Hochwasser Region Brugg
«Im Haus begann es zu rauschen wie bei einem Wasserfall»

Der Regen vom Samstag hat viel Chaos in die Region gebracht – eine Strasse in Birr ist besonders betroffen.

Dean Heizmann und Janine Müller
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Hochwasser Brugg
28 Bilder
Viele Flurwege im Schenkenbergertal, wie dieser hier, wurden überschwemmt.
Dieser kleine Bach ist der Urheber der Überschwemmung.
Vom Wasser, das die Wieser runter lief, ist nur noch Dreck übrig.
Von links - Linda Hutzler, Esther & Max Dubs
Durch das Kellerfenster ist das Wasser in das Haus von Corinne Wernli gedrungen. Die Nachbarn haben ähnliche Fenster.
So sehen die Gärten nach den Fluten aus. Der kleine Weiher hat stark gelitten.
Viel Schlamm und Dreck hat in die Häuser gefunden.
In diesem Container sammeln sich vom Wasser zerstörte Gegenstände.
Die unteren Etagen sind noch verdreckt von den Wassermassen.
Die Garagen sind mittlerweile wieder rausgeputzt, der Schaden bleibt.
Schlammrückstände auf dem Hof Kasteln in Oberflachs.
Der Bach, der Wassersammler und unten die betrofene Häusersiedlung.
Das Wassersammler ist zu klein, verstopft und überläuft.
Die überschwemmten Gärten.
Das Garangenfenster hat den drückenden Wassermasse nachgegeben.
Die Gärten waren komplett überschwemmt.
Der Hof Kasteln war ebenfall von den Überschwemmungen betroffen.
Das Wasser konnte kaum noch abfliessen.
Das Wasser stand über einen halben Meter hoch.
Auf orginelle Weise trocknet Familie Dubs nasse Dokumente und Zeitschiften.
Das Wasser stürzt die Treppen im Garten hinunter.
Bei Hutzlers sehen die unteren Stockwerke nicht anders aus.
Bei der Familie Dubs hat sich das Fenster in der Garage gelöst und ist auf dem Oldtime zersprungen.
Das Wasser kommt vom Wald her die Wiese herunter.
Auf dem Hof Kasteln füllte das Wasser auch das Güllenloch.
Alles muss vom Schlamm und Geröll befreit werden.
Auch was sich in den oberen Regaletagen befand, wurde nicht verschont.

Hochwasser Brugg

Zur Verfügung gestellt

Wenn man in die Panoramastrasse in Birr einbiegt, fällt einem als erstes der gelbe Container auf, der eigentlich bei Abrissarbeiten gebraucht wird. In diesem Fall stapelt sich darin jedoch nicht Bauschutt, sondern kaputter Hausrat. Material, das den Anwohnern der Panoramastrasse gehörte, bevor es der Überschwemmung vom Wochenende zum Opfer fiel.

Eine Bewohnerin ist Corinne Wernli. Sie war am Samstag zu Hause und hat das Chaos miterlebt: «Draussen regnete und donnerte es. Im Haus begann es zu rauschen, erst leise dann immer lauter, wie bei einem Wasserfall. Auf einmal war der ganze Keller voller Wasser. Ich fühlte mich so hilflos, denn man kann nichts machen, das Wasser kam einfach. Zum Glück war die ganze Nachbarschaft sofort da und half einander, so konnte grösserer Schaden verhindert werden.»

Der Urheber der Überschwemmung ist ein unscheinbarer Bach am Waldrand oberhalb der Strasse. Der Bach ist zuerst offen und wird unterirdisch in einem Rohr weitergeführt. Um dieses Rohr nicht zu verstopfen, wird der Bach in ein Einlaufbollwerk abgeführt, wo sich Schlamm und Äste absetzen können. Das Rohr verstopfte jedoch und es kam zur Überschwemmung. Die Wassermassen traten rasch über die Ufer, flossen den Hang hinunter und den Menschen in die Gärten.

«Der Schlammsammler ist viel zu klein und läuft über. Das sieht aus wie eine braune Wand, die schlagartig den Hang herunter kommt», so Max Dubs, ein weiterer betroffener Anwohner der Panoramastrasse. Er erlebt, so wie manche an dieser Strasse, bereits zum dritten Mal eine derartige Überschwemmung. 1999 lief der kleine Bach gleich zwei Mal über die Ufer. Max Dubs fühlt sich, wie manch einer an der Panoramastrasse, von den Behörden im Stich gelassen.

Kanton ist gefragt

Das Problem ist, dass öffentliche Gewässer der Verwaltung des Kantons unterliegen, der Gemeinde sind quasi die Hände gebunden. Der Birrer Gemeinderat René Grütter erklärt gegenüber der az: «Wir haben schon versucht, Druck auf den Kanton auszuüben, damit dieser künftig Überschwemmungen verhindert. Vor ein paar Jahren ging eigentlich noch gar nichts. Jetzt arbeiten wir an einer Lösung, deren Umsetzung 2017 geplant ist. Wir haben zwei konkrete Kostenvoranschläge von Ingenieurbüros. Der eine beläuft sich auf 700 000 Franken, der andere auf 1,4 Mio. Franken. Wie es weiter geht, hängt vom Kanton ab.»

Es gibt zwei plausible Varianten: Bei der ersten wird das Rückhaltebecken vergrössert und ein Teil des Baches offengelegt. Bei der zweiten Variante wird das Becken verkleinert, dafür ein Grossteil des Bachs offengelegt und vergrössert, um das Fliessvolumen zu maximieren.

Der Brunnenmeister und Leiter des Bauamts von Birr, Roger Frey, hat das als Schlammsammler funktionierende Einlaufbollwerk Minuten vor den heftigen Regenfällen kontrolliert, was eigentlich nur zweimal im Jahr geschieht. Wieso es trotzdem zur Überschwemmung gekommen ist, liegt für ihn auf der Hand. Die Anlage sei für solche Wassermassen schlicht nicht konzipiert. Am Samstag schüttete es 30 Liter pro Quadratmeter. Die Anwohner der Panoramastrasse hoffen jedenfalls auf eine baldige Lösung, denn im Moment müssen sie sich vor jedem Unwetter fürchten.

Einsätze im Schenkenbergertal

Auch das Schenkenbergertal war vom heftigen Regen betroffen. 15 Mal musste die Feuerwehr Schenkenbergertal am Pfingstsamstag ausrücken. Zwischen 13 und 22 Uhr waren die Rettungskräfte im Einsatz. Am Sonntag ging es dann noch ans Aufräumen. Die andauernden Regenfälle in der Region führten zu überfüllten Kellern und überquellenden Bäche.

Betroffen war beispielsweise die Garage F. Wernli AG in Schinznach-Bad. Das Leuebächli trat über die Ufer und überschwemmte das Gelände der Garage. «Zum Glück habe ich vorgesorgt», sagt Geschäftsführer Fritz Wernli. «Wären die Türen nicht gut abgedichtet gewesen, dann wäre das Wasser wohl bis in den Ausstellungsraum geflossen.» Bereits vor rund 15 Jahren war die Garage von Überschwemmungen betroffen. Das Leuebächli werde regelmässig mit einem Bagger ausgehoben und das Laub entfernt. «Dieses Mal wurden wir aber vom Wasser überrascht», so der Garagist.

Auch der Hof Kasteln sowie das Schulheim in Oberflachs wurden von den Wassermassen überrascht. «Der übersättigte Boden konnte das Wasser einfach nicht mehr schlucken», sagt Danièle Duperrex Stadler. Auf ihrem Hof überquoll das Güllenloch, zudem sei der Keller des Personalhauses des Schlosses Kasteln betroffen, das an exponierter Stelle steht. Welchen Schaden die Rebberge genommen haben, kann die Familie noch nicht sagen. Verschiedene Flurwege in der Region sind ebenfalls von Schäden betroffen, teilweise liegen Steine in den Feldern.