Brugg

Jetzt verlässt der Tüftler Steven Parry seine vier Wände

Steven Parry, der Musiker aus Aarau, steht ständig auf der Bühne, aber immer als Begleiter. Jetzt springt er im Dampfschiff Brugg über seinen Schatten und präsentiert sein allererstes Soloprogramm.

Katja Schlegel
Drucken
Teilen
Steven Parry und Marion Weik proben in ihrer Wohnung im Aarauer Schachen im Studio, der «Schalldose».Emanuel Freudiger

Steven Parry und Marion Weik proben in ihrer Wohnung im Aarauer Schachen im Studio, der «Schalldose».Emanuel Freudiger

Emanuel Per Freudiger

Jetzt wird er von der Beilage zum Hauptgang. Vom Rosmarinhärdöpfeli zum Filetstück. Steven Parry lebt seit 25 Jahren für und von der Musik, hat auf Dutzenden Alben als Studiomusiker mitgespielt und 30 eigene aufgenommen – aber erst eines davon digital veröffentlicht. Er hat auf unzähligen Bühnen an den Tasteninstrumenten gesessen und den Frontmann oder die Sängerin begleitet – aber allein als Steven Parry aufgetreten, ist er noch nie.

Jetzt tut er es. Am Freitag steht der Aarauer im Dampfschiff Brugg auf der Bühne und präsentiert sein allererstes Soloprogramm «Steven Parry feat. Sugar» mit «groovy melodic electro-pop». Nun, erneut nicht ganz allein, sondern begleitet von seiner Partnerin, die ihn mit Nachdruck bei diesem Schritt unterstützt hat: Marion Weik, Sängerin und Tänzerin, bekannt als Frontfrau von Sugar and the Josephines. Sie fanden, Parrys immenses Repertoire an Eigenkompositionen gehöre endlich einmal auf eine Bühne.

Noten lesen mit Ach und Krach

Das Einstiegsinstrument Blockflöte hat Parry in seiner Musikerkarriere ausgelassen. Als Sechsjähriger bekam er einen Synthesizer ausgeliehen, und damit war es um ihn geschehen. Mit sieben Jahren begann er mit Keyboard- und Klavierunterricht. Stundenlang sass er im Estrich an den Tasten und übte nach Gehör Stücke ein. Oder er strolchte mit dem Aufnahmegerät durch Gärten und Strassen, nahm Vogelgezwitscher, Glocken und den Verkehr auf, und am allerliebsten Gewitter mit gehörig Blitz und Donner.

Zurück im Estrich, webte er die Geräusche ab Kassette in seine Melodien ein. «Zu üben, zu tüfteln und zu spielen war immer ein Bedürfnis, nie Zwang», sagt Parry. Das alles geschah immer ohne Noten. Noch heute kann Parry sie nur mit Ach und Krach lesen. Was er spielt, spielt er aus dem Kopf.

Als 13-Jähriger gründete er mit drei Kollegen die erste Band Steamy, die bis heute – auf Steem umbenannt – besteht. Mit 15 nahm er erste selbst geschriebene Songs auf, ergänzte sie mit Gesang, Gitarre, Schlagzeug und Bass. Nach der Matura machte er die Tontechnikerschule, gründete weitere Bands, vertonte selbst gedrehte Filme, schuf die Kunstfigur «The Freak» und wurde dafür als Pro Argovia Artist ausgezeichnet, arbeitete als Studiomusiker und Barpianist. Bis heute.

Einen anständigen Job zu lernen, Parry malt mit den Fingern die Gänsefüsschen in die Luft, das habe er sich nie ausmalen können. Das hätte ihn viel zu viel Energie gekostet. «Ich habe mir nie etwas anderes vorstellen können, als von der Musik zu leben», sagt er.

Gar nie auf die Idee gekommen . . .

Erstaunlich, dass Parry trotz dieser unbändigen Liebe zur Musik bisher seine Alben nur an Freunde und Bekannte verschenkt oder im Internet veröffentlicht hat und noch nie alleine aufgetreten ist. Dass er sich mit dem Begleiten, mit der Rolle im Hintergrund zufriedengegeben oder sich hinter einer Kunstfigur versteckt hat. «Irgendwie bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Ich habe immer den anderen Projekten den Vorrang gegeben», sagt er und druckst herum.

Doch das Scheue trügt, Parry kann auch anders. Auf der Bühne und in Videoclips überrascht er mit seinen ungewöhnlichen Tanzeinlagen, seiner Mimik, seiner Gestik. Aber ja, vielleicht sei er etwas zu überlegt, zu vorsichtig, um sich mir nichts, dir nichts alleine ins Scheinwerferlicht zu stellen.

Nun verlässt der Tüftler seine vier Wände, im Gepäck Synthesizer, Drumpad und Loop Station. Entstanden sei das Paar-Projekt schleichend. Beim Komponieren der Stücke, beim Ausprobieren. Plötzlich sei Marions Stimme als Zweitstimme mit eingeflossen, dann kamen ihre Choreografien dazu. «Das Programm ist aus der Freude heraus entstanden, gemeinsam Musik zu machen», sagt Parry. Birgt es nicht Konfliktpotenzial, gemeinsam mit dem Partner an einem solchen Projekt zu arbeiten? Nein, das sei ganz einfach, sagt Marion Weik. «Das ist Stevens Projekt. Ich richte mich nach ihm und ergänze ihn.»

Noch proben die beiden heftig. Marion Weik im Tanzsaal, Steven Parry in der «Schalldose», seinem Heimstudio. Jede Bewegung, jeder Knopfdruck muss sitzen. Da bricht wieder der Überlegte, der Vorsichtige durch. Um alles richtig zu machen, brauche es volle Konzentration, sagt er. Aber er freue sich sehr auf den Auftritt, auf das erste Mal als Hauptfigur. «Ich freue mich darauf, ich zu sein.»

Brugg: 14. Februar, 21 Uhr, Dampfschiff

Aarau: 8. März, 21.30 Uhr, Barracuda