Pizza-Tour
Das Land, wo die Zitronen reifen

Für Tourenfahrer hat die Amalfiküste einen besonderen Reiz. Man spürt es. Wir haben bisher noch nie so viele Tourenfahrer getroffen, wie heute. Zudem wüsste ich nach dem heutigen Tag nicht, wie man diese spektakuläre Küste sonst geniessen sollte.

Martin Gysi
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T37-Zitronen

T37-Zitronen

Martin Gysi

Montag, 21. Mai. Während dem Frühstück im Hotel Iside in Pompei schlägt das Wetter um. Bei Wind und wolkenverhangenem Himmel starten wir Richtung Sorrento und beschliessen bald, auf die Umrundung der Halbinsel zu verzichten und in Sorrento die Direttissima an die Amalfiküste zu nehmen. Im Nachhinein kann man sagen, dass beides ein Glücksfall war, das kühle Wetter wie der Entscheid für die Direttissima. Heisses Wetter und eine längerer Anfahrt hätten den Genuss dieser einmaligen Küstenfahrt wohl nur geschmälert. Sportlich gesehen war der Tag auch so noch happig genug.

Da muss man mit dem Velo durch

Es lohnt sich. Besonders in dieser Richtung, von Sorrento nach Salerno, und deshalb stets auf der «Meerseite» der Strasse kann man über gut 40 Kilometer eine Landschaft geniessen, für die ein Adjektiv im Vordergrund steht: Spektakulär. Bizarre Felsklippen unter sich, steile Felswände, gezackte Gipfel und riesige Felsgrotten über sich, dazwischen an die Felsen geklebte Dörfer und vor allem immer wieder schmale steil über einander gebaute Terrassen mit Zitronen. Die in Pergolaform gezogenen Zitronensträucher sind zu dieser Jahreszeit so dicht mit grossen reifen Früchten behangen, dass ganze Hänge gelb gesprenkelt in der doch noch zaghaft durch die Wolken blinzelnden Nachmittagssonne leuchten. Eine grandiose Szenerie, die man einmal erlebt haben sollte, und dies - darin sind sich Martine und ich einig - am besten mit dem Velo. Den «Motorisierten» bleibt mindestens die Hälfte der Ausblicke nach oben und nach unten verborgen.

Von Naturkatastrophen

Gestern gönnten wir uns einen Ruhetag in Pompei. Gut vier Stunden lang durchstreiften wir das grossflächige Ausgrabungsgebiet. Darüber gäbe es einiges zu schreiben. Aber ich tue mich schwer damit. Denn irgendwie rückt doch die Tatsache immer wieder ins Bewusstsein, dass man sich, etwas überspitzt formuliert, in Pompei an den Folgen einer Naturkatastrophe «ergötzt». Und ausgerechnet an dem Tag, an dem in der Emilia Romagna sieben Menschen bei einer anderen Naturkatastrophe ums Leben kommen, wird dieses «Ergötzen» irgendwie noch peinlicher.

Die heutige Tour: Pompei - Salerno, 80 km, 880 Hm

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