Brugg

Grosser Aufwand, grosse Gefühle

Die Mülimatthalle war am Wochenende in der Hand der besten Schweizer Judokas. Die Einheimischen holten sich dabei den zehnten Schweizer-Meister-Titel in Serie.

Ruedi Burkart (Text) und Alexander Wagner (Fotos)
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Zehnter Schweizer-Meister-Titel in Serie: Grosser Jubel bei Brugg nach dem Finalsieg gegen Uster.

Zehnter Schweizer-Meister-Titel in Serie: Grosser Jubel bei Brugg nach dem Finalsieg gegen Uster.

foto-net / Alexander Wagner

Patrick Kyburz war gestern und am Samstag ein gefragter Mann. Er präsidierte das Organisationskomitee des Ju-Jitsu- und Judo-Clubs Brugg, welches für die Durchführung der Schweizer Meisterschaft verantwortlich zeichnete, und musste vor dem Beginn des Finalkampfs der Männer verschiedentlich Red und Antwort stehen. «Wir sind mit dem Anlass bisher sehr zufrieden», zog Kyburz am frühen Nachmittag ein erstes Zwischenfazit, «sportlich und vom Zuspruch der Zuschauer her gesehen.» Während sich oben in der Dreifachhalle die Tribüne langsam, aber sicher füllte, brummte im Foyer der Mülimatthalle die Festwirtschaft. Der Renner: Älplermagronen mit Apfelmus. «Wir kochen selbst. Es ist zwar kein Fünfgangmenü. Aber den Leuten schmeckts», so Kyburz schmunzelnd. Amateurköche des Vereins rührten in den Töpfen und Pfannen.

Und die sportliche Bilanz? Seine Brugger qualifizierten sich erwartungsgemäss für den Finalkampf gegen Uster. Was liegt drin? «Nun, es war bisher bereits eine wunderbare Saison für uns. Wenn wir erneut Meister werden, wäre das natürlich fantastisch. Wenn nicht, ist es auch kein Weltuntergang.» Dann musste sich Kyburz auch schon wieder verabschieden, das staatliche Radio erwartete ihn zum Interview.

Eindrücke der Schweizer Meisterschaft im Judo mit dem neuen alten Schweizermeister aus Brugg
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Im Final traf der JJJC Brugg (in weiss) auf den Judo Club Uster (in blau).

Eindrücke der Schweizer Meisterschaft im Judo mit dem neuen alten Schweizermeister aus Brugg

foto-net / Alexander Wagner

Eineinhalb Stunden später war der Finalkampf zu Ende, und die Brugger feierten ihren Sieg gegen Uster und damit den zehnten Meistertitel in Serie, den 14. insgesamt. Solche Erfolge würden nie zur Selbstverständlichkeit werden, meinte ein sichtlich zufriedener Coach Martin Nietlispach, während die Zuschauer ihre Helden immer und immer wieder hochleben liessen. Der 29-jährige Oberrohrdorfer unterstützte sein Team nur vor der Seite her, auf einen Einsatz in der Kategorie bis 81 kg verzichtete er. Ob mit dem «Stängeli» – dem Titel Nummer 10 – nun die Vorherrschaft der Brugger zu Ende gehen wird, wie vor dem Finale Insider orakelten? Mal schauen. Jedenfalls profitiert auch Final-Verlierer Uster vom Brugger Wissen. Schliesslich standen für die Zürcher Unterländer vier Akteure im Einsatz, welche auch schon für den JJJC Brugg Kämpfe gewannen.

Nach dem sportlich erfolgreichen Abend machten sich die Judokas und ihre Fans auf zur wohlverdienten Meisterparty. Dort stiess man nicht nur auf den 14. Titelgewinn an. Die Brugger feiern dieses Jahr auch gleich noch ihr Jubiläum «20 Jahre Nationalliga A». Und ebenfalls die Tatsache, dass sie nun punkto Meistertitel zu Rekordhalter Nippon Zürich aufgeschlossen sind.

Ziel: Eine schwarze Null

Zum dritten Mal nach 2000 und 2010 stellten sich die Brugger dieses Jahr als Organisator einer Schweizer Mannschaftsmeisterschaft zur Verfügung. Der Aufwand für den ganzen Klub sei beträchtlich, so OK-Boss Kyburz. Da müsste finanziell auch etwas herausschauen. «Wir sind zwar eine Non-Profit-Organisation. Aber ein Minus in der Kasse wollen wir natürlich nicht haben nach diesem arbeitsreichen Wochenende.»

Nach den Erwachsenen am Samstag ermittelte gestern der Nachwuchs die Besten des Landes. Weil der Eintritt an Judo-Grossanlässe traditionsgemäss gratis ist, hofft man, über die Festbeiz einen finanziellen Gewinn zu erwirtschaften. Kyburz: «Wenn wir einen Überschuss in der Kasse haben, werden wir zufrieden sein.» Vor sechs Jahren, bei der letzten SM-Finalrunde in Brugg, habe es «einen kleinen Gewinn geben.»