzung der Aare durch Abwasser vermeiden. Die Stimmberechtigten haben das letzte Wort und entscheiden über den Kredit von 2,563 Millionen Franken.

Michael Hunziker
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Realisiert werden soll das Regenbecken im Bereich des Aareufers und in der Nähe des «Schlössli Altenburg», in dem sich die Jugendherberge befindet.

Realisiert werden soll das Regenbecken im Bereich des Aareufers und in der Nähe des «Schlössli Altenburg», in dem sich die Jugendherberge befindet.

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Braucht es in Brugg das Regenbecken Altenburg oder nicht? Am 4. März fällt an der Urne der Entscheid zum Kredit von 2,563 Mio. Franken.

Der Stadtrat ist überzeugt, dass das Regenbecken notwendig ist, um unnötige Gewässerbelastungen respektive -verschmutzungen der Aare durch Abwasser zu vermeiden. «Damit trägt die Stadt Brugg zur guten Wasserqualität und zur Attraktivität der Aare bei», hält der Stadtrat in den Unterlagen zur bevorstehenden Referendumsabstimmung fest. «Aufgrund der unterirdischen und gut eingepassten Lage des Bauwerks», fährt die Behörde fort, «sind die Auswirkungen auf die Umwelt sowie das Ortsbild minimal. Mit den ökologischen Ausgleichsmassnahmen wird ein zusätzlicher Mehrwert für die Umwelt realisiert.»

Das Wasser wird gespeichert

Die Behörde weist auf den Generellen Entwässerungsplan (GEP) hin. Dieser zeigt auf, wie das Abwasser abzuleiten ist, und regelt die Versickerung oder wo möglich die direkte Ableitung des Regen-, Quell- und Sickerwassers in die Gewässer. Das bestehende Entwässerungssystem der Stadt Brugg, mehrheitlich ein Mischsystem, sei historisch gewachsen.

Referendum: 776 Unterschriften waren gültig

Im Oktober des letzten Jahres hat der Brugger Einwohnerrat nach einer lebhaften Diskussion mit 31 zu 8 Stimmen den Kredit von 2,563 Mio. Franken genehmigt für den Bau des Regenbeckens Altenburg.

Eine Gruppierung mit dem Namen «Nein zum Regenbecken Altenburg» lancierte in der Folge eine Unterschriftensammlung für ein Referendum. Dieses kam schliesslich mit 776 gültigen Unterschriften zustande. Erforderlich
waren 680 gültige Unterschriften. (mhu)

«Die Massnahmen der Entwässerungsplanung bis hin zu den erforderlichen Auflagen bei Baubewilligungen haben das Ziel der Trennung des sauberen vom verschmutzten Abwasser», so die Behörde. Aber trotz dieser Umsetzung seien auch in Zukunft Regenbecken mit ihren Rückhalte- und Vorklärungsfunktionen sowie zur Störfallbekämpfung erforderlich.

Im Regenbecken kann verschmutztes Niederschlagswasser zwischengespeichert werden, um es nach dem Regen verlangsamt der Abwasserreinigungsanlage zuzuführen. Bei starkem Regen durchströmt das Wasser die Speicherkammer. Dabei setzen sich Schmutzstoffe ab, Schwimmstoffe werden zurückgehalten.

«Das Abwasser-Regenwasser-Gemisch wird vorgeklärt», führt der Stadtrat aus. «Dadurch gelangt bei grösseren Regenereignissen nur stark verdünntes Abwasser in die Aare.» Gegenwärtig besteht lediglich ein einfaches Entlastungsbauwerk. «Damit gelangt heute zu viel ungeklärtes Abwasser in die Aare, was nicht gewässerschutzkonform ist.»

Landerwerb ist Sache der Gemeinde

Erstellt werden soll das Regenbecken im Bereich des Aareufers und in der Nähe des «Schlössli Altenburg» als unterirdische Baute. «Die Landschaft und das Ortsbild werden dadurch nicht beeinträchtigt», so der Stadtrat. Der Standort ist aus hydraulischen Gründen vorgegeben. Die Gesamtlänge des Bauwerks inklusive Ein- und Auslauf beträgt rund 30 Meter. Der sogenannte Sedimentationsraum weist im Innern eine Breite von 6 Metern und eine Höhe von 3,6 Metern auf.

«Da die Regenbecken aufgrund der Lage des Kanalisationsnetzes und der Entwässerungsverhältnisse mehrheitlich unterirdisch realisiert werden müssen, sind die Realisierungskosten generell relativ hoch», stellt der Stadtrat fest. Aber: «Die Baukosten sind gegenüber ähnlichen Regenbecken vergleichbar und verhältnismässig.» Finanziert wird das Regenbecken – wie alle kommunalen Abwasseranlagen – über den Eigenwirtschaftsbetrieb Abwasserbeseitigung. Der Landerwerb ist Sache der Einwohnergemeinde, die Kompetenz liegt beim Stadtrat und bei der Finanzkommission. Daher sind die Kosten für den Landerwerb nicht in der Kreditsumme enthalten für den Bau.

Die Platzverhältnisse sind eng

«Das Bauprojekt wurde von Abwasseringenieuren nach den neusten technischen Richtlinien und Weisungen bemessen und konzipiert», schreibt der Stadtrat. «Die Simulation hat ergeben, dass mit dem Regenbecken rund 35 000 Kubikmeter Abwasser vorgeklärt werden können, damit dieses nicht wie in der heutigen Situation ungeklärt in die Aare gelangt.»

Die Baubewilligung liegt vor, die Arbeiten sollen im Verlauf dieses Jahres beginnen. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von rund einem Jahr. Weil die Möglichkeit besteht, dass Spitzgräben des mittelalterlichen Kastells zum Vorschein kommen, wird der Baugrubenaushub begleitet von der Kantonsarchäologie. Die Platzverhältnisse sind eng. Aus Sicherheitsgründen wird der Fuss- und Veloverkehr auf dem Aareuferweg während der Bauzeit deshalb umgeleitet. Ebenfalls wird ein Baustellenzufahrtskonzept erstellt, das «die Verkehrssicherheit gewährleistet und auf die Anwohnerschaft, soweit möglich, Rücksicht nimmt».