Dicke Luft

«Das Verhältnis zwischen Brugg und Windisch hat sich verschlechtert»

Beobachter ziehen eine ernüchternde Bilanz über die Amtsperiode 2014 bis 2017 – der Brugger Stadtammann widerspricht.

Claudia Meier
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Bruggs Stadtammann Daniel Moser und Heidi Ammon, Gemeindeammann in Windisch, treten oft gemeinsam auf – hier an der Expo 2015.

Bruggs Stadtammann Daniel Moser und Heidi Ammon, Gemeindeammann in Windisch, treten oft gemeinsam auf – hier an der Expo 2015.

Michael Hunziker

«Ich bin zuversichtlich, dass wir weiterhin ein gutes Verhältnis zur Gemeinde Windisch pflegen und es sogar noch verbessern können», sagte Bruggs Stadtammann Daniel Moser im Februar 2014 in einem Zeitungsinterview. Wenige Monate später rieb man sich in Windisch die Augen, als bekannt wurde, dass die Stadt Brugg dort jahrelang eine Asylunterkunft in einer Baracke an der Unterwerkstrasse betrieb und Windisch die Ersatzabgaben an den Kanton gar nicht hätte leisten müssen.

Es folgte ein Hin und Her: Windisch forderte vom Kanton die Ersatzabgaben in der Höhe von 128 000 Franken zurück, der Kanton spielte den Ball den Gemeinden zu. Im Februar 2016 musste der Gemeinderat Windisch das zu viel bezahlte Geld abschreiben.

Als im März 2015 die Fusionspläne zwischen Brugg und Schinznach-Bad publik wurden, erwischte es die Nachbargemeinde erneut auf dem falschen Fuss. «Offensichtlich reichte das Vertrauen nicht aus, um uns früher über solche Fusionspläne zu informieren», sagte Windischs Gemeindeammann Heidi Ammon damals. Eine Fusion von Windisch und Brugg war zwar seit Jahrzehnten immer wieder mal ein Thema, wurde aber bisher noch nie ernsthaft geprüft. Die mit Brugg gemeinsamen Projekte – der Campussaal und das Räumliche Entwicklungsleitbild – wären laut Heidi Ammon prädestiniert gewesen, um den nächsten Schritt aufzugleisen. Doch daraus wurde nichts. Die Fusionsabklärung zwischen Brugg und Schinznach-Bad wurde weiter vorangetrieben. Noch in diesem Jahr wird darüber entschieden.

So ganz genau weiss es keiner

Die Sicherung weiterer Betriebsbeiträge für den gemeinsamen Campussaal hielt Brugg und Windisch in den letzten Monaten auf Trab. Auf eine einheitliche Vorlage konnten sich die Kommunen nicht einigen. Windisch beantragte die Beiträge für fünf Jahre und Brugg für zehn Jahre. Die Patronatsgemeinden haben jedes Jahr Anrecht auf zehn mietfreie Nutzungen. Als sich die Aargauer Zeitung erkundigte, wie viele Anlässe 2016 mietfrei waren, lautete die Antwort fälschlicherweise sechs, es waren aber neun, wie sich später zeigte. Ergänzungsfragen der az bei der Stadt Brugg wurden zur Beantwortung an die Verwaltung in Windisch weitergeleitet. Über Gesuche, die direkt über die Stadtkanzlei Brugg bewilligt wurden, wurde die Nachbargemeinde hingegen nicht informiert.

Nun neigt sich die laufende Amtsperiode dem Ende zu. In der zweiten Jahreshälfte stehen in Brugg und Windisch Gesamterneuerungswahlen an. Ammann Heidi Ammon (SVP) stellt sich in Windisch der Wiederwahl. In Brugg räumt der Stadtammann nach acht Jahren seinen Sessel.

Die az hat sich bei Kennern der Politszene in Windisch und Brugg umgehört und nach einer Bilanz der letzten vier Jahre gefragt. In Brugg wollten sich nicht alle Angefragten dazu äussern. Dennoch lautet bei allen Auskunftspersonen, die hier nicht namentlich erwähnt werden sollen, das Fazit klar: «Das Verhältnis zwischen Brugg und Windisch hat sich in der laufenden Amtsperiode verschlechtert.»

«In Brugg führt die Verwaltung»

Die einen orten den Hauptgrund für die schlechtere Zusammenarbeit bei den beiden Gemeindeammännern, die anderen bei den Verwaltungen und die Dritten bei der fehlenden gemeinsamen Vision. Als es darum ging, den Fachhochschul-Campus nach Brugg-Windisch zu holen, habe man ein klares Ziel vor Augen gehabt und konstruktiv zusammengearbeitet. Die Arbeit der Vision Mitte wurde in der Zwischenzeit abgeschlossen. Nun dominiere wieder das Tagesgeschäft, sagt ein ehemaliges Behördenmitglied. Er beobachte keinen Willen, gemeinsam Grosses anzupacken. Der neue Stadtammann sollte ein Visionär sein.

Es spiele schon eine zentrale Rolle, welche Persönlichkeiten einer Gemeinde vorstehen und wie sich diese verstehen, sagt ein anderer Ex-Politiker. In Brugg führe nicht der Ammann, sondern die Verwaltung – und zwar wie vor 30 Jahren. Man sei sich offenbar in der Bezirkshauptstadt noch nicht gewohnt, dass Windisch selbstbewusster auftrete und von Brugg nicht mehr alles akzeptiere. Mehrere Beobachter finden, dass sich die beiden Gemeinden zu wenig austauschen. «Ob die Behörden auf eine Initiative der Bevölkerung warten?», fragt ein Politiker. Es bräuchte ein Forum und neue Ansatzpunkte, doch irgendwie habe niemand Lust, etwas zu lancieren.

«Keine explizite Verschlechterung»

Auf diese Einschätzungen angesprochen, reagieren Daniel Moser und Heidi Ammon unterschiedlich. «Zwischen den Behörden und der Verwaltung von Brugg und Windisch besteht ein freundschaftlicher Kontakt», sagt Moser. Und bei gemeindeübergreifenden Projekten (Raum Brugg Windisch, Campussaal, Bildungsstandort, Arbeitszone Rütene, Verkehrsmanagement, Ostaargauer Strassenentwicklung etc.) finde ein reger Austausch statt. «Ich stelle deshalb keine explizite Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Brugg und Windisch in den letzten Jahren fest», fährt der Stadtammann fort. Es werde ein professioneller Umgang gelebt, der auf die Gemeindeautonomie Rücksicht nehme.

Auch Heidi Ammon erwähnt in ihrer Antwort zuerst die oben erwähnten aktuell gemeinsamen Projekte. «Wir pflegen einen direkten Informationsaustausch wie mit den weiteren angrenzenden Gemeinden – Hausen, Habsburg und Mülligen – auch», sagt Ammon weiter. Ob sie die Einschätzung teilt, dass sich das Verhältnis zwischen Brugg und Windisch in den letzten Jahren verschlechtert hat, lässt sie offen.