Mülligen

Holcim kontert Kritik an geplantem Kiesabbau

Markus Vogt, Leiter des Holcim-Kieswerks in Mülligen, äussert sich zur Kritik der IG Mülligen-Birrfeld an der geplanten Erweiterung des Abbaugebiets.

Michael Hunziker
Drucken
Teilen
Holcim plant eine Erweiterung des Kiesabbaus im Gebiet «Lindenacher-Ost».

Holcim plant eine Erweiterung des Kiesabbaus im Gebiet «Lindenacher-Ost».

Ingo;zvg;

Es ist ein Geschäft mit Zündstoff: die Erweiterung des Kiesabbaus «Lindenacher-Ost». Nächsten Freitag entscheidet die Gemeindeversammlung in Mülligen über die dafür notwendige Teiländerung der Nutzungsplanung sowie die Änderung der Bau- und Nutzungsordnung. Zu reden gibt vor allem die sogenannte Inkonvenienzentschädigung für die mit dem Kiesabbau verbundenen Unannehmlichkeiten wie Staub, Lärm, Verkehr oder Beeinträchtigung der Landschaft. Der Gemeinderat geht künftig jährlich – je nach Abbau- und Einbaumenge – von 500'000 bis 700'000 Franken aus. Aktuell sind es 130 000 Franken (Holcim 85'000 Franken, Biturit 45'000 Franken).

Die Holcim Kies und Beton AG plant die Erweiterung, weil die Kiesvorräte im heutigen Materialabbaugebiet «Eichrüteli» in Mülligen bald erschöpft sind. Ab 2019 sollen in drei Etappen insgesamt 5,4 Mio. Kubikmeter Rohmaterial gewonnen werden. Bei einem Volumen von rund 365 000 Kubikmeter dauert der Abbau voraussichtlich 15 Jahre.

Die IG Mülligen-Birrfeld, die diesen Plänen seit längerem kritisch gegenüber steht, bezeichnet das Angebot der Holcim für die Entschädigung als unanständig. Der Gemeinderat sei zu beauftragen, einen für das Dorf besseren Vertrag auszuhandeln. In einem Schreiben weist die IG Mülligen-Birrfeld darauf hin, dass Holcim das Abbaugebiet in einem ersten Schritt – «Lindenacher-Ost» – um über 20 Hektaren erweitern will. Eine nächste Abbauphase – «Lindenacher-West» – sei ab 2034 in etwa gleicher Grösse vorgesehen.

Für Abbau bleiben 22 Hektaren

Markus Vogt, Werkleiter in Mülligen, präzisiert: Das Gebiet, das an der Gemeindeversammlung zur Diskussion stehe, umfasse eine Fläche von 30 Hektaren. Darin mit eingerechnet sei das Polofeld, um auch weiterhin die Nutzung für den Polosport zu ermöglichen. «Für den Kiesabbau bleiben gut 22 Hektaren. Die Darstellung der IG Mülligen-Birrfeld, dass es sich insgesamt um 50 zusätzliche Hektaren handelt und dass Holcim ab 2034 in einer zweiten Etappe abbaut, ist falsch.» Eine allfällige spätere Erweiterung im Gebiet «Lindenacher-West», fügt der Werkleiter an, würde eine Richtplanänderung voraussetzen mit einem Entscheid durch den Aargauer Grossen Rat sowie ein erneutes Bewilligungsverfahren mit öffentlicher Mitwirkung inklusive Abstimmung der Gemeinden.

Der Inkonvenienzvertrag sei nicht einseitig, wie von der IG Mülligen-Birrfeld bemängelt, sondern sei Gegenstand gewesen von Verhandlungen zwischen Gemeinde und Holcim, betont Vogt. «Man hat sich geeinigt.» Holcim entschädige einerseits Nachteile der Einwohner der betroffenen Gemeinden, die aufgrund von Emissionen aus dem Kiesabbau entstehen, und andererseits die erhöhte Nutzung der kommunalen Infrastruktur.

Der Schutz ist gewährleistet

Vogt hebt hervor, dass konkrete Massnahmen zu Themen wie Verkehr oder Umweltschutz nicht Teil der Inkonvenienzvereinbarung sind, sondern Auflagen im Rahmen der Abbaubewilligung. Das entsprechende fachliche Gutachten der kantonalen Fachexperten liege vor. Der Werkleiter macht ein Beispiel: «Holcim investiert im Zuge des Erweiterungsprojekts in eine neue Verkehrsführung, die zusammen mit dem Gemeinderat und der Verkehrskommission konzipiert wurde. Damit werden künftig 85 Prozent des Verkehrs von den heute stark verkehrsbelasteten Quartieren im Bergacher sowie vom Dorfzentrum weggeführt.»

Kurz: «Das vorliegende Abbauprojekt sowie der neue Inkonvenienzvertrag mit der Gemeinde werden allen genannten Aspekten gerecht», fasst Vogt zusammen. Im Rahmen der Projektplanung sei die Umweltverträglichkeitsprüfung durch unabhängige kantonale Fachexperten durchgeführt worden, ergänzt er. Insbesondere sei ein umfassendes Rekultivierungs- beziehungsweise Renaturierungskonzept eine Auflage der Abbaubewilligung. Ebenfalls habe das Projekt dem Grundwasserschutz Rechnung zu tragen, «was nachweislich geschieht», so der Werkleiter. Auch wenn sich das vorrangige Grundwasserschutzgebiet komplett ausserhalb des neuen Abbauperimeters befinde: «Statt der gesetzlichen Schutzschicht von 2 Metern belässt Holcim seit Jahren eine 3 Meter dicke Kiesschicht stehen.»