Brugg

Brugg will weiterhin die Wände hoch

Ende März soll der beliebte Boulderraum in der Brugger Altstadt geschlossen werden. Dies obwohl das Interesse an der Kletterei gross ist. Eine IG will die Schliessung verhindern.

Claudia Meier
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Arcta-Geschäftsführer Tom Rüeger beim Klettern im Boulderraum hinter dem Verkaufslokal. Claudia Meier

Arcta-Geschäftsführer Tom Rüeger beim Klettern im Boulderraum hinter dem Verkaufslokal. Claudia Meier

«Unser Entscheid hat bei unseren Kunden eine kleine Lawine ausgelöst», sagt Tom Rüeger. Er und seine Partnerin Andrea Greiner haben sich entschieden, nach 22 Jahren das Fachgeschäft Arcta Bergsport in der Brugger Altstadt Ende März zu schliessen. Damit verbunden wäre auch das Ende des Boulderraums, der vor 10 Jahren hinter dem Verkaufslokal eingerichtet wurde und sich in der Zwischenzeit zu einem beliebten Szenentreff in der Region Brugg entwickelt hat. Zwei treue Kletterer haben eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen und setzen sich für die Weiterführung dieses Raums ein.

Im Kanton Aargau gibt es neben dem Boulderraum in Brugg nur noch im Kraftreaktor Lenzburg eine zweite Trainingsmöglichkeit für seilfreies Klettern – alleine oder in Gruppen. In Brugg lässt sich schon als kleines Kind (unter 10 Jahren nur in Begleitung Erwachsener) auf 120 Quadratmetern Fläche mit rund 1500 Griffen und Tritten klettern.

Diese Freizeitbeschäftigung ist tagsüber bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. «Statt in die Badi zu gehen, bouldern die Jugendlichen 1,5 Stunden bei uns», sagt Rüeger. Am Mittag trifft man auch Studierende der Fachhochschule Nordwestschweiz im Boulderraum an. Am Abend Mitglieder des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) der Sektion Brugg, der über 1000 Mitglieder zählt.

Selbst unter den Angestellten des Paul-Scherrer-Instituts, der Alstom oder der ABB, die vielleicht nur für kurze Zeit in der Schweiz arbeiten, hat sich der Boulderraum als Geheimtipp herumgesprochen. «Am Freitagabend wird bei uns meistens Englisch gesprochen», sagt Tom Rüeger zum internationalen Ambiente mit Schwerpunkt Europa. Dabei gehe es den Skandinaviern, Engländern, Österreichern, Franzosen und Kanadiern nicht nur ums gemeinsame Training, sondern auch um die Pflege sozialer Kontakte, sagt der Arcta-Geschäftsleiter.

Im kompakten Boulderraum werden immer wieder neue Probleme angelegt. Jede Farbe gibt eine eigene Route vor. Die Jugendorganisation des SAC Sektion Brugg hilft regelmässig mit, den Raum in Schuss zu halten. «Zweimal pro Jahr holen wir mit den Jugendlichen alle Griffe und Tritte runter und putzen sie mit dem Hochdruckreiniger», erzählt Rüeger und blickt mit Wehmut der Kletterwand entlang.

Der Entscheid , das Geschäft aufzugeben, ist ihm und seiner Partnerin nicht leicht gefallen: «Wir sind gesund geschrumpft. Seit 1,5 Jahren haben wir keine Angestellte mehr. Jetzt freuen wir uns darauf, wieder mehr Zeit in den Alpen zu verbringen.» Das Interesse an der Fortführung des Boulderraums sei indes riesig. «Wer weiss, vielleicht finden wir ja noch eine Lösung», so Rüeger.