Scherz
Der «Löwe» darf in der Gemeinde Scherz weiter brüllen

Die Nachricht schlug letztes Jahr ein: Der Gasthof Löwen an der Unterdorfstrasse 63 schliesst Ende Februar 2012. Genau das ist nicht passiert. Das Scherzer Ehepaar Ruhstaller hat die Liegenschaft erworben.

Elisabeth Feller
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Die Scherzer Dorfbeiz wird die Gäste weiter erfreuen. EF./Archiv

Die Scherzer Dorfbeiz wird die Gäste weiter erfreuen. EF./Archiv

Elisabeth Feller

Die Pächterin, Ramize Redzepi, wollte sich letztes Jahr beruflich verändern. Da sie kurzfristig aus ihrem Vertrag aussteigen konnte, blieb kaum Zeit für Überlegungen nach der Zukunft des «Löwen».

Was würde die heute 65-jährige Eigentümerin der Liegenschaft, die einstige «Löwen»-Wirtin Ursula Burkard, unternehmen?

Kommentar: Die Dorfbeiz lebt - aber nur mit Gästen

Landauf, landab verschwinden Beizen: Der Landgasthof in Scherz bleibt.Das ist schlicht und ergreifend schön - vor allem deswegen, weil der «Löwen» nicht in fremde Hände übergehen wird, sondern eine ureigene Scherzer Angelegenheit bleibt.

Ein seit vielen Jahren mit der kleinen Eigenämter Gemeinde eng verbundenes, besonnenes Ehepaar glaubt offenkundig an die Zukunft der Dorfbeiz - selbst wenn die Verstädterung allenthalben um sich greift. Mit dem Erwerb des «Löwen» signalisieren die neuen Besitzer, dass ihnen der Gasthof mehr als nur eine Geldquelle ist, nämlich: Ein Ort der lebendigen Auseinandersetzung, der für die Bevölkerung sehr wohl identitätsstiftend sein kann.

Die Dorfbeiz als Ort des Verweilens, Beobachtens und Austausches funktioniert noch immer. Dazu braucht es bloss eines: Publikum. Einerseits Stammgäste, die dem «Löwen» über die Jahre die Treue halten und andererseits neue Besucher. Diese müssen aber erst noch gewonnen werden. Ob im Dorf oder ausserhalb, spielt keine Rolle. Bloss kommen müssen sie - und bleiben.

Würde sie die Umnutzung des sanierungsbedürftigen Gasthofs in Einzelzimmerstudios in Betracht ziehen?

Da Ursula Burkard in Kanada lebt und laut eigener Aussage auch dort bleiben will, suchte sie nach einer Lösung für die Liegenschaft.

Nun ist diese gefunden. Nach eingehender Prüfung entschloss sich das in Scherz verankerte Ehepaar Brigitte und Bernhard Ruhstaller, die Liegenschaft zu kaufen.

Dass der «Löwen» – das einzige Restaurant im Dorf – nun in einheimische Hände übergeht, freut die bisherige Besitzerin Ursula Burkard: Der «Löwe»kann weiterbrüllen, dank einer Familie, die seit über 28 Jahren in der kleinen Eigenämter Gemeinde ansässig ist.

Brigitte Ruhstaller ist dem Dorf als ehemalige Frau Gemeindeammann eng verbunden. Ihr Mann Bernhard ist von einer zukünftigen Steigerung der Standortqualität des Dorfes Scherz überzeugt. Dazu gehöre ein attraktiver Dorfkern sowie der Weiterbestand des Restaurants, sagt er.

Ähnlich argumentierte Gemeindeammann Hans Vogel im letzten Jahr, als er von der angekündigten Schliessung erfuhr: «Eine Landbeiz hat in Scherz nach wie vor eine realistische Chance auf Erfolg, sofern sie die Zusammenarbeit mit den Vereinen und Behörden aktiv sucht und pflegt.»

Vogel meinte damit «das sehr lebendige gesellschaftliche Leben, das sich in Scherz vor allem in den Vereinen abspielt.»

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