Palliative-Care-Tag
Das Tabu Tod und Sterben: Am Ende zählt nur der Mensch

Das Motto des diesjährigen internationalen Welt-Hospiz- und Palliative-Care-Tags lautet: «Verborgene Leben – Verborgene Patienten». Für Margrit Güntert ist das leise Erschrecken darüber bei ihrem Gegenüber nicht neu.

Elisabeth Feller
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Szene aus dem Film «Zu Ende leben» von Regisseurin Rebecca Panian, der im Brugger Kino Odeon gezeigt wird. Ho

Szene aus dem Film «Zu Ende leben» von Regisseurin Rebecca Panian, der im Brugger Kino Odeon gezeigt wird. Ho

ZVG

Sie weiss aus ihrer langjährigen Erfahrung im stationären und ambulanten Hospiz-Bereich, wie sehr Sterben und Tod noch immer tabuisiert werden. «Dabei», sagt sie, «ist das doch ein ganz normaler Prozess. Wir alle kommen – und gehen.»

Die Frage ist nur, wie? In Würde. Das jedenfalls wünschen sich unheilbar kranke Menschen, die – dank Palliative Care – zu Hause oder im Hospiz sterben wollen.

Aber diese Patienten und ihr erlöschendes Leben bleiben den meisten von uns verborgen und sind somit auch viel zu oft kein Thema. «Aber wir sollten unbedingt darüber reden», findet Margrit Güntert und verweist auf das Motto 2015.

«Wir nehmen es ganz wörtlich und fragen uns unter anderem: Was ist mit Menschen, die beispielsweise im Gefängnis oder in der Psychiatrie sterben? Was wissen wir von ihnen, diesen verborgenen Patienten? Solchen, die ganz alleine sind.»

Diesen, aber noch vielen anderen Fragen will der Aktionstag von Palliative Aargau im Brugger «Odeon» nachspüren. Margrit Güntert hat diesen, als Mitglied der Arbeitsgruppe Bildung, mitorganisiert – im Hinblick auf das globale Motto, das jedoch nicht bindend ist.

Die Vorbereitungsgruppe hatte vorgängig den Film «Zu Ende leben» gesehen, worauf für sie feststand: «Er ist eine gute Ausgangslage für den Aktionstag.» Obgleich das Werk von Rebecca Panian vom Tod handelt, steckt es – für manche überraschend – zugleich voller Leben.

Der Dokumentarfilm erzählt vom fünfzigjährigen Tom, der einen Gehirntumor hat. Doch gerade oder trotz dieser niederschmetternden Diagnose beschliesst er, sein Leben bis zuletzt auszukosten – mit all seinen Tiefen und Höhen; seinen traurigen und hellen, aber auch komischen Begebenheiten.

«Am Ende aber», fasst Margrit Güntert zusammen, «zählt nur eines: der Mensch.»

Das Werk liefert Gesprächsstoff für die anschliessende, von der Kommunikationsfachfrau Carmen Frei moderierte Diskussion mit dem Publikum sowie Gästen aus Politik, Gesellschaft und Gesundheit.

Die Atmosphäre, so Margrit Güntert, solle ein bisschen einem «Stammtisch» ähneln, wo jeder etwas zur Diskussion beisteuern könne. Dass so viele prominente Teilnehmer im Brugger Kino Odeon anwesend sein werden, verdankt sich der Verschiebung des Anlasses. Der Welt-Hospiz- und Palliative-Care-Tag fand nämlich bereits gestern statt.

Doch für den 10. Oktober (Ferien- und Wahlkampfzeit) haben Politikerinnen und Politiker abgesagt, weshalb die Arbeitsgruppe kurzerhand beschloss, den Aktionstag auf den 17. Oktober zu verlegen. Schlimm? Überhaupt nicht, findet Margrit Güntert, denn das Anliegen – die Verbreitung des Hospizgedankens sowie der palliativen Versorgung – sei zeitlos.