Windisch

«Dieser Kollege war mein bester Filmberater»

Nach 40 Jahren sahen sich Pfarrer Franz Xaver Amrein und ein Studienkollege wieder – dank einem az-Porträt. Es sei ein Wunder, dass es zu dieser unverhofften Begegnung gekommen sei, sagt Amrein immer wieder.

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Walter Schwager

«Ein Wunder»: Wie oft wird dieses Wort verwendet - erst recht im Zusammenhang mit Weihnachten. Als Wunder kommt dem Windischer Pfarrer Franz Xaver Amrein eine unverhoffte Begegnung vor, die sich einer Umfrage im vergangenen Jahr verdankt.

Damals wurden einige Pfarrer der Region zu Weihnachten befragt. «An diesem Tag ist die Kirche voller als gewöhnlich, vor allem zur Mitternachtsmesse», hatte Pfarrer Amrein gesagt und diesen Umstand so erklärt: «Solches spiegelt ein Phänomen unserer Gesellschaft wider: Spezielle Anlässe sind Publikumsmagnete.» Der Windischer Pfarrer gab der az-Redaktion nicht nur Auskunft, er sandte ihr auch ein Foto zu, das er mit seiner Skype-Kamera gemacht hatte. Text und Fotos erschienen pünktlich - wie abgemacht.

«Wir wollen in Kontakt bleiben»

Einige Tage verstrichen. Dann wurde Amrein eines Tages von einem Mann aus dem Schaffhausischen angerufen, der am Kiosk «ganz zufällig» eine Aargauer Zeitung gekauft und darin das Foto von Amrein entdeckt hatte. «Ich war überrascht, erkannte aber den Anrufer sofort», sagt Amrein. Und, wer wars? Ein Studienkollege, der einst mit Amrein das Priesterseminar in Luzern besucht hatte. Seither haben sich die beiden nie mehr gesehen - und das sind mittlerweile schon 40 Jahre her. Kein Wunder, war die Wiederhörensfreude gross.

«Mein Kollege hat in Luzern damals auch noch am Katechetischen Institut studiert», ergänzt Amrein. Nach Abschluss der Studienzeit trennten sich die Wege beider. Amrein erfuhr am Telefon, dass der Kollege während mehr als 20 Jahren an einem grossen freiburgischen Oberstufenzentrum mit über 500 Schülern Religionsunterricht erteilt hatte.

Seit einigen Jahren ist er nun pensioniert. «Natürlich haben wir uns gegenseitig versichert, dass wir in Kontakt bleiben und uns besuchen wollen.» Doch damit schien es nicht klappen zu wollen. Vor anderthalb Wochen aber klingelte es an Amreins Türe. Doch der Pfarrer war unabkömmlich und so verstummte die Glocke. Vorerst. Denn nach einer halben Stunde klingelte es erneut. Amrein öffnete die Türe . . . der Studienkollege stand vor ihm. Dieser hatte seinen Besuch nicht angekündigt - wie gross war also die Überraschung!

Eine persönliche Empfehlung

Amrein lächelt, wenn er an den nachfolgenden Austausch denkt. Dabei kam auch etwas zur Sprache, was Amrein nie vergessen hat: «Mein Kollege war bereits in Luzern ein grosser Filmexperte; er war mein Filmberater.» In Luzern habe es damals ein Studio-Kino gegeben, in dem exzellente Filme gezeigt worden seien. Dass er manche von ihnen gesehen habe, verdanke er dem Kollegen. Dieser wurde seinem Filmexperten-Ruf erneut gerecht. Er war nicht mit leeren Händen nach Windisch angereist.

In seinen Händen hielt er ein Blatt mit einem persönlichen Vermerk: Franz Xaver Amrein wurde dadurch auf «Des hommes et des dieux» aufmerksam - ein Film, den so manche Zuschauer beim diesjährigen Filmfestival in Cannes mit diesem Wort bedacht haben: «Ein Wunder».