Prozess in Brugg

Er wollte geklautes Heroingemisch verticken – nun folgt die Quittung

Der Strafregisterauszug füllt drei A4-Seiten und dass er Drogen verkaufen wollte, gab der Angeklagte zu. Nun brummte das Bezirksgericht Brugg dem notorischen Berufskriminellen fünf Jahre und einen Monat Gefängnis sowie eine Busse auf.

Louis Probst
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Der Beschuldigte wurde beim Seebliknoten in Lupfig festgenommen. (Symbolbild)

Der Beschuldigte wurde beim Seebliknoten in Lupfig festgenommen. (Symbolbild)

KEYSTONE

«Mein Mandant will zur Sache nichts mehr sagen», erklärte der Verteidiger gleich zu Beginn der Verhandlung. Bei dieser «Sache» handelte es sich um einen Vorfall, der dem Beschuldigten neben einer Anklage wegen qualifizierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz einen Rattenschwanz an weiteren Anklagepunkten eingetragen hatte. Nämlich: Fälschung von Ausweisen, Verweisungsbruch, illegaler Aufenthalt, Führen eines Motorfahrzeuges trotz Entzug des Führerausweises sowie Verletzung von Verkehrsregeln.

Der Beschuldigte, ein 40 Jahre alter Mann aus Mazedonien, war als Lenker eines Personenwagens auf der Autobahn von Basel Richtung Zürich unterwegs gewesen, als er durch eine Polizeipatrouille mittels Leuchtmatrix «Polizei: Bitte folgen» aufgefordert wurde, einen Parkplatz bei der Autobahnausfahrt beim Seebliknoten in Lupfig anzusteuern.

Auf der Kreuzung bog er jedoch ab, um offensichtlich das Weite zu suchen. Eine Polizeipatrouille in einem neutralen Fahrzeug, die sich zufällig in der Nähe befand, konnte jedoch den Wagen stoppen. Bei der Kontrolle fand die Polizei im Auto eine Umhängetasche in der sich 47 Minigrip-Säcklein mit insgesamt 258 Gramm Heroingemisch sowie eine Digitalwaage und ein Handy befanden.

Es stellte sich zudem heraus, dass die bulgarischen Papiere, mit denen sich der Beschuldigte auswies, gefälscht waren, dass gegen ihn eine Einreisesperre bestand und dass er keinen gültigen Führerausweis hatte.

Bei der Überprüfung des Handys stiess die Polizei auf eine SMS, wonach das Heroin in Zürich in einem bestimmten Privat-Briefkasten bei der Heiliggeistkirche hätte deponiert werden sollen. Dass der Stoff offenbar dringend erwartet wurde, zeigten mehrere Anrufe auf das Natel, als sich der Beschuldigte bereits in Polizeigewahrsam befand.

Strafregisterauszug drei Seiten lang

«Drogenhandel hier, Drogenhandel dort – Drogenhandel überall», stellte der Staatsanwalt fest und verwies auf den drei Seiten langen Strafregisterauszug des Beschuldigten. Beim Beschuldigten handle es sich um einen «unbelehrbaren Berufskriminellen», der weder Einsicht noch Reue kenne und den auch die Aussicht auf Strafen nicht beeindrucken würde, betonte der Staatsanwalt und beantragte eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren sowie eine Busse von 200 Franken.

«Es ist keinesfalls nachgewiesen, dass das Heroin zum Weiterverkauf bestimmt gewesen war», machte der Verteidiger geltend. «Damit reduziert sich die Tathandlung auf den Transport. Daran ändern auch die SMS nichts.» Eine Freiheitsstrafe von 21⁄2 Jahren sei angemessen, meinte der Verteidiger – selbst angesichts des, wie er einräumte, «äusserst getrübten Leumunds» seines Mandanten. Es dürfe auch nicht strafschärfend berücksichtigt werden, dass sich der Beschuldigte geweigert habe, Aussagen zu machen.

Drogen für ein Albanerlokal

Das Gericht folgte jedoch weitgehend der Staatsanwaltschaft. Es sprach den Beschuldigten, der sich seit der Festnahme in Haft befindet, einstimmig im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und einem Monat sowie einer Busse von 1000 Franken.

«Die dem Beschuldigten zur Last gelegten Tatbestände sind alle erfüllt», erklärte Gerichtspräsidentin Franziska Roth. «Der Beschuldigte selber hatte ja gesagt, dass er die Drogen verkaufen wollte.» Tatsächlich hatte der Beschuldigte bei einer Einvernahme durch die Polizei erklärt, dass er die Drogen gestohlen hätte und sie in Zürich in einem Albanerlokal habe verticken wollen. «Der Beschuldigte ist bei dieser Aussage zu behaften», betonte die Gerichtspräsidentin. «Es ist zudem nachgewiesen, dass er sich an den Drogen zu schaffen gemacht hat und nicht bloss Kurier war.»