Brugger Literaturtage
Dieser Badener setzt sich für ein lesendes Brugg ein

Werner Bänziger, Lehrer und ehemaliger Journalist, erzählt seiner ehemaligen Schülerin, weshalb er sich mit den Literaturtagen für die Stadt Brugg einsetzt, was sich an der Lesekultur in den letzten Jahren verändert hat und welche Lektüre aktuell auf seinem Schreibtisch liegt.

Timea Hunkeler
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Setzt sich für die Literatur ein: Werner Bänziger, Vorsitzender der Brugger Literaturkommission, ist Lehrer an der Kantonsschule Wettingen.

Setzt sich für die Literatur ein: Werner Bänziger, Vorsitzender der Brugger Literaturkommission, ist Lehrer an der Kantonsschule Wettingen.

Sandra Ardizzone

Schon seltsam, wieder hier zu sein. Die Tische und Stühle stehen an gleicher Stelle, wie ich sie in Erinnerung habe, im leicht abgedunkelten Schulzimmer. Werner Bänziger, Lehrer an der Kantonsschule Wettingen, spaziert gemütlich in das ihm vertraute Schulzimmer. In einem Interview erzählt er seiner ehemaligen Schülerin, weshalb er sich mit den Literaturtagen für die Stadt Brugg einsetzt, was sich an der Lesekultur in den letzten Jahren verändert hat und welche Lektüre aktuell auf seinem Schreibtisch liegt.

Herr Bänziger, seit wann sind Sie Vorsitzender der Brugger Literaturtage?

Werner Bänziger: (überlegt und schmunzelt) Da muss ich kurz nachrechnen. Ich bin schon seit 2004 in der Literaturkommission. Für die Literaturtage 2014 war ich das erste Mal Vorsitzender. In der Kommission sind aktuell zehn Personen, wovon fünf Germanisten sind. Wir alle sind Literaturinteressierte. Zudem sind die verschiedenen beteiligten Organisationen vertreten.

Wieso setzt sich ein Badener für die Stadt Brugg ein?

Das hat sich einfach so ergeben. Früher habe ich an der Kantonsschule Wettingen interne Autorenlesungen veranstaltet. Diese haben meine eigenen Klassen aber zu oft besuchen müssen (lacht). Irgendwann kam die Anfrage, ob ich Interesse hätte, bei den Brugger Literaturtagen mitzuwirken. Da ich als Deutschlehrer einen stärkeren Bezug zur tradierten Literatur habe, sah ich es als Chance, mich vermehrt mit moderner Literatur befassen zu können. Zudem ist die Stimmung in Brugg genial. Ich wurde noch nie enttäuscht. Aus diesem Grund beteilige ich mich gerne an der Organisation.

Zur Person: Werner Bänziger

Werner Bänziger ist 59 Jahre alt. Er wuchs in Dietikon auf und ist nun wohnhaft in Baden. Bänziger ist verheiratet und hat zwei Kinder, die jedoch von seiner Frau in die Ehe mitgebracht wurden. Er besuchte das Gymnasium in Zürich und die HPL Zofingen, wo er die Ausbildung zum Lehrer machte. Später arbeitete er als Journalist beim Freien Aargauer. Ausserdem studierte er Deutsch und Geschichte an der Uni Zürich und ist seit 1993 Lehrer an der Kantonsschule Wettingen. Dort unterrichtet er die Fächer Deutsch, Geschichte und Gesellschaftswissenschaften. Seit 2014 ist er Vorsitzender der Literaturkommission in Brugg. (TiH)

Apropos Organisation: Welche Schwierigkeiten gibt es?

Dinge, die nicht so laufen wie geplant, gibt es immer. Ich würde sagen, dass bei jedem zweiten Mal irgendetwas schiefgeht. Damit muss man leben. Dieses Jahr kann beispielsweise die Autorin Monique Schwitter kurzfristig doch nicht an den Literaturtagen dabei sein. Trotz der Hindernisse mache ich die Arbeit gerne.

Sich dafür Zeit zu nehmen, ist sicherlich nicht immer einfach.

Nein, das ist es nicht. Es ist schwierig, neben dem Beruf als Lehrer noch Zeit dafür zu finden. Zum Glück können wir auf die tolle Unterstützung von Stadtrat, Kulturhaus Odeon, Salzhaus und neu auch dem Zimmermannhaus zählen. Ohne sie wäre das alles nicht möglich.

Was ist dieses Jahr anders an den Literaturtagen?

Nach den Literaturtagen treffen wir uns immer zu einer Abschlusssitzung. Dabei sind wir sehr selbstkritisch. Beim letzten Mal im Jahr 2014 kam die Kritik auf, die Einführungen vor dem Auftritt der Autoren seien zu lang geraten. Das versuchen wir zu ändern. Auch haben wir den Lesungsort für Lyrik ins Zimmermannhaus in Brugg verlegt. Wir gewichten die Kritik der Besucher hoch, dennoch sollten wir aufpassen, nicht allzu viel ändern zu wollen.

Brugger Literaturtage: Das erwartet die Besucher

Die Brugger Literaturtage finden alle zwei Jahre statt. Abwechselnd mit der Partnerstadt Rottweil, wird dabei die moderne Literatur in den Fokus gerückt. Die diesjährigen Literaturtage beginnen am Freitag, 16. September, und enden am SonntagDies, 18. September. Eröffnet wird um 19 Uhr mit einer Literaturbeiz im Salzhaus, gefolgt von ersten Kurzlesungen. Am Samstag finden im Salzhaus, im Kulturhaus Odeon, in der Galerie Zimmermannhaus und im Rathaussaal die Lesungen der eingeladenen Autoren statt. Dazu gehören beispielsweise Ursula Fricker, Jonas Lüscher und Teresa Präauer. Bei Kaffee und Gipfeli finden die Literaturtage am Sonntagmorgen mit der Podiumsdiskussion, die von den Schülern der Kantonsschule Wettingen und Baden ein- und ausgeleitet wird, ihr Ende. Weitere Infos sowie das gesamte Programm auf: www.brugger-literaturtage.ch. (TiH)

Wie haben sich die Literaturtage entwickelt?

Ein Thema, das uns zunehmend beschäftigt, ist die junge Generation. Uns fehlen die Besucher zwischen 20 und 30 Jahren. Wir überlegen des Öfteren, wie wir den jungen Leuten die Literatur schmackhaft machen könnten. Vielleicht gibt es an den Literaturtagen eines Tages eine Jugendschiene.

Lesen junge Leute denn noch?

Das Leseverhalten hat sich verändert. Meine Schüler beispielsweise sagen, dass sie in ihrer Freizeit neben der obligatorischen Lektüre nur wenig lesen. Immer öfters liest die junge Generation online. Einer Klasse, die ich momentan unterrichte, machen die Vorbereitungen zu den Literaturtagen jedoch viel Spass. Darüber bin ich froh, denn die Klassen der Kantonsschulen Wettingen und Baden werden am Sonntag das Podiumsgespräch mitgestalten. Ich habe keinerlei Bedenken, dass dabei nichts Gescheites herauskommt.

Impressionen von den Brugger Literaturtagen 2014:

Thomas Meyer freut sich, dass er einen Workshop an der Kantonsschule Baden durchführen konnte
7 Bilder
Werner Bänziger moderiert den letzten Anlass im Rahmen der Brugger Literaturtage
Eine Kantiklasse aus Wettingen liest eigene Geschichten im Salzhaus vor
Autorinnen und Autoren diskutieren im Salzhaus Brugg, ob literarisches Schreiben lernbar ist
Mirko Bonné, rechts, hat im Alter von 5 Jahren mit Schreiben begonnen
Brugger Literaturtage
Die Autorin Eleonore Frey (links) hört ihrer Kollegin Katja Petrowskaja zu.

Thomas Meyer freut sich, dass er einen Workshop an der Kantonsschule Baden durchführen konnte

André Albrecht

Wie entstand die Idee, dass die Schüler am Sonntagmorgen moderieren dürfen?

Früher war die Podiumsdiskussion am Sonntagmorgen unser Sorgenkind. Deshalb entstand die Idee der Textwerkstatt, in der die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschulen mit Autoren der Brugger Literaturtage zusammenarbeiten und eigene Texte entwickeln. Notabene: Das verjüngt das Publikum.

Wie wird eigentlich entschieden, welche Autoren eingeladen werden?

Jeder aus der Kommission kann drei oder mehr seiner Lieblingsautoren vorschlagen, die dann angefragt werden. Ich selbst kannte viele der 2016 eingeladenen Autoren zu Beginn nicht.

Die Literaturtage finden jedes Jahr im Wechsel mit der deutschen Partnerstadt Rottweil statt. Waren Sie auch schon dort?

Natürlich! Der Vorsitzende der Literaturkommission geht immer nach Rottweil. Es ist wunderschön dort.

Was liegt Ihnen persönlich an den Literaturtagen?

Lesen ist eine einsame Tätigkeit. Man macht es alleine. Leser sind die interessanteren Menschen, pflege ich zu sagen. Es ist wertvoll, wenn sich diese treffen und austauschen können. Ich mag es, mir nicht bekannte Schriftsteller kennen zu lernen. Ausserdem kann man ein Werk besser einschätzen, wenn man den Autor kennt. Ich möchte mich für solche Begegnungen zwischen Autor und Leser einsetzen und auf diese Weise die Literatur fördern.

Was sind Highlights der Literaturtage?

Sicherlich der Freitagabend. Die Kurzlesungen, die musikalisch begleitet werden, ziehen immer viele Besucher an. Am Freitagabend sind es geschätzte 400 Besucher. Für mich ist der Sonntagmorgen auch ein Highlight, da unsere Schüler mit dabei sind.

Welches Buch liegt aktuell auf Ihrem Schreibtisch?

Ich habe soeben das Buch «Johnny und Jean» von Teresa Präauer gelesen. So ein witziges Buch ist schon lange nicht mehr über meinen Schreibtisch gewandert. Ich freue mich deshalb sehr, dass sie an den diesjährigen Literaturtagen dabei ist.

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