Brugg

Glamour-Girl Syra Marty: Sie war begehrt und die Tänzerin mit der höchsten Gage

Sie galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit, war Foto- und Werbe-Model und eine gefragte Tänzerin: Syra Marty. Am Freitag wird das erste Schweizer Glamour Girl ein Thema sein im Brugger «Odeon».

Michael Hunziker
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Syra Marty war Foto- und Werbe-Model und eine gefragte Tänzerin in Europa und in den USA.

Syra Marty war Foto- und Werbe-Model und eine gefragte Tänzerin in Europa und in den USA.

zvg

Die Autorin Margrit Schriber aus Zofingen liest im «Odeon» in Brugg aus ihrem Roman «Syra, die Stripperin». Im Anschluss wird der Dokumentarfilm «Syra Marty – Dächli Leni goes to Hollywood» von Roger Bürgler gezeigt. Es ist der erste gemeinsame Anlass der beiden Kulturschaffenden. «Wir haben uns nicht abgesprochen, werden als dem Abend seinen Lauf lassen», sagt Margrit Schriber.

«Es hat mich bewegt, wie diese einfache Frau, die nichts als ihren schönen Körper hatte, ihre ganze Energie daran setzte, sich ihren Platz zu erobern», sagt die Schriftstellerin zu ihrem Buch. «Sie war eine der begehrenswertesten Frauen im Business der Stripperinnen.»

Von ihrem Manager sei Syra Marty bis ganz zur Spitze geführt, aber auch ausgebeutet worden. Margrit Schriber bewundert die Stärke und fragt sich auch: «Wie konnte diese Frau alles so schadlos überstehen?»

Nur sie selber wunderte sich

Syra sei ein Name gewesen, eine Werbefläche, ein Objekt der Begierde. «Sie schien mir von allem unberührt. Sie wunderte sich masslos über ihre Verwicklung in den Kennedy-Mord. Sie wunderte sich, dass sie die Tänzerin mit der welthöchsten Gage war. Sie wunderte sich über ihre Engagements in namhaften Lokalen. Am meisten wunderte sie sich über die Porträts, die von ihr gemacht worden waren», stellt Margrit Schriber fest.

Sie habe einige Romane über Frauen geschrieben, die grosse Fähigkeiten hatten, so die Schriftstellerin weiter. «Sie wollten sich zu einem unerhörten Höhenflug aufschwingen, doch die Flügel wurden ihnen gestutzt.» Die Zeit sei noch nicht reif gewesen für Frauen, die ihren Traum verwirklichen wollten.

«Ich würde mich über viele offene Besucher und schöne Gespräche freuen», sagt Margrit Schriber vor dem Anlass am Freitag. Brugg kenne sie zwar nur oberflächlich. «Aber ich kenne das Kino Odeon. Es hat eine sehr spannende Geschichte.»

Den Zuhörern möchte sie die «Frau zum Bewundern» näher bringen. «Sie und ihre ganz spezielle Welt.» Sie sei sehr gespannt auf den Zusammenklang von Lesung und Film, fährt die Schriftstellerin fort. «Es werden zwei verschiedene Seiten derselben Frau an die Besucher herangetragen.

Wie werden diese reagieren?» Man müsse diese beiden Seiten nicht unbedingt zur Deckung bringen, so Margrit Schriber. Denn das Leben eines Menschen habe tausend verborgene Winkel. «Es lohnt sich, in sich und in Anderen neue Seiten zu entdecken. Vielleicht gibt dieser Abend die Möglichkeit dazu.»

Film ist selten zu sehen

Die literarische und filmische Umsetzung – «zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen» – dieser faszinierenden Frauenbiografie, die Kombination aus Bühne und Kino versprächen Unterhaltung und Spannung, ist auch Gabi Umbricht vom «Odeon» überzeugt. Die Person Syra Marty sei weitgehend unbekannt, der Film «Syra Marty – Dächli Leni goes to Hollywood» selten zu sehen.

Im «Odeon» wurde er vor einiger Zeit aufgeführt. Das Plakat hange noch immer, sagt Gabi Umbricht, das Werk sei deshalb nach wie vor präsent. Die Organisation dieses Anlasses habe sich nicht zuletzt aus diesem Grund angeboten. Reservationen sind auf www.odeon-brugg.ch möglich.

Erstes Schweizer Glamour Girl

Syra Marty wurde unter dem Namen Josefina Magdalena Marty im Jahr 1921 geboren und wuchs in Goldau im Kanton Schwyz auf. Weil sie im elterlichen Berggasthaus Rigi-Dächli arbeitete, wurde sie auch «Dächli Leni» genannt. 1942 zog sie nach Zürich, arbeitete als Serviertochter und später als Assistentin des Artisten Billy Frick. Von 1945 bis 1977 waren die beiden ein Paar.

Als Syra Marty wurde sie Foto- und Werbe-Model und zu einer gefragten Tänzerin. 1948 wanderte sie zusammen mit Billy Frick nach Los Angeles aus und startete ihre Karriere in Hollywood. Ihre Fotos erschienen in Magazinen und Zeitungen und sie spielte auch in Filmen mit.

Syra Marty galt als erstes Schweizer Glamour Girl und als eine der schönsten Frauen der Welt. 1977 zog sie sich aus dem Showbusiness zurück und lebte zurückgezogen und bescheiden in Florida, wo sie im Februar 2011 starb.