Windisch

Ammann Heidi Ammon (SVP) stellt sich beim Finanzausgleich gegen die Parole ihrer Partei

Bezüglich Finanzausgleich kämpft die Windischer Frau Gemeindeammann Heidi Ammon für ihre Gemeinde.

Janine Müller
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Heidi Ammon, Ammann von Windisch.

Heidi Ammon, Ammann von Windisch.

Annika Bütschi

Seit Monaten setzt sich die Windischer Frau Gemeindeammann Heidi Ammon (SVP) für den neuen Finanz- und Lastenausgleich ein. Zusammen mit Susanne Voser, Frau Gemeindeammann in Neuenhof, gründete sie vor fünf Jahren die IG für einen fairen Finanz- und Lastenausgleich. Fast gleichzeitig nahm sie als deren Vertreterin in der kantonalen Arbeitsgruppe Einsitz. Regelmässig informierte Heidi Ammon die Öffentlichkeit über die Erkenntnisse und über das Anliegen.

Mit ihrem Engagement im Abstimmungskampf stellt sie sich gegen ihre eigene Partei, die SVP. Die SVP-Kantonalpartei hat nämlich für das Ausgleichsgesetz und den Finanzausgleich die Nein-Parole beschlossen. Auch Grossrat und SVP-Präsident des Bezirks Brugg Dominik Riner aus Schinznach setzt sich für ein Nein ein.

Wie also geht das zusammen, dass ein SVP-Behördenmitglied für das Gegenteil, das die Partei vorschlägt, weibelt? «Warum sollte dies nicht vereinbar sein?», fragt Heidi Ammon zurück und ergänzt: «Unabhängig meiner Parteizugehörigkeit ist es meine Aufgabe als Exekutiv-Mitglied, mit meinem Handeln für das Wohl der Gemeinde zu sorgen.» Eigenverantwortung sei ein gern verwendetes Wort in der SVP. Zudem weist sie darauf hin, dass sich so einige SVP-Amtsträger für den neuen Finanzausgleich einsetzen.

Seitenhieb gegen Partei-Gspänli

Entsprechend hatte sie parteiintern auch Rückhalt, beispielsweise in der Ortspartei. «Die SVP Windisch unterstützt mich in diesem Anliegen vorbildlich», sagt sie. Im Organisationskomitee des Informationsanlasses in Windisch habe sie sich auch eingebracht. Ihre aktive Mitarbeit sei auch ausserhalb der Partei in der Bevölkerung jederzeit respektiert und geschätzt worden.Heidi Ammon scheut sich nicht, in dieser Sache «ganz bewusst und ganz direkt als Vertreterin der Gemeinde Windisch aufzutreten», wie sie sagt. Einen Seitenhieb gegen ihre SVP-Partei-Gspänli kann sie sich denn auch nicht verkneifen. «Ob sich alle Parteimitglieder der Folgen der Strategie der Kantonalpartei bewusst sind, erlaube ich zu bezweifeln», sagt sie und fragt: «Oder wie lässt sich die breite Abstützung des Komitees für einen neuen Finanzausgleich durch SVP-Mandatsträger anders erklären?»

SVP-Bezirkspräsident Dominik Riner hat Verständnis für das Agieren von Heidi Ammon. «Sie steht für ein Ja ein zugunsten ihrer Gemeinde. Heidi Ammon trägt die Verantwortung für ihre Gemeinde und beurteilt die Lage aus Sicht der Gemeinde anders, als dies der Parteitag resp. die Kantonalpartei tut», führt er aus. Dies sei legitim und entspreche einer gelebten Demokratie.

Riner gibt zu bedenken, dass die Parteizugehörigkeit bei dieser Abstimmung keine grosse Rolle spielt. «Eher sind lokale und regionale Vor- und Nachteile im Vordergrund, die zu einem Ja oder Nein bewegen.» Er persönlich setzt sich für ein Nein ein. Seine Begründung: «Für rund 27 Gemeinden im Aargau wird das neue System den Steuerfuss auf die maximalen 124 Prozent steigen lassen. Da liegt es auf der Hand, dass diese Gemeinden so kein Entwicklungspotenzial generieren und zur Fusion gezwungen werden.»

Oberwil-Lieli trägt weniger Lasten

Anders lautet die Argumentation von Heidi Ammon. «Ist es fair, dass wir heute Steuerfüsse von 65 bis 128 Prozent haben? Ist es fair, wenn Gemeinden wie Neuenhof, Aarburg, Suhr oder Windisch ihren Nettoaufwand aufs Minimum kürzen und heute schon mit einem überdurchschnittlichen Steuerfuss arbeiten müssen?» Diese Gemeinden müssten weiter mit steigenden Steuersätzen rechnen, wenn der neue Finanzausgleich abgelehnt werde. «Gemeinden notabene, welche die eine und andere Aufgabe – sprich Soziallasten, Bildungslasten – für die Region abfedern», gibt Ammon zu bedenken. Dies im Gegensatz zu Gemeinden wie Attelwil, Habsburg oder Oberwil-Lieli, die wenig Lasten zu tragen hätten.

Die Frau Gemeindeammann von Windisch ist überzeugt, dass der neue Ausgleich dazu führt, dass die Gemeinden einen Anreiz haben, um sich zu verbessern. Ganz egal, was ihre eigene Partei dazu meint.