Brugg

«Die Altstadt-Krise ist hausgemacht»: Geschäfte vermissen Brugger Kunden

Messerschmied Romano Chiecchi beobachtet Geschäftstreiben an der Hauptstrasse kritisch. Evi Eier vom Musikhaus Da Capo glaubt, ein McDonald's-Restaurant könnte viele Leute in die Altstadt locken.

Claudia Meier
Drucken
Teilen
Die Geschäfte in der Brugger Altstadt glauben an ihren Standort.

Die Geschäfte in der Brugger Altstadt glauben an ihren Standort.

Claudia Meier

In der Brugger Altstadt ist einiges im Umbruch: Häuser werden umgebaut, Fassaden aufgefrischt und Ladenlokale geräumt (die az berichtete). Diese Entwicklung wird nicht nur von den Gewerbetreibenden (siehe Umfrage), sondern auch von Passanten aufmerksam verfolgt.

Sie habe jeweils schon ein komisches Gefühl, wenn sie von der Postauto-Haltestelle her kommend über die Aarebrücke und dann die Altstadt hochlaufe, sagt eine Bözbergerin, die früher als Verkäuferin in einer Metzgerei in der unteren Altstadt arbeitete.

Messerschmied Romano Chiecchi führt sein Fachgeschäft seit über 50 Jahre: «Uns geht es gut. Wir haben viele auswärtige Kunden, auch Chinesen und Japaner. Herr und Frau Brugger kaufen aber nicht hier ein – sie gehen nach Baden oder in ein Einkaufszentrum.»
6 Bilder
Susanne Käppeli von Susann’s Hair-Team: «Ich habe mein Coiffeur-Geschäft vor dreieinhalb Jahren vom Neumarkt in die Altstadt verlegt und bereue diesen Schritt nicht. Viele Kunden kamen mit. In der Altstadt fehlt ein Warenhaus à la Manor, dort, wo früher das ‹Rössli› war.»
Susanna Baur von der Kinder-Kleiderbörse: «Wir sind ein Team von vier Frauen. Die Börse funktioniert nur, weil alle ehrenamtlich arbeiten. Das Haus gehört der Stadt. Wir haben Fixkosten von rund 700 Franken pro Monat. Alle paar Monate können wir uns ein Team-Nachtessen leisten.»
Brigitta Coray (l.) und Ursula Lauber vom Laden Apart: «Unser Geschäft mit Wohnaccessoires und Geschenken ist seit August 2013 offen und ist sehr gut angelaufen. Oft kommen Kunden von auswärts, die zufällig in der Altstadt sind. Sie schätzen die individuelle Beratung.»
Evi Eiermann vom Musikhaus Da Capo: «Wir führen das einzige Geschäft in der Region mit Musikinstrumenten. Gut ist auch, dass wir in der oberen Altstadt sind. Es gibt immer weniger Kinder, die Musik machen. Seit drei Jahren führe ich den Laden alleine.»
Isabella Tiesnes vom manuElle-Laden: «Wir sind drei Frauen – zwei nähen Kinderkleider und eine fertigt Schmuck an. Daneben haben wir noch Familie und einen anderen Job. Unsere Kleider gehen bis nach Finnland und Australier. Nur wenige Brugger kaufen bei uns ein.»

Messerschmied Romano Chiecchi führt sein Fachgeschäft seit über 50 Jahre: «Uns geht es gut. Wir haben viele auswärtige Kunden, auch Chinesen und Japaner. Herr und Frau Brugger kaufen aber nicht hier ein – sie gehen nach Baden oder in ein Einkaufszentrum.»

Claudia Meier

Damals sei auch noch der ganze Verkehr durch die Altstadt gerollt. Eine Situation, die man sich kaum mehr vorstellen könne, fährt die Bözbergerin fort. Beim Messerschmied Romano Chiecchi ist sie noch immer Kundin.

Chiecchi hat in den vergangenen 50 Jahren schon viele Ladeneröffnungen und -schliessungen miterlebt. «Der Stadtammann kann noch lange sagen, es brauche in der Altstadt wieder eine Metzgerei oder Käserei. Das nützt doch nichts. Die Altstadt-Krise ist hausgemacht. Die Brugger kaufen hier nicht ein», so Romano Chiecchi, der in seinem Geschäft mehr Kunden von Windisch als von Brugg zählt.

«Der Laden mit den asiatischen Lebensmitteln läuft gut. Dort kaufen vor allem Thailänderinnen ein», sagt er und lacht. Von mehreren Seiten war zu hören, dass der Altstadt ein richtiger Anziehungspunkt fehle.

«Ein McDonald’s-Restaurant könnte viele Leute in die Altstadt locken», sagt Evi Eiermann vom Musikhaus Da Capo, obwohl das nicht ihr persönlicher Wunsch ist, und wirft besorgt einen Blick ins Lokal auf der gegenüberliegenden Strassenseite, wo Arcta Bergsport Ende März seine Türen definitiv schliessen wird.

In der Altstadt fehle ein wirklich gemütliches Café, sagt eine Studentin aus Rüfenach, die sich in der Campus Bar mit ihren Kollegen unterhält. Kürzlich habe sie bei der Durchfahrt mit dem Postauto einen Geschenkladen entdeckt, den sie bald mal besuchen wolle.